Charakterisierung von Extended-Spektrum beta-Laktamase (ESBL) bildenden Escherichia coli aus Rohfleisch und Vergleich mit humanen Isolaten

(15.11.2012) B. SPRINGER and K. BRUCKNER; Wien Tierärztl Monat – Vet Med Austria 99 (2012) 

Enterobakteriazeen gehören zu den wichtigsten Verursachern von nosokomialen Infektionen. Außerdem stellen sie – und hier besonders Escherichia coli – die häufigsten Verursacher von Harnwegsinfektionen dar. In den letzten Jahren haben sich Berichte über Resistenzen gegen Breitspektrumantibiotika, wie Penicilline und Cephalosporine, gehäuft.

Ein Großteil dieser Resistenzen wird durch plasmidkodierte Extended-Spektrum ß-Laktamasen (ESBL) verursacht. Die Bedeutung der ESBL-bildenden Bakterien liegt in einer häufi g unwirksamen initialen empirischen Antibiotikatherapie, welche zu erhöhter Morbidität und Mortalität führt.

Die zu Grunde liegenden Mechanismen der Verbreitung der ESBL-tragenden Enterobakteriazeen sind nur rudimentär untersucht. Studien, welche selektiv nach ßLaktam-resistenten Isolaten gesucht haben, konnten allerdings aufzeigen, dass auch ein Umweltreservoir besteht. So konnten ESBL-bildende Bakterien bei Nutztieren, in Lebensmitteln und in der Umwelt nachgewiesen werden.

Material und Methode

Es wurden 153 Lebensmittelproben (Rohfl eisch) aus dem steirischen Einzelhandel untersucht, um selektiv ESBL-bildende E. coli nachzuweisen. Vergleichend wurden ESBL-bildende E. coli untersucht, die aus humanen Stuhlproben und aus Urinproben von ambulanten Patienten mit Harnwegsinfektion isoliert wurden.

Antibiotika-Resistenztestungen erfolgten mittels Bouillon-Mikrodilutionsmethode. MultiplexPCRs wurden zum Nachweis der Resistenzgene, die für die ß-Laktam-Resistenz verantwortlich sind, eingesetzt. Die Subtypisierung der blaCTX-M Gene erfolgte durch Sequenzierung.

Ergebnisse

Während ESBL bildende E. coli nur selten in Schweineoder Rindfl eisch gefunden wurden, waren hingegen 35,9 % der Hühnerfl eischproben positiv. Mittels molekularbiologischer Typisierung konnte gezeigt werden, dass Isolate aus Lebensmitteln vornehmlich CTX-M-1 ESBL bildeten, während CTX-M-15 produzierende Stämme nicht gefunden wurden.

In einer vergleichenden Untersuchung von ESBL bildenden E. coli aus menschlichem Stuhl und aus dem Urin von Patienten mit Harnwegsinfektion herrschten Stämme vor, die CTXM-15 oder ESBL der CTX-M9-Gruppe bildeten. E. coli Isolate, die CTX-M-1 ß-Laktamasen bildeten konnten allerdings auch in humanen Stuhlproben nachgewiesen werden. Die Lebensmittelisolate zeigten hohe Resistenzraten gegenüber Sulfonamiden, Trimethoprim und Tetracyclin.

Schlussfolgerung

Momentan gibt es keinen eindeutigen Nachweis dafür, dass über Lebensmittel übertragene ESBLbildende E. coli in Österreich substantiell als Erreger von Harnwegsinfektionen des Menschen in Erscheinung treten.

Da aber CTXM-1 bildende E. coli in humanen Stuhlproben nachgewiesen werden konnten, ist eine Übertragung von ESBL bildenden Bakterien oder ESBL Genen über die Nahrungskette auf den Menschen denkbar. Die analysierten ESBL-bildenden E. coli zeigen hohe Resistenzraten gegen viele, nicht verwandte Antibiotika. Eine Ko-Selektion von ESBL durch die Gabe dieser Antibiotika ist somit möglich. 

Wien Tierärztl Monat – Vet Med Austria

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