Behandlung gegen Junin Virus

(14.05.2016) Neue PNAS-Publikation beschreibt effiziente Behandlung bei infizierten Tieren

Universität für Bodenkultur Wien Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) hat einen wichtigen Schritt zur Entwicklung neuer Medikamente gegen das tödliche Junin Virus gemacht: im Labor hergestellte Antikörper liefern einen umfassenden Schutz.

In der Publikation des hochangesehenen Journal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) vom 4. April 2016 beschreibt das Forscherteam die effiziente Behandlung von mit Junin Viren infizierten Meerschweinchen. Es wurden im Labor hergestellte Antikörper, die gegen das Virus gerichtet sind, verabreicht.

„Was die Studie einzigartig macht, ist, dass wir einen vollen Schutz beobachtet haben - selbst wenn die Behandlung sechs Tage nach der Virusinfektion begonnen wurde, als die Tiere bereits Zeichen der Krankheit zeigten“, so BOKU-Professorin Herta Steinkellner, eine Ko-Autorin der Studie.

„Dieser Erfolg der Antikörpertherapie gegen Junin-Virus ist ein wichtiger Schritt in seiner Entwicklung als Therapeutikum für Menschen,“ meint UTMB Professor Thomas Geisbert, Senior-Autor der Publikation.

BOKU-ForscherInnen entwickelten Produktionssystem zur Herstellung der Antikörper

Die Antikörper sind nicht zuletzt deshalb so wirksam, weil ein von den BOKU ForscherInnen entwickeltes Produktionssystem verwendet wurde, das die Wirksamkeit von Antikörper signifikant erhöht. Dieses System besteht aus genetisch modifizierten Tabakpflanzen und wurde bereits erfolgreich bei der Herstellung von Antikörper gegen Ebola und HI-Viren angewandt, was für erhebliches internationales Aufsehen sorgte.

An den aktuellen Forschungen sind die University of Texas Medical Branch Galveston (UTMB), Mapp Biopharmaceutical Inc., die Universität für Bodenkultur Wien, das U.S. Army Medical Research Institute of Infectious Diseases, Integrated BioTherapeutics, Inc. und das Instituto Nacional de Enfermedades Virales Humanas in Argentinien beteiligt.

Junin Virus

Das hoch infektiöse Junin Virus - verantwortlich für hämorrhagisches Fieber hauptsächlich in Südamerika - wird durch Nagetiere übertragen und wurde vom U.S. Department of Homeland Security als “high-priority agent” eingestuft.

Im Zentrum für Disease Control and Prevention and National Institute of Allergy and Infectious Diseases Biodefense wird das Virus in der “Category A Priority Pathogen” gelistet. Kategorie A Pathogene stellen das höchste Risiko für die nationale Sicherheit und öffentliche Gesundheit dar.

Zurzeit gibt es keine Medikamente für die Vorbeugung bzw. Behandlung der Krankheit; bei Nicht-Behandlung liegt die Sterblichkeitsrate liegt 20-30 %. Das relativ langsame Auftreten von unspezifischen Symptomen erschwert eine zuverlässige Diagnose, was Junin Viren zu einem erheblichen Sicherheitsrisiko für die öffentliche Gesundheit in den betroffenen Ländern macht.

Die zurzeit gängigste Behandlungsmethode bei Infektion ist die Verabreichung von Blutplasma von Patienten, die die Infektion bereits überstanden haben. Diese Art der Behandlung beinhaltet jedoch Sicherheitsrisiken und ist zudem nur eingeschränkt verfügbar.



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

eq boku

Produktschonende Inaktivierung von Listerien bei der Weiterverarbeitung von Molkenproteinen

Niedrige Temperaturen und ein saures Milieu begünstigen die Nutzung einer wirksamen Methode zur Inaktivierung von Listerien (und anderen Keimen) bei der Weiterverarbeitung von Molkenproteinen – ohne wertvolle Inhaltsstoffe zu zerstören
Weiterlesen

Sterlets werden unter strenger Kontrolle ausgewildert.; Bildquelle: Boku Wien

Erfolgreiche Zwischenbilanz: 70.000 Sterlets in der Donau ausgewildert

EU-Projekt LIFE Sterlet rettet seit 2016 kleinste Stör-Art in der Oberen Donau
Weiterlesen

Erdwärmetauscher schützen Nutztiere in Stallhaltung am besten vor Hitzestress; Bildquelle: Michael Bernkopf/Vetmeduni Vienna

Erdwärmetauscher schützt Nutztiere im Stall vor Klimawandel am besten

Der Klimawandel wirkt sich ohne Maßnahmen negativ auf die Schweine- und Geflügelhaltung aus. Neben dem Wohlbefinden und der Gesundheit sind auch die tierische Leistungsfähigkeit und damit die Wirtschaftlichkeit betroffen
Weiterlesen

Kompetenzzentrum FFoQSI in Tulln eröffnet; Bildquelle: FFoQSI

Kompetenzzentrum FFoQSI in Tulln eröffnet

Am 16. März 2017 wurde das erste COMET-Kompetenzzentrum für Futter- und Lebensmittelsicherheit – das Austrian Competence Center for Feed and Food Quality, Safety & Innovation im Universitäts- und Forschungszentrum Tulln (UFT) eröffnet
Weiterlesen

Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN)

Forschungspreis der Internationalen Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN) vergeben

Die Internationale Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN) hat am 17. November 2016 zum 14. Mal ihren mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Forschungspreis für artgerechte Nutztierhaltung vergeben
Weiterlesen

BOKU

Fressen uns Nutztiere das Essen weg?

BOKU und HBLFA Raumberg-Gumpenstein analysieren Effizienz in der Lebensmittelproduktion
Weiterlesen

Im Labor werden die Pilze gezüchtet und mit speziellen Substanzen zur Produktion von antimikrobiellen Stoffen angeregt; Bildquelle: BiMM Research/Bioactive Microbial Metabolites

Seltenes Pilz-Produkt reduziert Antibiotikaresistenz

Mikroorganismen, darunter auch Pilze, stellen eine natürliche und ergiebige Quelle von antibiotischen Wirkstoffen dar
Weiterlesen

BOKU

Christian Doppler-Labor für Innovative Immuntherapeutika an der BOKU eröffnet

Antikörper und auf Antikörpern basierende Wirkstoffe nützen die Fähigkeiten des Immunsystems, erkrankte Zellen, z.B. Tumorzellen oder Viren, von körpereigenen, gesunden Zellen zu unterscheiden und gezielt zum Absterben zu bringen
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen