Nach wie vor zu wenige Wissenschaftlerinnen in Europa

(01.12.2009) Frauen stellen nur 30 % der Forscher und nur 18% der ordentlichen Professoren in Europa. So die Ergebnisse der heute von der Europäischen Kommission veröffentlichten neuesten Ausgabe von „She Figures“, einer Zusammenstellung von Statistiken und Indikatoren zur Geschlechtergleichstellung in der Wissenschaft.

Auch wenn die Zahl der weiblichen Forscher rascher wächst als die der männlichen Forscher – im Zeitraum 2002‑2006 um jährlich 6,3 % gegenüber 3,7 % bei den Männern – und sich der Anteil der Promotionen von Frauen im selben Zeitraum um 6,8 % erhöht hat, stellt die Unterrepräsentanz von Frauen in wissenschaftlichen Disziplinen und Laufbahnen nach wie vor eine große Herausforderung für Europa dar.

Die Veröffentlichung der „She Figures 2009" fällt zeitlich mit dem 10. Jahrestag der Gründung der Helsinki-Gruppe „Frauen in der Wissenschaft“ zusammen. Im Rahmen dieser Gruppe arbeiten EU-Mitgliedstaaten und Europäische Kommission gemeinsam an Strategien, die darauf abzielen, die im Wissenschaftsbereich bestehenden Ungleichgewichte zwischen den Geschlechtern zu beseitigen.

„Wenngleich einige positive Trends festzustellen sind, sollte die Tatsache, dass Frauen in wissenschaftlichen Laufbahnen nach wie vor unterrepräsentiert sind, für uns alle Anlass zur Sorge sein. Das in der Wissenschaft bestehende Geschlechterungleichgewicht bedeutet eine Vergeudung von Chancen und Talenten, die sich Europa einfach nicht leisten kann. Eine rasche Lösung gibt es hier nicht.

Wir müssen sämtliche strukturellen Hindernisse angehen, denen sich weibliche Wissenschaftler im Verlauf ihrer beruflichen Karriere gegenübersehen. Die Europäische Kommission wird weiterhin Maßnahmen unterstützen, mit denen Status und Präsenz der Frauen in der Wissenschaft gestärkt werden.

Dies liegt nicht nur im Interesse der europäischen Wissenschaft, sondern auch im Interesse unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft“ , so der für Wissenschaft und Forschung zuständige EU-Kommissar Janez Potoènik.

Dem Bericht „She Figures 2009“ zufolge stellen Frauen nur einen Anteil von 37 % der Forscher im Hochschulsektor, von 39 % im Staatssektor und von 19 % im Unternehmenssektor. Allerdings hat sich im Bezugszeitraum die Gesamtzahl der weiblichen Forscher in fast allen Wissenschaftsbereichen in der EU erhöht.

Die höchsten Zuwachsraten waren zu verzeichnen in der Medizin (Hochschulsektor: + 5,6 %, Staatssektor: + 12 %), in den Geisteswissenschaften (Hochschulsektor: + 6,8 %, Staatssektor: + 4 %), in Ingenieurwissenschaften und Technik (Hochschulsektor: + 6,7%, Staatssektor: + 10 %) und in den Sozialwissenschaften (Hochschulsektor: + 6,5 %, Staatssektor: + 3 %).

Die Laufbahnentwicklung von Frauen und Männern im Hochschulsektor bestätigt, dass es eine „vertikale Segregation“ gibt, denn die Mehrheit der im Hochschulbereich tätigen Frauen ist in niedrigeren hierarchischen Positionen anzutreffen.

Frauen stellen 59 % aller Hochschulabsolventen, aber nur 18 % der ordentlichen Professoren in Europa. Noch auffallender ist die Unterrepräsentanz der Frauen in Naturwissenschaften und Technik. Hier sind lediglich 11 % der Professoren Frauen. Laut „She Figures“ werden im Gesamtdurchschnitt der 27 EU ‑Staaten nur 13 % der Hochschuleinrichtungen von Frauen geleitet.

Im Übrigen gelangt der Bericht zu dem Schluss, dass zwischen der Situation in den 15 „alten“ EU‑Mitgliedstaaten und der Situation in den 12 neuen Mitgliedstaaten keine nennenswerten Unterschiede bestehen.

Der Bericht macht deutlich, dass ungeachtet gewisser Fortschritte bezüglich der Zahl der Frauen in Forschung und Wissenschaft ein langfristiger, umfassender struktureller Wandel in Hochschulen und Forschungseinrichtungen vonnöten ist, wenn ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in allen Fachrichtungen und auf allen Ebenen wissenschaftlicher Laufbahnen erreicht werden soll.

Nächste Schritte

„She Figures“ wird alle drei Jahre von der Europäischen Kommission herausgegeben. Die nächste Ausgabe erscheint 2012.

Zwischenzeitlich hat die Europäische Kommission zwei Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen für einschlägige Forschungsprojekte veröffentlicht: Im einen Fall wird Zusammenschlüssen von Forschungseinrichtungen und Hochschulen die Möglichkeit geboten, Aktionspläne zur Stärkung der Rolle und des Images von Wissenschaftlerinnen zu konzipieren und durchzuführen; im zweiten Fall sollen Forschungsarbeiten und Datensammlungen zur Situation von Frauen in der Wissenschaft in den Ländern der Mittelmeerregion unterstützt werden.

Hintergrund

„She Figures 2009“ zeichnet ein umfassendes Bild der Situation von Frauen in der Wissenschaft, angefangen bei der Hochschulausbildung bis hin zum Arbeitsmarkt. Abgedeckt werden nicht nur die 27 EU-Länder, sondern auch Kroatien, Island, Israel, Norwegen, die Schweiz und die Türkei.

Die Veröffentlichung enthält detaillierte Daten über Forscherinnen in Europa, unter anderem zu ihrer zahlenmäßigen Präsenz, zu ihrer Verteilung auf die unterschiedlichen Wissenschaftsbereiche, zu ihrer hierarchischen Stellung und zu ihrem Zugang zu Entscheidungspositionen.

Die „She Figures“ 2003, 2006 und 2009 wurden von der Europäischen Kommission (GD Forschung und Eurostat) in Zusammenarbeit mit der Helsinki-Gruppe „Frauen in der Wissenschaft“ herausgegeben.

 


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