Vertragsprofessor Christian Swertz
Vertragsprofessor Christian Swertz
Forschungsschwerpunkt eLearning an der Universität Wien

Die Universität Wien hat eine in Europa einzigartige Professur für Medienpädagogik mit Forschungsschwerpunkt E-Learning eingerichtet. Vertragsprofessor Christian Swertz präsentierte am Montag, 13. Juni 2005, 18.00 Uhr, im Rahmen seiner Antrittsvorlesung praktische Anwendungen des E-Learning und zukunftsweisende medienpädagogische Konzepte für Universitäten, Schulen und Weiterbildungseinrichtungen.

Lerntexte online abrufen, per Instant Messenger diskutieren und Aufgaben direkt am Computer bearbeiten – so sieht schon heute für viele in Österreich der Lernalltag aus. E-Learning führt, das haben auch die Ergebnisse der PISA-Studie gezeigt, längst kein Nischendasein mehr, sondern ist Normalität geworden. Über 50% der österreichischen SchülerInnen haben bei der PISA-Studie 2003 angegeben, mehrfach die Woche in der Schule am Computer zu arbeiten; immerhin doppelt so viele wie in Deutschland. Auch an den Universitäten wird E-Learning in vielen Bereichen bereits eingesetzt.

Dennoch, darin sind sich ExpertInnen einig, werden viele Möglichkeiten des E-Learning noch nicht genutzt. Die Universität Wien reagierte darauf mit der im September 2004 an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft eingerichteten Professur für Medienpädagogik mit dem Schwerpunkt Neue Medien in der (universitären) Lehre. Christian Swertz sieht sich als Schnittstelle zwischen PädagogInnen und InformatikerInnen. Seine Aufgabe ist es, E-Learning an der Universität weiterzuentwickeln. In weiterer Folge werden sich mediendidaktische Innovationen auf dem Schul- und Weiterbildungssektor auswirken.

E-Learning – mehr als Skripten und Linklisten

Pädagogische Fachrichtungen beschäftigen sich immer intensiver mit der Entwicklung mediengerechter und didaktisch fundierter Lernumgebungen im Netz. Das Ziel dabei ist, Wissen so aufzubereiten, dass man es mit Hilfe der Computertechnologie lernen kann. Der Lernprozess soll auf der Plattform selbst stattfinden – E-Learning soll mehr leisten, als bloß online abrufbare Skripten oder Linklisten bereitzustellen. Online-Lernumgebungen sollen selbständiges Lernen bzw. Kommunikation und Vernetzung mit anderen Lernenden ermöglichen.

Hier setzt die Arbeit von V.Prof. Dr. Christian Swertz an: Der Mediendidaktiker untersucht Lernabläufe, analysiert das Lernverhalten auf der von ihm programmierten Webplattform "InLearn" und entwickelt mit Hilfe dieser empirische Daten sowie mit Hilfe theoretischer Modelle neue didaktische Designs. "Diese Methode führte mich zur Entwicklung eines Konzeptes namens ‚Web-Didaktik’, das darauf abzielt, Lernenden die Möglichkeit zu geben, bei E-Learning aus unterschiedlichen didaktischen Modellen jenes zu wählen, das ihren Bedürfnissen entspricht. Ich halte es für falsch, einen einzigen didaktischen Ansatz zum absolut richtigen zu erklären.", betont Swertz, der sowohl über pädagogische Kompetenz als auch über ausgezeichnete Informatikkenntnisse verfügt.

Wiener E-Learning-Lab (WELL)

Um den Medienschwerpunkt auszubauen und die E-Learning-Aktivitäten voranzutreiben, hat die Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft der Universität Wien im April 2005 das Wiener E-Learning-Lab (WELL) gegründet. Das WELL, eine Ergänzung zum WebCT Vista, stellt für Studierende und Lehrende innovative und experimentelle Lernplattformen bereit und ergänzt damit das vorhandene Basisangebot der Universität Wien. "Die enge Verbindung von Forschung und Lehre im Wiener E-Learning-Lab ist europaweit einmalig. Durch die gute Ausstattung der Wiener Medienpädagogik und die Verankerung in einer Forschungseinheit mit Theoretischer Pädagogik sind Voraussetzungen für international relevante exzellente Forschung geschaffen", so Christian Swertz, E-Learning-Koordinator der Universität Wien.

E-Learning in der Lehramtsausbildung

Ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld ist die Entwicklung eines E-Learning-Curriculums für die Lehreramtsausbildung gemeinsam mit dem Institut für schulpraktische Ausbildung, um den Einsatz von Computertechnologie im Unterricht auszubauen. "Da die zukünftigen LehrerInnen selbst mit der Plattform arbeiten und so selbst in der E-Learning-Situation sind, lernen sie, wie man E-Learning gestaltet. Diese praktische Erfahrung ist sehr hilfreich", betont Swertz. Es wird ein E-Learning-Portfolio entwickelt, das ab Wintersemester 2005/06 verfügbar sein wird. Damit erhalten Lehramtsstudierende die Möglichkeit, sich auf den Einsatz neuer Medien in der Schule vorzubereiten.

E-Learning – Vernetzung und Kooperationen

Der Medienpädagoge Swertz arbeitet bei der Initiative "eLearning pro Austria" mit, in der Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Bundesministerien und Forschung eine gemeinsame E-Learning-Strategie für Österreich entwickeln. Ziel dieser Initiative ist es, Leitlinien des Europäischen Rates zum E-Learning umzusetzen und das Potential des E-Learning zur Weiterentwicklung der österreichischen Bildungslandschaft zu nutzen.

Swertz ist auch an der im Aufbau befindlichen interfakultären Forschungsplattform "Knowledge Media Research Group – International Knowledge & Content Development, ePedagogy, and Learning Design" der Universität Wien beteiligt.

Eine weitere inneruniversitäre Kooperation ist die Beteiligung am Aufbau des Universitätslehrgangs "Knowledge Experts" unter Federführung von Gerhard Budin vom Zentrum für Translationswissenschaft. Dieser Lehrgang für Wissensorganisation und Informationswissenschaft soll Fachleute ausbilden, die Wissen systematisch sammeln und so archivieren bzw. aufbereiten, dass es autodidaktisch angeeignet werden kann.

Swertz arbeitet auch an der Beteiligung der Universität Wien am Joint Master Programm "Media and Culture" mit, das bereits an Universitäten in den USA, England, Frankreich, Italien und Deutschland angeboten wird.

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