Veterinärmediziner Dr. Christoph Rummel in Emmy Noether-Programm aufgenommen

(08.07.2009) Exzellenzprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft fördert den Gießener Nachwuchswissenschaftler - Neue Arbeitsgruppe an der Universität Gießen erforscht Kommunikation von Immunsystem und Gehirn bei Krankheit


Dr. Christoph Rummel
Exzellenter Forschernachwuchs an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU): Dr. Christoph Rummel vom Institut für Veterinär-Physiologie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in das renommierte Emmy Noether-Programm aufgenommen.

Er erhält von der DFG für voraussichtlich fünf Jahre eine gut dotierte Stelle sowie die Finanzierung einer eigenen Nachwuchsgruppe. Ziel des Emmy Noether-Programms ist es, junge Wissenschaftler mit herausragenden wissenschaftlichen Leistungen für eine Berufung als Hochschullehrer zu qualifizieren.

In seinem Forschungsprojekt möchte Dr. Rummel herausfinden, wie das Immunsystem mit dem Gehirn kommuniziert, wenn man krank ist. Genauer gesagt: Er beschäftigt sich mit den "Pathomechanismen zur Entstehung zentralnervös kontrollierter Krankheitssymptome: Untersuchungen zur Rolle der Transkriptionsfaktoren NF-IL6 und STAT3".

Transkriptionsfaktoren sind Proteine, die die Aktivität von Genen regulieren. Die beiden Transkriptionsfaktoren, die Dr. Rummel untersucht, beeinflussen die Bildung von Zytokinen. Diese werden bei einer Entzündung vom Immunsystem produziert und ins Blut abgegeben. Sie übertragen die Information über einen Entzündungsreiz zum Gehirn.

Das Gehirn steuert während einer akuten Entzündung Symptome, die bei Tieren und Menschen sehr ähnlich oder gar identisch zu sein scheinen.

 Dazu gehören neben Fieber unter anderem Appetitlosigkeit, reduzierte Wasseraufnahme, verändertes Schlafverhalten, Abgeschlagenheit, Lustlosigkeit, Konzentrationsschwäche, Bewegungsarmut, Aktivitätsminderung, endokrine Veränderungen, verringerte Libido und reduzierte soziale Interaktion.

Diese unspezifischen Veränderungen in der Psyche und dem Verhalten von Tier und Mensch werden als "Sickness Behavior" bezeichnet.

Es wird angenommen, dass bei Depressionen, die durch eine Symptomatik wie das "Sickness Behavior" gekennzeichnet sind, ähnliche Entstehungsmechanismen zu Grunde liegen.

Dr. Rummels Forschungsprojekt soll dazu beitragen, die molekularen Mechanismen zur Entstehung solcher Krankheitssymptome besser zu verstehen und therapeutische Ansätze zur Behandlung aufzuzeigen.

Eine weitere Komponente der Kommunikation zwischen Immunsystem und Gehirn wird wahrscheinlich zellgebunden vermittelt und könnte ebenfalls an der Entstehung von "Sickness Behavior" beteiligt sein. Man geht davon aus, dass Immunzellen in das Gehirn einwandern und das Gehirn beeinflussen.

Solche ins Gehirn einwandernde Immunzellen konnten bereits mit Krankheiten wie Hirnhautentzündung oder Gehirnentzündungen in Zusammenhang gebracht werden. Es ist bekannt, dass sie auch bei der Entstehung von Multipler Sklerose eine Rolle spielen.

Kontrolliert man die Einwanderung von Immunzellen, lassen sich die negativen Wirkungen des Immunsystems im Gehirn minimieren. Dr. Rummel untersucht in seinem Forschungsprojekt auch die Rolle von im Blut vorkommenden Immunzellen als Endpunkt dieses Signalweges.

Dr. Christoph Rummel, Jahrgang 1976, studierte Veterinärmedizin an der JLU. 2002 legte er das 1. Staatsexamen der tierärztlichen Approbationsordnung ab, 2005 promovierte er am Institut für Veterinär-Physiologie der JLU. In einem Graduiertenkolleg absolvierte er eine Zusatzbildung in molekularer Veterinärmedizin.

Als Post-Doc forschte er von 2005 bis 2007 im "Neuroinflammation Lab" des Douglas Mental Health University Institute an der McGill Universität in Montréal, Kanada. Seit Anfang 2008 ist Dr. Rummel wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Veterinär-Physiologie der JLU.

Das Emmy Noether-Programm der DFG möchte Nachwuchswissenschaftlern wissenschaftliche Selbstständigkeit ermöglichen, die sie brauchen, um frühzeitig eine eigenständige Position in der Wissenschaft zu erreichen.

Es ist eines der zentralen Exzellenzprogramme für Nachwuchswissenschaftler. Wer aufgenommen wird, hat einen harten Auswahlprozess hinter sich und kann bereits in jungen Jahren beachtliche wissenschaftliche Leistungen und internationale Forschungserfahrung vorweisen. Benannt ist das Programm nach der Mathematikerin Emmy Noether (1882-1935).

 


Artikel kommentieren

weitere Meldungen

Prof. Dr. Martin S. Fischer von der Uni Jena wurde vom Fachbereich Veterinärmedizin der Uni Gießen die Ehrendoktorwürde verliehen.; Bildquelle: Fachbereich Veterinärmedizin/Justus-Liebig-Universität Gießen

Prof. Dr. Martin S. Fischer erhält Ehrendoktorwürde der Universität Gießen

Der Fachbereich Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen hat dem Zoologen und Evolutionsbiologen Prof. Dr. Martin S. Fischer von der Friedrich-Schiller-Universität Jena die Ehrendoktorwürde verliehen.
Weiterlesen

Auch das "Pferdegestützte Coaching" ist Thema der Weiterbildung "Tiergestützte Dienstleistungen"; Bildquelle: Dr. Katharina Ameli

Dritte Auflage des Zertifikatskurses „Tiergestützte Dienstleistungen“ an der Justus-Liebig-Universität Gießen

Tiere werden immer häufiger in Altenheimen, Kindergärten, Schulen und Hospizen, aber auch Logopädie-Praxen oder Resozialisierungsprogrammen eingesetzt
Weiterlesen

Justus-Liebig-Universität Gießen

Auszeichnung für den Hufschmied Simon Emde

Simon Emde hat seine Ausbildung in der Lehrschmiede der Klinik für Pferde der Justus-Liebig-Universität Gießen mit Bravour abgeschlossen – Sieger im Bundeswettbewerb der Metallgestalter
Weiterlesen

Association of Avian Veterinarians

Michael Lierz erhält als erster deutscher Vogelmediziner renommierten Lafeber Award

Association of Avian Veterinarians zeichnet Direktor der Gießener Vogelklinik aus
Weiterlesen

Vets Up

Berufsinformationsveranstaltung an der Justus-Liebig-Universität in Gießen

Die nächste Vets Up-Veranstaltung findet am 6. Mai 2017 im Hörsaal des Instituts für Veterinärphysiologie am FB Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Universität in Gießen von 09:00 bis ca. 16:00 Uhr statt
Weiterlesen

Universität Gießen

Impfstoffe gegen ein hämorrhagisches Fiebervirus

Universität Gießen beteiligt an „Horizont 2020“-Verbundprojekt der Europäischen Union zu gefährlichem Erreger – EU fördert Gießener Teilprojekt zur Impfstoffentwicklung mit rund 350.000 Euro
Weiterlesen

Tiermedizinstudenten der Justus-Liebig-Universität Gießen

Studenten im Einsatz: Ernährungsberatung beim Tierschutzverein Frankfurt

Anlässlich der 175-jährigen Jubiläumsfeier des Tierschutzvereins Frankfurt haben Tiermedizinstudenten der Justus-Liebig-Universität Gießen eine Ernährungsberatung für Hunde- und Katzenhalter angeboten
Weiterlesen

Auch die Hippotherapie ist Thema der Weiterbildung 'Tiergestützte Dienstleistungen'; Bildquelle: Katharina Ameli

Weiterbildung „Tiergestützte Dienstleistungen“ gestartet

Zertifikatskurs richtet sich an Fachkräfte in pädagogischen, sozialen, medizinischen oder therapeutischen Berufen
Weiterlesen

Kurzmeldungen

Universitäten

Neuerscheinungen