Durchbruch in der Erhaltungszucht von Papageien

(27.06.2013) Spermagewinnung und assistierte Reproduktion bei Großpapageien - Kooperation mit der Loro Parque Fundacion, Teneriffa - Gießener Veterinärmediziner Prof. Dr. Michael Lierz publiziert Ergebnisse in Scientific Reports

Viele Großpapageien sind in ihrer Art bedroht; Erhaltungszuchtprogramme greifen oft nicht. Aufgrund vieler unbefruchteter Eier sind diese Programme oft nur von mäßigem Erfolg gekrönt.


Spermaentnahme mittels Elektroejakulation

Wissenschaftler am Fachbereich 10 – Veterinärmedizin der der Justus-Liebig- Universität Gießen (JLU) haben nun eine Methodik entwickelt, erstmalig bei mehr als 100 Papageienarten Sperma zu gewinnen und dieses für die künstliche Besamung bei weiblichen Tiere zu verwenden und somit Nachwuchs zu produzieren.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Michael Lierz von der Klinik für Vögel, Reptilien Amphibien und Fische arbeitete mit der Loro Parque Fundacion, Teneriffa, zusammen, um diese neue Methode an mehr als 100 Arten zu testen. Die Loro Parque Fundacion förderte das Projekt auch finanziell.


Papageienküken

In einem ersten Schritt wurde die auf einer Elektrostimulierung basierende Methode geprüft und eine neue Kloakalsonde entwickelt. Mit dieser gelang nun die Gewinnung von Papageiensperma in einer der größten Papageienkollektionen der Welt. Bislang gab es keine Methode, die dies bei Großpapageien routinemäßig zuließ.

Es ist dank der neuen Methode möglich, Papageienmännchen direkt auf ihre Spermaqualität und somit Fertilität zu prüfen, was für die Zucht und somit die Arterhaltung ungemein wichtig ist.

Das auf diese Art gewonnene Sperma wurde zudem für die künstliche Spermaübertragung bedrohter Arten verwendet. Weibchen, die bislang nur unbefruchtete Eier legten, konnten somit erfolgreich Nachkommen produzieren.

Weltweit erstmalig gelang den Gießener Wissenschaftlern mit Hilfe ihrer Kolleginnen und Kollegen auf Teneriffa die Erzeugung eines Ara-Kükens mittels assistierter Reproduktionstechniken. Dies bedeutet, dass nun auch Tiere, die bislang ohne Nachkommen waren, in Zuchtprogramme integriert werden können.

Der Erfolg der Gießener Veterinärmediziner trägt somit dazu bei, dass die genetische Breite bedrohter Arten in Zuchtprogrammen erhöht werden kann.

Zwischenzeitlich wurden diese Methode auch bei weiteren hochbedrohte Arten (zum Beispiel beim Spix- Ara (Cyanopsitta spixii)) eingesetzt.

Originalartikel in der Online-Ausgabe der Nature.com Group, Scientific Reports: www.nature.com/srep/2013/130625/srep02066/full/srep02066.html



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