Extrem seltener Gänsegeier nach Schussverletzung an der Universität Gießen behandelt

(24.08.2013) Der NABU hat einen besonders erschütternden Fall von illegalem Vogelabschuss kritisiert. Ein extrem seltener Gänsegeier wurde am 30. Juni nahe Breidenbach im Landkreis Marburg-Biedenkopf in Mittelhessen von Aktiven der lokalen NABU-Gruppe verletzt aufgefunden.

Wie sich herausstellte, war der imposante Vogel mit einer Spannweite von zweieinhalb Metern aufgrund eines Armdurchschusses, vermutlich mit einem Kleinkalibergewehr, flugunfähig.

Der Vogel wurde anschließend in der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen mit Kostenunterstützung des „Vereins zur Förderung der Vogelmedizin in Gießen e.V.“ intensiv behandelt.


Gänsegeier auf der Intensivstation

Dort konnte sein Leben dank Operation, Physio- und Lasertherapie gerettet werden, er wird aber nie mehr richtig fliegen können. Vor wenigen Tagen konnte der Geier zur weiteren Pflege an den Tier- und Naturschutzpark Herborn überstellt werden.

Dort wird er am heutigen Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. Gänsegeier sind äußerst selten. Nur in manchen Jahren gelangen wenige Exemplare dieser Aasfresser aus weiter südlich gelegenen Brutgebieten auf ihrer Suche nach Nahrung nach Deutschland.

Der NABU kritisiert den auch in Deutschland andauernden illegalen Mord an Greifvögeln durch Fang, Vergiftung und Abschuss. „Seit Jahren prangern wir die Verhältnisse in Malta an, wo Vögel aus purer Schießlust vom Himmel geholt werden“, sagt NABU-Vogelexperte Lars Lachmann.

„Genauso entsetzt sind wir über den massenhaften Fang von Vögeln in Ägypten. Sowohl in Malta wie in Ägypten handelt es sich oft um Zugvögel aus Deutschland, die in Deutschland streng geschützt sind.“

Bei dem  in Hessen abgeschossenen Geier handelt es sich vermutlich um einen Vogel aus Frankreich oder Spanien. Gänsegeier brüten nicht in Deutschland, sondern nur in Südeuropa und Nordafrika.

Die Art ist überall selten geworden mit Ausnahme der spanischen Population, die sich derzeit auch in Südfrankreich ausbreitet. Alle anderen europäischen Populationen sind stark vom Aussterben bedroht. „Umso beschämender ist es, dass wir es nicht einmal bei uns in Deutschland schaffen, große Greifvögel vor dem Abschuss zu bewahren, sobald sie unser Land erreichen“, so Lachmann.

Allein in Nordrhein-Westfalen wurden zwischen 2005 und 2009 180 Fälle von Greifvogelverfolgung registriert, bei denen mehr als 360 Vögel getötet wurden. „Dies ist jedoch nur die Spitze des Eisberges, die meisten Taten bleiben unentdeckt.

Die Tötung der geschützten Vögel muss auch in Deutschland angemessen geahndet werden“, so der NABU-Vogelexperte. Die Obere Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Gießen habe bereits Anzeige erstattet.

Zur weiteren Aufklärung des Falles bittet der NABU dringend um Mithilfe: Hinweise zum Geschehen oder zum Täter können (auch anonym) über das NABU-Infotelefon unter der Nummer 030-284984-6000 abgegeben werden oder per e-mail an info@nabu.de
 



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