Bessere Gesundheit durch mehr Wissen über Nagetier-übertragene Krankheiten

(12.09.2017) Risikobewertungen, Gefahrenkarten, Frühwarnmodule und Gesundheitsempfehlungen für zwei wichtige Nagetier-übertragene Infektionskrankheiten sollen im Forschungsverbund „RoBoPub“ entwickelt werden.

Hierfür nehmen Wissenschaftler der Projektpartner in den nächsten drei Jahren Erreger-, Nagetier-, und Umwelt-bezogene Aspekte von Hantaviren und Leptospiren, die beide zu meldepflichtigen Erkrankungen beim Menschen führen, unter die Lupe.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) koordiniert den Forschungsverbund gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert ihn im Rahmen des „Nationalen Forschungsnetzes zoonotische Infektionskrankheiten“.


Kick Off-Meeting zu RoBoPub am 11.09.2017 in Berlin

Infektionen mit Hantaviren und Leptospiren treten beim Menschen saisonal sowie in manchen Jahren gehäuft auf und werden von Nagetierarten wie Feld- oder Rötelmaus übertragen.

Damit zählen sie zu den Zoonosen, den von Tier auf Mensch übertragbaren Infektionskrankheiten. Die Krankheitssymptome sind bei beiden Grippe-ähnlich und wenig spezifisch, weshalb die entsprechende Diagnostik oft nicht angefordert wird.

In manchen Fällen kann es allerdings zu schweren Erkrankungen kommen, bei Hantaviren beispielsweise durch Nierenfunktionsstörungen bis hin zu Nierenversagen.

In diesem Jahr zeichnet sich nach 2007, 2010 und 2012 erneut ein „Hantavirusjahr“ ab – bis Anfang August registrierte das hierfür zuständige Robert Koch-Institut über 1300 gemeldete Infektionen bei Menschen.

Im letzten Jahr waren es zu diesem Zeitpunkt 130. Bei Leptospiren treten zwar insgesamt geringere Zahlen auf, 2007 und 2014 aber wurden ebenfalls Häufungen verzeichnet.

RoBoPub arbeitet als One Health-Initiative mit interdisziplinarem Ansatz von Human- und Veterinärmedizinern sowie Ökologen zur besseren Bekämpfung von Zoonosen.

Die Partner aus unterschiedlichen Bereichen forschen zu Erreger-, Nagetier-, und Umwelt-bezogenen Aspekten der Erregerübertragung, zur Manifestation und Diagnose der humanen Erkrankung sowie zu sozialen Aspekten der Sensibilisierung und Risikowahrnehmung der Bevölkerung und der niedergelassenen Ärzte.

Die Ergebnisse fließen in Risikobewertungen sowie in die Entwicklung von Gefahrenkarten, Frühwarnmodulen, Risikomanagementplänen und Gesundheitsempfehlungen ein. RoBoPub steht hierbei für Rodent-Borne-Pathogens-and-Public-Health, also Nagetier-übertragene Krankheitserreger und öffentliche Gesundheit.

Im Verbundprojekt arbeiten das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems, das Niedersächsische Landesgesundheitsamt in Hannover, das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin, das Julius Kühn-Institut in Münster, das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Wardenburg und Hannover, die Universitätsmedizin Charité Campus Mitte in Berlin, die Universität Leipzig und die Sine-Institut gGmbH in München zusammen.

Assoziierter Partner ist das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG) in Münster.

Die genannten Einrichtungen vereinen die Referenz- und Konsiliarlaboratorien für Hantaviren und Leptospiren, den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) sowie universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und bringen ihre Expertisen aus unterschiedlichen Fachdisziplinen ein.

Projektpartner

  • Niedersächsisches Landesgesundheitsamt (NLGA), Roesebeckstr. 4-6, 30449 Hannover
  • Universitätsmedizin Charité Campus Mitte (CCM), Institut für Medizinische Virologie, Konsiliarlabor für Hantaviren,Charitéplatz 1, 10117 Berlin
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Konsiliarlabor für Leptospiren, Diedersdorfer Weg 1, 12277 Berlin
  • Julius Kühn-Institut (JKI), Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und Forst, Toppheideweg 88, 48161 Münster
  • Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), Röverskamp 5, 26203 Wardenburg und Eintrachtweg 17, 30173 Hannover
  • Sine-Institut gGmbH (SINE), Lilienstr. 3, 81669 München
  • Universität Leipzig (UL), Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen, An den Tierkliniken 1, 04103 Leipzig



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

IZW

Wissenschaftler weisen erstmals tödliche Vogelgrippe-Infektion beim Seeadler nach

Stirbt ein Seeadler eines unnatürlichen Todes, waren bislang eine Bleivergiftung oder eine Kollision mit einem Zug die wahrscheinlichsten Auslöser
Weiterlesen

Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)

Symposium zur Tollwutforschung anlässlich des Welttollwuttags am 28.September

Anlässlich des Welttollwuttags am 28. September lädt das FLI internationale Organisationen, deutsche Veterinärbehörden sowie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu einem Symposium auf die Insel Riems ein
Weiterlesen

Friedrich-Loeffler-Institut

FLI stellt erstmals West-Nil-Virus-Infektion bei einem Vogel in Deutschland fest

Seit vier Wochen werden deutschlandweit vermehrt Wildvögel tot aufgefunden, die zumeist an Usutu-Virus-Infektionen (USUV) verendet sind
Weiterlesen

(v.l.): Robert Römer (QS Fachgesellschaft Geflügel), Prof. Dr. Franz-Josef Conraths (FLI), Dr. Barbara Grabkowsky (Uni Vechta), Friedrich-Otto Ripke (ZDG), Dr. Klaus-Peter Behr (AniCon Vorsorge); Bildquelle: Wilke

Geflügelpest-Risikoampel

Am 19. Juni 2018 hat die Universität Vechta zusammen mit Partnern im Rahmen einer Fachtagung die neu entwickelte Geflügelpest-Risikoampel vorgestellt.
Weiterlesen

Die Webseite des Mückenatlas erstrahlt in neuem Glanz

Neuer Internetauftritt für den Mückenatlas

Das wohl bekannteste Citizen Science-Projekt Deutschlands präsentiert sich pünktlich zur Hochsaison der Blutsauger in einem neuen digitalen Gewand. 
Weiterlesen

Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas C. Mettenleiter bei der Übergabe der Friedrich-Loeffler-Medaille an den Präsidenten der Landestierärztekammer Dr. Rolf Pietschke; Bildquelle: Friedrich-Loeffler-Institut

Spannende Fachvorträge zum Auftakt des Treffens des Fördervereins des Friedrich-Loeffler-Instituts e.V. auf der Insel Riems

Im Vorfeld seiner 27. Mitgliederversammlung hatte der Förderverein des Friedrich-Loeffler-Instituts für den 29. Mai zu einer Fortbildungsveranstaltung auf die Insel Riems eingeladen
Weiterlesen

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Illegale Praktiken zur Rotfärbung von Thunfisch aufgedeckt

Bei der diesjährigen von Europol und INTERPOL koordinierten Operation OPSON VII wurden in Deutschland 15 Betrugsfälle illegal gefärbten Thunfischs festgestellt
Weiterlesen

Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung. V.l.: Professor Elmar Mohr (Dekan der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät, AUF, der Universität Rostock), Professor Wolfgang Schareck (Rektor der Universität Rostock) und Professor Thoma; Bildquelle: Universität Rostock/Dr. Görres Grenzdörffer

Kooperations-Vereinbarung zwischen Universität Rostock und dem Friedrich-Loeffler-Institut unterzeichnet

Zukünftig werden die Universität Rostock und das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI), noch enger zusammenarbeiten
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen