West-Nil-Virus: Gefahr aus den Tropen vor allem für Vögel Infektionsgefahr auch für Menschen

(19.01.2020) Die Klimaerwärmung könnte ein Grund für die zunehmende Verbreitung des sogenannten West-Nil-Virus in Mitteleuropa und neuerdings auch in Deutschland sein.

Das aus Afrika stammende Virus befällt vor allem Vögel, die es durch ihre langen Flugstrecken auch in hiesige Gefilde einschleppen. Es wird durch Mücken übertragen und kann bei Menschen und Pferden die Tropenkrankheit West-Nil-Fieber auslösen.

Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig Während die Infektion beim Menschen meist harmlos verläuft und nur bei alten und immunschwachen Menschen Fieber, Kopfschmerzen und im schlimmsten Fall eine Gehirnhautentzündung auslösen kann, endet die Erkrankung bei Pferden und Vögeln oft tödlich. Im vergangenen Jahr wurden erstmals in Deutschland Vögel gefunden, die am West-Nil-Virus gestorben sind.

Mit diesem aktuellen Thema befasst sich auch der diesjährige Leipziger Tierärztekongress: Am 18. Januar steht dazu ein Vortrag von Dr. Michael Sieg vom Institut für Virologie der Universität Leipzig auf dem Programm.

„In den vergangenen Monaten war der Schwerpunkt der Infektion in Mitteldeutschland“, sagt Prof. Dr. Dr. Thomas Vahlenkamp, der Direktor des Instituts für Virologie und Dekan der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig. So seien mehrere Pferde aus der Region in die Pferdeklinik der Universität eingeliefert worden, bei denen das West-Nil-Virus festgestellt wurde.

In Deutschland sind ihm zufolge schon zahlreiche Pferde an der Viruserkrankung, die eine anzeigepflichtige Tierseuche ist, gestorben.

„Der Mensch ist keine Gefahr als Infektionsquelle. Vögel erkranken daran, und Mücken übertragen das Virus meist auf Pferde und Menschen“, erklärt der Veterinär-Virologe.

Besonders gefährdet seien Rabenvögel. In den Zoos von Leipzig und Halle seien auch Uhus, Käuze und Flamingos betroffen gewesen.

Der Klimawandel könnte zur stärkeren Verbreitung des Virus auch in Deutschland beitragen. Schon bei geringfügig höheren Temperaturen vermehren sich die Mücken stärker und erhöhen damit die Gefahr einer Infektion mit dem West-Nil-Virus.

„Es ist vorstellbar, dass infizierte Mücken bei uns in Räumen oder Ställen überwintern und das Virus ab dem Frühjahr weiter übertragen“, sagt Vahlenkamp.

In der Humanmedizin gebe es derzeit keine prophylaktische Therapie, keine Impfung, um einer Infektion mit dem West-Nil-Virus vorzubeugen.

Mückenstiche möglichst zu verhindern, sei die einzige Möglichkeit der Vorbeugung. Bei einem großen Ausbruch in den USA sind in den vergangenen Jahren mehrere tausend Menschen am West-Nil-Fieber erkrankt.

Neben dem West-Nil- ist auch das Usutu-Virus in Mitteldeutschland auf dem Vormarsch. Bereits vor einigen Jahren wurden in Deutschland erstmals Usutu-Viren in Stechmücken nachgewiesen. Die Folge war ein Vogelsterben.

Vor allem Amseln und Käuze waren betroffen. Auch der Mensch kann durch das Usutu-Virus infiziert werden. Es kommt allerdings nur sehr selten zu schweren Krankheitsverläufen.


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