LMU-Institut ist internationales Referenzzentrum für die Krebspest 

(30.06.2004) Das internationale Tierseuchenbüro in Paris (OIE) hat das Institut für Zoologie, Fischereibiologie und Fischkrankheiten der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München zum offiziellen Referenzzentrum für die Krebspest ernannt.

LMU-Institut ist internationales Referenzzentrum für die Krebspest Eine Mitarbeiterin, Dr. Birgit Oidtmann, forscht seit Jahren an dem Fadenpilz Aphanomyces astaci, dem Erreger der Seuche.

Im Rahmen ihrer jetzt abgeschlossenen Habilitation hat sie ein schnelles Diagnostikverfahren für die Infektion auf der Grundlage des "genetischen Fingerabdrucks" entwickelt.

Eine Methode, die "nun als neuer Standard dient", so Professor Rudolf Hoffmann, Vorstand des Instituts. Dr. Oidtmann wurde deshalb der Status einer von zwei internationalen Referenzexperten für die Krebspest durch das OIE zuerkannt.

Die Krebspest ist eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, die Flusskrebse nicht-amerikanischen Ursprungs befällt. Besonders anfällig sind die europäischen Flusskrebsarten. Mit einer Mortalität von annähernd 100 Prozent werden durch die Infektion immer wieder Massensterben und eine teilweise Ausrottung des Tierbestands ausgelöst.

Der Fadenpilz Aphanomyces astaci ist der mittlerweile weit verbreitete Erreger. In Europa tauchte er zum ersten Mal im 19. Jahrhundert auf und legte in den folgenden Jahrzehnten weite Strecken auf dem Kontinent zurück – bis zum Schwarzen Meer, nach Russland und Skandinavien.

Im 20. Jahrhundert schließlich wurden auch Ausbrüche in Südeuropa gemeldet. Wie der Erreger ursprünglich nach Europa kam, konnte nie geklärt werden. Ab den 1960er Jahren allerdings wurde die Krankheit über nordamerikanische Flusskrebse eingeführt.

Weil amerikanische Flusskrebse scheinbar nicht befallen werden können, wurden sie bevorzugt in heimischen Gewässern ausgesetzt.

Die Tiere sind aber nur teilresistent. Wenn sie infiziert werden, kann ihr Immunsystem den Erreger in Schach halten, solange nicht andere Erkrankungen, Stress oder Umweltverschmutzung belastend dazukommen.

Unter diesen ungünstigen Bedingungen fallen die amerikanischen Flusskrebse der Infektion ebenfalls zum Opfer.

Entscheidend aber ist, dass sie auch ohne Symptome den Erreger übertragen können.

Der Fadenpilz ist sehr widerstandsfähig. Er kann über andere Wassertiere übertragen werden, aber auch über kontaminierte Boote und Fischereiausrüstungen.

Wie Dr. Oidtmann zeigen konnte, sind selbst tote Krebse noch mehrere Tage lang infektiös. Ist ein Gewässer einmal infiziert, kann die Krankheit kaum mehr aufgehalten werden: Sie breitet sich sogar flussaufwärts aus.

In weniger als drei Wochen nach Entdeckung der ersten toten Tiere waren manchmal über kilometerlange Wasserstrecken alle Flusskrebse vernichtet.

Keine andere Krankheit und kein Ausmaß an Umweltverschmutzung erreicht diese totale Mortalität unter den Flusskrebsen, während alle anderen Tiere im selben Gewässer unbeeinträchtig bleiben.

Tote Krebse in einem ansonsten gesunden Gewässer sind ein erster Hinweis auf die Krebspest. Die Krankheit ist nur schwer direkt nachzuweisen und damit auch kaum zu kontrollieren. Die infizierten Tiere zeigen eine ganze Reihe oder gar keine Anzeichen der Infektion.

Mögliche Symptome sind weiße Stellen in der Muskulatur, und braune Verfärbungen. Typisch für das Endstadium sind bestimmte Verhaltensweisen: Die sonst nachtaktiven Tiere halten sich auch tagsüber im offenen Wasser auf. Sie können sich kaum mehr bewegen, verlieren die Balance, fallen auf den Rücken und sterben.

Die Diagnose war bislang nur über sehr aufwändige Laborverfahren möglich.

Durch das von Dr. Oidtmann entwickelte Verfahren kann an einer kleinen Gewebeprobe eines toten Krebses mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion ein genetischer Fingerabdruck des Erregers hergestellt werden.

Ob es sich dabei um den gefährlichen Aphanomyces astaci handelt, kann bei relativ geringem Aufwand in kürzester Zeit nachgewiesen werden.

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