Affengehirne: Ähnlichkeiten zum Menschen

(17.01.2008) Primaten zeigen Geschlechtsunterschiede in der Verarbeitung von Kommunikationslauten. Forscherinnen der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) konnten jetzt zeigen, dass der Grundstein für diese geschlechtsspezifische Verarbeitung schon im frühen Primatengehirn gelegt wurde.

Das menschliche Großhirn ist in zwei Hälften unterteilt, die unterschiedliche Funktionen wahrnehmen. Bei kommunikativen Aufgaben zeigen sich jedoch geschlechtsspezifische Unterschiede. Während Männer überwiegend die linke Hirnhälfte benutzen, um Sprache zu verarbeiten, nutzen Frauen zusätzlich Bereiche der rechten Gehirnhälfte.

Dr. Marina Scheumann und Prof. Dr. Elke Zimmermann vom Institut für Zoologie der TiHo berichten in dem Online-Fachmagazin BMC Biology (www.biomedcentral.com/bmcbiol), dass männliche Graue Mausmakis Kommunikationslaute mit der linken Hemisphäre verarbeiten.

Eine Eigenschaft, die sie mit Männern teilen. Während die Weibchen keine Bevorzugung einer Gehirnhälfte zeigten und vermutlich, wie Frauen, beide Gehirnhälften zur Verarbeitung von Kommunikationslauten nutzen.

Ausserdem konnten sie zeigen, dass auch schon ursprüngliche Primaten eine individuelle Händigkeit aufweisen, also Aufgaben bevorzugt mit der linken oder der rechten Hand ausführen. Diese Entdeckungen können helfen, zu verstehen, wie sich die Spezialisierung der menschlichen Hirnhälften in der Evolution entwickelt hat.

Für ihre Forschung haben Scheumann und Zimmermann Verhaltenstests mit Grauen Mausmakis (Microcebus murinus) entwickelt. Mausmakis verfügen über ein relativ einfaches Gehirn. Daher eignen sie sich um die evolutionäre Entstehungsgeschichte unseres Gehirns zu untersuchen.

Die Händigkeit der Mausmakis wurde untersucht, indem die Mausmakis versuchten, einen Mehlwurm durch ein Loch zu greifen. Es stellte sich heraus, dass Vierfünftel aller Lemuren eine ihrer beiden Hände für die Tätigkeit bevorzugt benutzten. Ein verstärkter Einsatz der rechten oder der linken Hand konnte dabei nicht festgestellt werden.

Um die hemisphärenspezifische Verarbeitung der Kommunikationslaute zu untersuchen wurden den Tieren Rufe von Artgenossen vorgespielt, die positive oder negative emotionale Assoziationen wecken. Außerdem hörten sie Rufe verwandter Lemurenarten, Fledermaustöne und nicht biologische Geräusche.

Die TiHo-Forscherinnen konnten zeigen, dass männlichen Lemuren ihr rechtes Ohr zur Wahrnehmung von Kommunikationslauten mit negativen emotionalen Assoziationen bevorzugten, was auf eine Verarbeitung in der linken Hirnhälfte schließen lässt. Hingegen zeigten die Weibchen keine Vorliebe für eine Seite.

Dies könnte bedeuten, dass wie beim Menschen, die Gehirnhälften der Männchen stärker lateralisiert sind als die der Weibchen.

Beim Menschen geht der bevorzugte Einsatz einer Gehirnhälfte für die Sprache mit einer bestimmten Händigkeit einher: 70 bis 90 Prozent aller Menschen sind Rechtshänder, in den meisten Fällen verarbeiten diese Menschen Sprache mit der linken Hirnhälfte.

Scheumann und Zimmermann konnten zeigen, dass dieser Zusammenhang bei den Grauen Mausmakis noch nicht auftritt, eine Verknüpfung dieser beiden Fähigkeiten hat sich erst in der späteren Primatenevolution entwickelt.

„Die Ergebnisse unserer Studien zeigen, dass ursprüngliche Primaten bereits eine individuelle Händigkeit aufweisen sowie eine geschlechtsspezifische Orientierungsasymmetrie für emotional belegte Kommunikationslaute. Wir vermuten, dass dies ein erster Schritt in der Evolution von Händigkeit und hemisphärenspezifischer Verarbeitung von Kommunikationslauten bei Primaten ist” sagt Scheumann.

weitere Meldungen

Verschiedene Nervensignale im Stirnlappen der Brillenblattnasen-Fledermaus Carollia perspicillata (links) gehen Kommunikationslauten (oben) und Lauten zur Echo-Ortung (unten) voran.; Bildquelle: Julio C. Hechavarria, Goethe Universität Frankfurt

Rhythmische Nervensignale bestimmen Laute von Fledermäusen

Ein bestimmter neuronaler Schaltkreis im Gehirn kontrolliert bei Fledermäusen die Lautäußerungen der Tiere. Dies haben jetzt Biologen der Goethe-Universität Frankfurt herausgefunden
Weiterlesen

Menschenaffen wie diese Bonobos haben wie die Menschen grosse Hirne und können daher sehr geschickte Fingerfertigkeiten erlernen.; Bildquelle: Sandra Heldstab/Zoologisch-Botanischer Garten Wilhelma, Stuttgart

Affenarten mit grossen Gehirnen beherrschen schwierigere Handgriffe als solche mit kleinen Hirnen

Doch das Erlernen feinmotorischer Fähigkeiten wie der Werkzeuggebrauch kann dauern: am meisten Zeit beansprucht es bei Menschen
Weiterlesen

Mikroskopische Aufnahme eines Hirnhälften-Schnitts eines 101 Tage alten ARHGAP11B-transgenen Weißbüschelaffen-Fötus. Die Zellkerne sind weiß dargestellt. Pfeile zeigen einen Sulcus und einen Gyrus an.; Bildquelle: Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG)

Menschliches Gehirngrößen-Gen vergrößert auch Gehirn von Affen

Dresdner und japanische Forscher zeigen, dass ein menschenspezifisches Gen einen größeren Neokortex beim Weißbüschelaffen hervorruft
Weiterlesen

Prof. Dr. Peter Hier; Bildquelle: Ingo Rappers / HIH

Affen reagieren auf Animationen im Hollywood-Stil

Rhesusaffen akzeptieren einen naturalistisch aussehenden Affen-Avatar als Artgenossen und begegnen ihm mit ihrer artspezifischen Mimik. Unrealistische Avatare ignorieren sie dagegen
Weiterlesen

Kurzmeldungen

Firmennews

Neuerscheinungen