Epilepsie: Studie zeigt, wie schwierig die Beurteilung von Tierbesitzervideos für Tierärzte sein kann

(07.03.2015) Es kommt immer häufiger vor, dass Tierbesitzer mit ihren Handys Videos von ihren Haustieren aufnehmen, um deren vermeintliche Anfallsgeschehen zu dokumentieren. Mit diesen Videos kommen sie dann in die Praxis und erwarten von ihrem Tierarzt eine Diagnose.

Wie schwierig die Beurteilung solcher Aufnahmen ist, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun in einer vom Royal Veterinary College (RVC) geleiteten internationalen, multizentrischen Studie herausgefunden. Bei der Studie waren neben der Epilepsieklinik des RVC auch Experten der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) beteiligt.

Ihre Ergebnisse haben sie im Fachmagazin BMC Veterinary Research (www.biomedcentral.com/1746-6148/11/39) veröffentlicht.

Bislang war nicht bekannt, ob Tierärzte die von Besitzern aufgenommenen Videos von Hunden und Katzen mit Krampfanfällen oder Bewegungsstörungen einheitlich interpretierten. In der Studie untersuchten die Experten, inwieweit Tierärzte darin übereinstimmten, ob ein Hund oder eine Katze einen epileptischen Anfall hat oder nicht.

Um dies zu beurteilen, haben die Tierärzte lediglich ein Video vorgespielt bekommen ohne weitere Informationen zu dem Fall zu erhalten. Sie sollten ebenfalls entscheiden, welche Art von Anfall zu sehen ist und welche Merkmale er zeigt. 15 Tierärzte – zehn Neurologen und fünf nicht spezialisierte Tierärzte – beurteilten in der Studie 100 Videos von Hunden und Katzen mit Anfällen.

„Wir haben herausgefunden, dass eine große Unstimmigkeit zwischen den Tierärzten herrschte, ob es sich bei dem Gezeigten um einen epileptischen Anfall handelt oder nicht“, sagt Professorin Dr. Andrea Tipold aus der Klinik für Kleintiere der TiHo.

Die neurologischen Spezialisten haben seltener einen Anfall diagnostiziert als die nicht spezialisierten Tierärzte; Spezialisten erkannten weniger übliche Erkrankungen wie beispielsweise den idiopathischen Kopftremor.

Die Tierärztinnen und Tierärzte waren sich ebenfalls häufig über den Anfallstyp uneinig. Bei der Diagnose von generalisierten Anfällen, bei denen beide Gehirnhälften betroffen sind und Hunde häufig das Bewusstsein verlieren, bestand die größte Übereinstimmung – bei fokalen Anfällen, bei denen nur ein Teil des Gehirns betroffen ist, die größte Unstimmigkeit.
 
„Um eine sichere Diagnose zu erzielen, ist die reine Videobeurteilung nicht geeignet. Die Studie zeigt, dass zusätzliche klinische Informationen für eine zuverlässige Diagnose unerlässlich sind und dass wir ein belastbares System zur Einteilung von Anfällen benötigen, um zwischen den verschiedenen Anfallstypen sicher unterscheiden zu können“, so PD Dr. Veronika Stein, Klinik für Kleintiere der TiHo.

Diese internationale Kooperation soll weitergeführt werden, um die Epilepsie bei Kleintieren besser erforschen zu können.



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