Mit Fettsäuren gegen Darmentzündungen

(18.04.2015) DFG-Projekt soll Rolle ungesättigter Fettsäuren bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen klären

Omega-3-Fettsäuren sind lebenswichtig für die menschliche Ernährung. Wir nehmen sie über Fische, Algen oder pflanzliche Nahrung auf. Seit vielen Jahren wird diesen ungesättigten Fettsäuren eine positive Wirkung auf entzündliche Erkrankungen zugeschrieben.

TiHo Dr. Nils Helge Schebb, Institut für Lebensmitteltoxikologie und Chemische Analytik der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), und Dr. Karsten Weylandt, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie und Hepatologie der Charité Berlin, werden in einem gemeinsamen Forschungsprojekt untersuchen, wie genau Omega-3-Fettsäuren ihre entzündungshemmende Wirkung entfalten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) das Projekt mit 300.000 Euro.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, auch als Fischöl-Fettsäuren bekannt, die Grundbausteine für eine neuentdeckte Klasse von Signalmolekülen sind. „Über welche dieser Botenstoffe entzündungshemmende Wirkungen im Körper ausgelöst werden können, ist bisher nur wenig verstanden“ erläutert Schebb.

Die aktiven Botenstoffe der Fischöl-Fettsäuren zu identifizieren und ihre Bildung zu verstärken, um chronische Darmentzündungen zu lindern, ist das zentrale Element des bewilligten Projektes der beiden Forscher.

International werden derzeit zwei Hypothesen favorisiert: Verschiedene Arbeitsgruppen konnten antientzündliche Effekte von Fischöl-Fettsäuren nachweisen, die ein oder mehrere zusätzliche Wasserstoff- und Sauerstoff-Atome (Hydroxygruppe) gebunden hatten.

Andere Forscher beschreiben eine sehr hohe biologische Aktivität von Fischöl-Fettsäuren mit einer sogenannten Epoxygruppe. Schebb und Weylandt forschten bis 2011 mehrere Jahre an renommierten Universitäten in den USA, wo sie sich jeweils mit einer dieser beiden Hypothesen beschäftigten: „Die besondere Stärke unserer Zusammenarbeit ist, dass wir beide möglichen Signalwege verfolgen“ betont Weylandt.

Beide Forscher sind überzeugt, dass die DFG-Förderung eine sehr gute Gelegenheit bietet, um die Wirkung von Fischöl-Fettsäuren besser zu verstehen. „Unsere Erfahrungen und Kenntnisse ergänzen sich optimal. So haben wir an der TiHo zum Beispiel viele Erfahrungen im Bereich Bioanalytik, während an der Charité die Entzündungsmodelle etabliert sind“ beschreibt Schebb die Kooperation.

„Die derzeitig verfügbaren Therapien für Patienten mit Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn sind nicht ausreichend“, so Weylandt, der an der Charité als Oberarzt eine gastroenterologische Station leitet.

Um in Zukunft diesen Patienten besser helfen zu können, hoffen die Forscher gemeinsam mit ihrem rund zehnköpfigen Mitarbeiterteam in ihrem nun geförderten Projekt die Grundlagen für neue Therapieoptionen zu schaffen.



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