TiHo-Wissenschaftler entwickeln Gentest für Labmagenverlagerung bei der Rinderrasse „Deutsche Holsteins“

(23.04.2012) Die Labmagenverlagerung ist eine weitverbreitete Erkrankung, die vorwiegend bei Milchkühen auftritt, die kurz zuvor gekalbt haben. Am häufigsten trifft es Kühe der Rasse Deutsche Holsteins.

Eine hohe genetische Disposition sowie verschiedene Umweltfaktoren begünstigen die Positionsveränderung des Labmagens. Ausgelöst wird die Verlagerung des hintersten der vier Kuhmägen über eine verringerte Beweglichkeit (Motilität), in deren Folge sich der Magen aufbläht und schließlich seine Position im Körper der Kuh verändert.


Die Labmagenverlagerung ist eine weitverbreitete Erkrankung, die vorwiegend bei Milchkühen auftritt, hier: endoskopische Labmagenfixation

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Tierzucht und Vererbungsforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) haben in Zusammenarbeit mit der Klinik für Rinder der TiHo und der Klinik für Wiederkäuer der Justus-Liebig-Universität Gießen in Deutschen Holsteins eine Veränderung im sogenannten Motilin-Gen identifiziert, die klar im Zusammenhang mit der Labmagenverlagerung steht.

Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler jetzt im internationalen Fachmagazin PLoS One veröffentlicht (http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0035562).

In 85 bis 95 Prozent der Fälle verlagert sich der Labmagen zur linken Seite indem sich das Organ zwischen die linke Bauchwand und den Pansen schiebt. Die betroffenen Kühe fallen durch Apathie, Fressunlust und eine verminderte Milchleistung auf. Um den Labmagen in seine korrekte Lage zurückzubringen und zu fixieren, ist ein tierärztlicher Eingriff, in der Regel eine Operation, erforderlich. Dabei wird der Labmagen an der unteren Bauchwand festgenäht.

Das Gen, von dem die Wissenschaftler jetzt eine Variante entdeckt haben, enthält die Informationen für das Hormon Motilin. Das Hormon kontrolliert die Magen-Darm-Aktivität zwischen den Verdauungsabschnitten und sorgt für Transport des Mageninhalts.

Die genetische Veränderung führt zu einer verminderten Expression des Gens, so dass eine geringere Menge des Hormons produziert wird. Die Folge ist eine verminderte Labmagenaktivität.

Zusätzlich zu dieser Genvariante im Motilin-Gen haben die Wissenschaftler genetische Marker für die Labmagenverlagerung gesucht. Auf Basis ihrer Ergebnisse haben sie einen kombinierten Test entwickelt, mit dem sich die genetische Disposition einer Kuh für eine Labmagenverlagerung mit einer Sicherheit von etwa 80 Prozent bestimmen lässt. „Besonders interessant ist der Test für Besamungsbullen.

Diese erkranken zwar nur selten selbst an der Labmagenverlagerung, doch können sie die Krankheitsdisposition an ihre Töchter vererben“, erklärt Professor Dr. Ottmar Distl, Leiter des Instituts für Tierzucht und Vererbungsforschung. „Bullen, die nach diesem Gentest eine sehr hohe Anzahl von genetischen Varianten für die Disposition auf Labmagenverlagerung vererben, sollten nach Möglichkeit nur sehr bedingt zur Zucht eingesetzt werden.“

Mit dem Gentest können die Fälle von Labmagenverlagerung deutlich gesenkt und die damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Schäden verringert werden. Für den Test ist lediglich eine Blutprobe des zu untersuchenden Tieres erforderlich, die an die TiHo geschickt wird.

Weitere Informationen: Genombasierter Test auf linksseitige Labmagenverlagerung bei Deutschen Holsteins


Weitere Meldungen

PD Dr. Monika Röntgen sieht in dem neuen Parameter einen zuverlässigen Wert für das Wohlbefinden von Milchkühen, noch bevor das Kälbchen geboren ist.; Bildquelle: FBN

Dummerstorfer Wissenschaftler entwickeln Frühwarnsystem für Stoffwechselstabilität trächtiger Milchkühe

Im Zeitraum um die Geburt sind hochleistende Milchkühe starken Stoffwechselbelastungen ausgesetzt
Weiterlesen

Rinder auf der Weide; Bildquelle: Friedrich-Loeffler-Institut

SARS-CoV-2: Friedrich-Loeffler-Institut testet Empfänglichkeit von Rindern

Noch immer sind der Ursprung und die Verbreitungswege von SARS-CoV-2 nicht eindeutig wissenschaftlich geklärt. Um die potentielle Rolle von Nutztieren in der Corona-Pandemie besser zu verstehen, werden am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems Infektionsstudien durchgeführt
Weiterlesen

Bayer Nutztierakademie

Nutztierpraktiker aufgepasst!

Die Bayer Nutztierakademie „schenkt“ Ihnen 7 ATF-Stunden! Denn die Vorträge der ganztägigen Online-Tagung mit Schwerpunkt auf den neuesten Erkenntnissen und Empfehlungen für die Rinderpraxis am 20. Juni 2020 wurden aufgezeichnet
Weiterlesen

Kostenloses Webinar: Nachhaltige Parasitenbekämpfung beim Rind & Arzneimitteleinsatz in Biobetrieben

Kostenloses Webinar: Nachhaltige Parasitenbekämpfung beim Rind & Arzneimitteleinsatz in Biobetrieben

Webinar mit Dr. Andreas Striezel Live Termin am Mittwoch, 20. Mai 2020, 20:00 Uhr
Weiterlesen

Schweizerische Vereinigung für Wiederkäuergesundheit

SVW-Kleinwiederkäuertagung 2020

Die Schweizerische Vereinigung für Wiederkäuergesundheit lädt am 13. Februar 2020 zur Tagung in Zürich ein! 
Weiterlesen

Kühe

Klauenkrankheit Tylom ist bei Kühen wesentlich genetisch bedingt

Wissenschaftlern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Georg-August-Universität Göttingen ist der Nachweis gelungen, dass eine der Klauenkrankheiten von Kühen wesentlich genetisch bedingt ist
Weiterlesen

MilchPraxis Cattle Camp

MilchPraxis Cattle Camp - die erfrischend andere Tierarztfortbildung

Wissen, Tools, Kniffe und Tricks für ein zukunftsgerichtetes Arbeiten - 2. bis 5. September 2019 an den Landwirtschaftliche Lehranstalten Triesdorf
Weiterlesen

Erkrankungen der Klauen und Zehen des Rindes

Erkrankungen der Klauen und Zehen des Rindes

Herausgeben von Andrea Fiedler, Johann Maierl und Karl Nuss
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen