Internationales Forscherteam zählt Schweinswale aus der Luft

(21.07.2020) Wissenschaftler des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) haben gemeinsam mit dem Institut für Biowissenschaften der Universität Aarhus in Dänemark und dem schwedischen Naturkundemuseum Stockholm in Schweden, Beobachtungsflüge über der westlichen Ostsee, der Beltsee und dem Kattegat durchgeführt.

Ziel ist es, die Verbreitung und Häufigkeit der in diesen Gewässern lebenden Schweinswale (Phocoena phocoena) zu dokumentieren. Die Finanzierung des Projekts MiniSCANS II verteilt sich auf die drei beteiligten Länder. Den deutschen Anteil übernimmt das Bundesamt für Naturschutz (BfN).

Der Schweinswal ist die einzige Walart, die durchgehend in den Gewässern der Nord- und Ostsee anzutreffen ist. In der Ostsee leben zwei unterschiedliche Populationen: Eine Schweinswalpopulation hält sich vorwiegend in der westlichen Ostsee, der Beltsee und dem Kattegat auf.


Gruppenfoto der beiden deutschen Flugteams und der Piloten vor dem ersten Flug am Husumer Flughafen

Die zweite Population lebt in der östlicheren, inneren Ostsee. Sie unterscheiden sich sowohl genetisch als auch in ihrer Bestandsgröße. Nach der jüngsten Schätzung aus dem Jahr 2016 belief sich die Population in der westlichen Ostsee auf 42.000 Tiere.


Untersuchungsgebiet von MiniSCANS II zur Erfassung der Verbreitung und Häufigkeit des Schweinswals in der westlichen Ostsee, der Beltsee und des Kattegats.
Im Gegensatz dazu ist die Population in der inneren Ostsee viel kleiner und umfasst wahrscheinlich weniger als 500 Schweinswale, sodass sie von der Weltnaturschutzunion, International Union for Conservation (IUCN), als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft wird.

Schweinswale sind besonders anfällig für die vom Menschen verursachten Störungen, wie Unterwasserlärm und Meeresverschmutzung. Die größte Bedrohung für Schweinswale in der Ostsee sind jedoch Fischernetze, in denen die Tiere als Beifang enden können.

Da sie als Säugetiere darauf angewiesen sind, regelmäßig zum Atmen aufzutauchen, kommt es vor, dass sie ersticken, wenn sie sich in einem Fischernetz verfangen.

Für einen wirksamen Schutz ist daher eine genaue und zuverlässige Schätzung ihrer Populationsgröße erforderlich. Schweinswale sind jedoch kleine, hochmobile Meeressäugetiere, deren Erfassung recht schwierig ist.

Deshalb zählen die Forscherinnen und Forscher die Tiere aus der Luft. Sie legen dafür im Vorfeld auf den Meereskarten Linien, sogenannte Transekte, fest und fliegen diese systematisch ab.

Das Untersuchungsgebiet umfasst 43.000 Quadratkilometer, die für die Zählung in zehn Gebiete unterteilt wurden. Diese zehn Gebiete wurden an zehn Flugtagen von zwei deutschen und einem dänischen Team mit drei Flugzeugen beflogen.

Dabei waren die Forscherinnen und Forscher auf gutes Wetter angewiesen, da Schweinswale bei starkem Wellengang schwer zu sehen sind. Die Erfassungen haben Ende Juni begonnen und wurden Mitte Juli abgeschlossen. Nun beginnt das Auswerten der Daten.

Deutschland ist wie alle anderen europäischen Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, Schutzgüter – in diesem Fall den Schweinswal – zu überwachen und darüber Bericht zu erstatten.

Deshalb werden die Ergebnisse des MiniSCANS II-Projekts auch dafür genutzt werden, den Berichtspflichten für die Richtlinien der Europäischen Union, der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) und der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL), nachzukommen.


Blick aus dem Flugzeug auf die flachen Küstengewässer der Ostsee: die Kreidefelsen der Møns Klint in Dänemark.

Im Jahr 2012 erfassten Forscherinnen und Forscher in dem Projekt MiniSCANS I bereits dasselbe Gebiet, um die Schweinswale zu zählen. Für das Projekt „SCANS-III – Verbreitung und Populationsgröße von Walen im europäischen Atlantik“ zählten sie im Jahr 2016 Wale, Delphine und Schweinswale im europäischen Atlantik, also einem viel größeren Gebiet.

Ziel war es, eine Aussage über die Größe der Populationen und die Verbreitung der Tiere treffen zu können. Insgesamt ermittelten sie damals etwa 1,5 Millionen Tiere.


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