Katzen zeigen geschlechtsspezifische Reaktionen – je nach Dringlichkeit der Jungtierlaute

(12.08.2016) Wissenschaftlerinnen der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) untersuchten, ob Katzen die emotionale Erregung von Katzenjungen anhand ihres Miauens erkennen können und ob die übliche rein mütterliche Aufzucht der Jungtiere zu unterschiedlichen Verhaltensreaktionen bei weiblichen und männlichen Elterntieren führt.

Ihre Ergebnisse erscheinen am 12. August im Fachmagazin BMC Evolutionary Biology.

TiHo Für die aktuelle Studie beobachteten Dr. Marina Scheumann aus dem Institut für Zoologie der TiHo und Dr. Wiebke Konerding der Forschungsabteilung für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der MHH, neun Kater und acht Kätzinnen, während sie ihnen Miauen von wenig erregten und stark erregten Katzenjungen vorspielten.

Die Hälfte der Kätzinnen hatte bereits Erfahrung mit eigenen Nachkommen. In einer vorherigen Untersuchung hatte das Forscherteam bereits herausgefunden, dass sich Dauer und Tonhöhe mit der Dringlichkeit der Hilfebedürftigkeit verändern.

Als sie die Rufe, die sie vorher aufgezeichnet hatten, den Katzen vorspielten, reagierten Kätzinnen anders als Kater – je nachdem wie dringend das Miauen der Katzenjungen klang.

„Erstaunlicherweise reagierten Kätzinnen um zehn Prozent schneller auf Katzenlaute die in Kontexten starker Erregung aufgenommen wurden, während Kater die gleiche Reaktion zeigten wie auf gering erregte Kätzchenlaute“, erklärt Wiebke Konerding.

Kätzinnen sind also fähig, auf den Bedürftigkeitsgrad von Katzenbabies zu reagieren, unabhängig davon, ob sie bereits Erfahrungen mit Nachwuchs hatten oder nicht. Dabei erkennen sie durch Wechsel der Stimmlage und Dauer der Rufe, wie dringend sie eingreifen müssen.

Dr. Marina Scheumann sagt: „Die Ergebnisse zeigen, dass das geschlechtsspezifische Aufzuchtverhalten einen Einfluss auf die Reaktion auf Jungtierlaute hat. Es bleibt weiterhin zu untersuchen, ob dies auf geschlechtsspezifische Aktivierungsmuster des Gehirns zurückzuführen ist oder durch unterschiedliche Motivation erklärt werden kann.“

Publikation

Research article: Female cats, but not males, adjust responsiveness to arousal in the voice of kittens
Wiebke S. Konerding, Elke Zimmermann, Eva Bleich, Hans-Jürgen Hedrich and Marina Scheumann
BMC Evolutionary Biololgy 2016 DOI: 10.1186/s12862-016-0718-9



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Langzeitschäden durch Zikaviren

Klinisch unauffällige Nachkommen infizierter Mütter können unter Spätfolgen leiden
Weiterlesen

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Immunzellen als Auslöser von Hirnschäden

Forscher-Team der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) deckt auf, wie Hirnschäden bei viral bedingten Gehirnentzündungen entstehen
Weiterlesen

Gestrandete Pottwale im Hafen von Holmer Siel auf Nordstrand; Bildquelle: Abbo van Neer

Untersuchung der Pottwalstrandungen 2016 abgeschlossen

Gründe für die Strandung von 30 Pottwalen in der Nordsee wahrscheinlich komplexes Zusammenspiel von Umweltfaktoren
Weiterlesen

Mit einem Kran wird der Pottwal auf die Plattform am Deich gehoben, auf der die Obduktionen durchgeführt wurden; Bildquelle: Sonja von Brethorst

2016 gestrandete Pottwale gehörten zwei unterschiedlichen Gruppen an

Schadstoffe und genetische Analysen verraten Herkunft und Gruppenzugehörigkeit
Weiterlesen

TIHO

Kaltes Plasma: Forscher-Team prüft neues Verfahren, um Bakterien auf Lebensmitteln abzutöten.

Bakterien wie Salmonellen und Listerien können verzehrfertige Lebensmittel, beispielsweise abgepackten Salat, Milchprodukte oder Aufschnitt, kontaminieren und schwere Krankheitssymptome beim Menschen auslösen
Weiterlesen

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Studie: Verbreitung von Paratuberkulose bei Reh-, Dam-, Muffel- und Rotwild

Marie Sange, Doktorandin an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) untersucht das Auftreten von Paratuberkulose - Jägerinnen und Jäger sind um Mithilfe gebeten
Weiterlesen

Professor Guus Rimmelzwaan; Bildquelle: Levien Willemse

Professor Guus Rimmelzwaan erhält Alexander von Humboldt-Professur

Am 8. Mai 2018 verlieh die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, gemeinsam mit dem Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung, Hans-Christian Pape, in Berlin die höchstdotierten Forschungspreise Deutschlands
Weiterlesen

Sabrina Linn mit Kibo im Zoo Augsburg; Bildquelle: TiHo

Kommunikation von Breitmaulnashörnern

Über die Kommunikation ausgewachsener Breitmaulnashörner (Ceratotherium simum simum) ist nur wenig bekannt. Studien, die sich mit der Kommunikation ihrer Jungtiere beschäftigen, fehlten bislang ganz
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen