Jubiläum: 15 Jahre PhD an der TiHo

(04.11.2013) Als bundesweit erste Hochschule führte die TiHo 1998 den internationalen Doktorandenabschluss ein

Heute ist er aus dem Hochschulalltag nicht mehr wegzudenken: der Doctor of Philosophy, kurz PhD. Vor 15 Jahren aber war die Einführung des PhD-Studiums ein großer Schritt. Die TiHo war 1998 die bundesweit erste Hochschule, die mit dem Graduiertenabschluss an den Start ging.

In einer Feierstunde am Freitag, den 1. November würdigten Absolventen und Weggefährten den ersten PhD-Studiengang an der TiHo.

Im Wintersemester 1998/99 haben die ersten Studierenden das PhD-Programm „Veterinary Research and Animal Biology“ begonnen. „Damit war die TiHo die erste deutsche Hochschule, die ein PhD-Studium einführte“, erinnert sich Professor Dr. Wolfgang Löscher, Leiter des Instituts für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie und als damaliger Prorektor für Forschung einer der Wegbereiter des ersten PhD-Programms der TiHo.

„Die Vorbereitungen haben drei Jahre in Anspruch genommen, und es gab viele Widerstände und Bedenken in der Hochschule. Aber am Ende hat es geklappt. Ein wahrlich historischer Schritt.“ Er berichtet, dass das Thema die gesamte Hochschule polarisierte. Es gab Sorgen in alle erdenklichen Richtungen.

„Mit dem Aufbaustudium gab es ja bereits eine gut funktionierende Institution, und viele Entscheidungsträger waren anfangs nicht von den Vorteilen des PhD-Studiums überzeugt“, erzählt er. Professor Dr. Gerhard Breves, Kommissionsvorsitzender des PhD-Programms, sagt: „Das PhD-Programm ‚Veterinary Research and Animal Biology‘ umfasst alle Fächer der Tiermedizin. Neben Tiermedizinern absolvieren beispielsweise auch Biologen, Chemiker, Biochemiker oder Physiker das Programm.“

Einige Jahre nach der Einführung des ersten PhD-Programms an der TiHo wurden 2002 das PhD-Programm „Systems Neuroscience“ und im Jahr 2011 das PhD-Programm „Animal and Zoonotic Infections“ eingeführt und damit entsprechend der Forschungsschwerpunkte der TiHo zwei Möglichkeiten zur Spezialisierung geschaffen.

Alle drei Studiengänge befinden sich heute unter dem Dach der TiHo-Graduiertenschule HGNI (Hannover Graduate School for Veterinary Pathobiology, Neuroinfectiology, and Translational Medicine), die im Jahr 2001 gegründet wurde. Die Regelstudienzeit beträgt für alle drei Programme jeweils drei Jahre.

Zudem müssen alle Studierenden eine anspruchsvolle, extern geprüfte, experimentelle Forschungsarbeit durchführen. Ein klarer Vorteil ist, dass jeder Student von einer Supervisorengruppe aus jeweils drei Professoren betreut wird.

In fächerübergreifenden Seminaren und regelmäßigen Präsentationstagen können die Studierenden zudem über den Tellerrand ihres eigenen Forschungsthemas blicken und Kontakte knüpfen. PhD-Studierende lernen früh, sich zu vernetzen. Zusatzqualifikationen wie Didaktik, Präsentationstechniken oder Rhetorik helfen zudem, die Nachwuchswissenschaftler gut auf eine Forschungslaufbahn vorzubereiten.

Die Absolventen der PhD-Programme haben sehr gute Berufschancen. Die überwiegende Mehrheit der Studierenden hat ihre wissenschaftliche Karriere erfolgreich fortgesetzt. Das strukturierte Promotionsprogramm bietet durch die intensive, experimentell-wissenschaftliche Ausbildung eine sehr gute Vorbereitung auf eine wissenschaftliche Karriere.

Die meisten Alumni sind weiterhin in der Forschung tätig - in einer universitären Einrichtung oder in der Industrie. Das Ziel der PhD-Studiengänge ist es, die Ausbildung für den wissenschaftlichen Nachwuchs so gut wie möglich zu gestalten.

Die Voraussetzungen, ein PhD-Studium an der TiHo einzuführen, waren sehr gut: Seit 1969 gab es ein Aufbaustudium für fertige Tierärztinnen und Tierärzte. Es war der Vorläufer der heutigen strukturierten PhD-Programme an der TiHo.

Für die Zulassung wurden von den Studierenden gute Deutsch- und Englischkenntnisse sowie ein gutes Staatsexamen erwartet. In den zwei Studienjahren fertigten sie eine eigene Forschungsarbeit an. Zusätzlich belegten sie methodisch ausgerichtete Laborkurse.

Ähnlich der heutigen strukturierten Promotionsprogramme wurden zudem fachübergreifende Kurse und Seminare für Zusatzqualifikationen wie Didaktik oder das Verfassen wissenschaftlichen Publikationen angeboten. Die meisten Absolventen schlossen das Aufbaustudium mit einer Promotion ab.

Der PhD wurde zwar historisch zuerst von US-amerikanischen Universitäten verliehen, war aber ursprünglich ein deutscher Import: Amerikanische Studierende und Professoren hatten im 19. Jahrhundert an deutschen Universitäten das humboldtsche System des Dr. phil. kennengelernt und nach Amerika gebracht.

Der PhD wurde in den USA erstmals 1861 an der Yale University verliehen. Nach und nach haben alle Universitäten der USA und des angelsächsischen Raums diesen Titel und das PhD-Studium eingeführt. Heute verleihen ihn mehr als 80 Prozent aller Universitäten weltweit.



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Studie: Verbreitung von Paratuberkulose bei Reh-, Dam-, Muffel- und Rotwild

Marie Sange, Doktorandin an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) untersucht das Auftreten von Paratuberkulose - Jägerinnen und Jäger sind um Mithilfe gebeten
Weiterlesen

Professor Guus Rimmelzwaan; Bildquelle: Levien Willemse

Professor Guus Rimmelzwaan erhält Alexander von Humboldt-Professur

Am 8. Mai 2018 verlieh die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, gemeinsam mit dem Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung, Hans-Christian Pape, in Berlin die höchstdotierten Forschungspreise Deutschlands
Weiterlesen

Sabrina Linn mit Kibo im Zoo Augsburg; Bildquelle: TiHo

Kommunikation von Breitmaulnashörnern

Über die Kommunikation ausgewachsener Breitmaulnashörner (Ceratotherium simum simum) ist nur wenig bekannt. Studien, die sich mit der Kommunikation ihrer Jungtiere beschäftigen, fehlten bislang ganz
Weiterlesen

Professor Dr. Wolfgang Löscher; Bildquelle: Martin Bühler

Internationale Auszeichnung für Epilepsieforscher Wolfgang Löscher

Für sein lebenslanges Engagement, neue Therapieformen gegen Epilepsie zu finden, zeichnete ihn die US-amerikanische Epilepsy Foundation mit dem „Lifetime Accelerator Award“ aus
Weiterlesen

Schweinswal mit einem akustischen Datenlogger; Bildquelle: Universität Aarhus

Schiffsverkehr stört Schweinswale bei der Nahrungssuche

Internationales Forscherteam untersuchte das Verhalten von Schweinswalen
Weiterlesen

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Machen unsere Haustiere uns krank?

Tagung am 2. Februar 2018 zu Haus- und Heimtieren im One-Health-Kontext
Weiterlesen

Otter können über den Ausstieg die Reuse verlassen, Fische hingegen nicht; Bildquelle: Anja Reckendorf/ITAW

Ausstiegsmöglichkeiten für Fischotter aus Reusen erfolgreich getestet.

In einem aus der Fischereiabgabe des Landes Schleswig-Holstein geförderten gemeinsamen Projekt testeten Wissenschaftler erfolgreich zwei Ausstiegsvarianten für den Otter aus Reusen
Weiterlesen

Plattentiere sind nicht nur Modellsysteme für die Krebsforschung, sondern insbesondere auch für Evolutionsbiologie; Bildquelle: Bernd Schierwater

TiHo-Wissenschaftler entdecken seltene Genstruktur im Erbgut von Plattentieren.

Plattentiere (Placozoa) sind die strukturell einfachsten vielzelligen Tiere. Sie eignen sich daher sehr gut als Modellsystem für verschiedene biologische Fragestellungen
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen