TiHo-Tagung zu Pestiviren: Blutschwitzen und Schweinepest

(29.09.2011) Vom 25. bis 28. September 2011 fand an der TiHo mit 170 Wissenschaftlern das 8. Pestivirus-Symposium der Europäischen Gesellschaft für Veterinärvirologie (ESVV) statt.

Seit dem ersten Symposium dieser Art im Jahr 1990 - ebenfalls in Hannover - wird es alle drei Jahre in wechselnden europäischen Städten veranstaltet.

Viele Erreger, die zur Gruppe der Pestiviren zählen, rufen bei Schweinen, Rindern und Schafen Infektionskrankheiten hervor; so zum Beispiel das Virus der Klassischen Schweinepest, das auch der Namensgeber für die Gattung der Pestiviren ist.

Die Schweinepest ist eine der gefährlichsten Krankheiten bei Schweinen und wirtschaftlich eine sehr bedeutende Tierseuche, die in der Europäischen Union nach strengen Regeln bekämpft wird.

An der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) arbeitet das Institut für Virologie mit den Erregern. Das Institut ist seit den 1980er Jahren das EU-Referenzlabor für Klassische Schweinepest.

Im Fokus der Veranstaltung standen in diesem Jahr unter anderem die Themen Virusevolution und Bekämpfung sowie die Entwicklung von Vakzinen und Diagnostika. Einige Wissenschaftler stellten die Fortschritte zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen Klassische Schweinepest vor.

Sie arbeiten in dem EU-weiten Projekt „Go_DIVA“ gemeinsam an einem Schweinepest-Impfstoff, der die Unterscheidung von infizierten und geimpften Tieren ermöglicht. Herkömmliche Impfstoffe lassen diese Differenzierung nicht zu, da die Tiere nach der Impfung die gleichen Antikörper aufweisen wie infizierte Tiere.

Von einem virusfreien Bestand kann aber nur gesprochen werden, wenn weder Virus noch Antikörper gegen das Schweinepest-Virus nachgewiesen werden. Deshalb verfolgen die Forscher mit Go_DIVA das Ziel, einen markierten Impfstoff, einen sogenannten DIVA-Impfstoff (Differentation Infected from Vaccinated Animals) zu entwickeln, um die geimpften von infizierten Tieren zu unterscheiden.

Um zu vermeiden, dass Tiere in der Nähe von Seuchenausbrüchen getötet werden müssen, wäre eine Impfung von Hausschweinen in Notfällen wünschenswert. Der neue Impfstoff soll aber zunächst vor allem bei Wildschweinen eingesetzt werden, die dem Virus als Reservoir dienen.

Neben der Klassischen Schweinepest stellten die Wissenschaftler den aktuellen Forschungsstand weiterer Viruserkrankungen vor. Das Phänomen des „Blutschwitzens“ bei Kälbern hat Landwirte und Tiermediziner in den vergangenen vier Jahren vor ein Rätsel gestellt.

Blutschwitzen ist eine tödlich verlaufende Erkrankung bei Saugkälbern, bei der die Tiere unter unstillbaren Blutungen der Haut leiden. Vor kurzem erzielte ein Verbund von Wissenschaftlern einen Durchbruch in der Erforschung der Ursachen: Sie konnten zeigen, dass ein verunreinigter Impfstoff gegen das Virus der BVD (Bovine Virus Diarrhöe) für die Erkrankung verantwortlich ist.

Die Impfung der Mutterkühe führt zu einer Immunantwort gegen die weißen Blutzellen des neugeborenen Kalbes, in dessen Folge das Kalb erkrankt und stirbt. Der Impfstoff wurde nach Aufdeckung der Ursachen aus dem Verkehr gezogen und der Herstellungsprozess durch die Firma überprüft. Bis zu diesem Zeitpunkt waren in Europa über 4.000 Fälle des Blutschwitzens bekannt geworden.



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