Todesursache vom Delfin aus der Eckernförder Bucht untersucht

(22.03.2021) Wichtigste Obduktionsergebnisse des im Januar tot aufgefundenen Weibchens stehen fest. Das Tier starb an einer schweren Lungenentzündung. Keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.

Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) hat den Gemeinen Delfin (Delphinus delphis), der sich über mehrere Monate in der Eckernförder Bucht aufhielt, obduziert.




Das Tier wurde Ende Januar dieses Jahres tot am Meeresgrund aufgefunden, von Tauchern geborgen und im ITAW von Tierärztinnen und Tierärzten, die auf Meeressäuger spezialisiert sind, untersucht. Die umfassende Obduktion sowie weiterführende feingewebliche, bakteriologische, virologische und parasitologische Untersuchungen wie auch bildgebende Verfahren der Ohren wurden zum Teil auch mit Partnerfachinstitutionen durchgeführt.

Die Obduktionsergebnisse

Das weibliche Tier war etwa sechs Jahre alt und hatte die Geschlechtsreife noch nicht erreicht. Die Obduktion offenbarte insbesondere Auffälligkeiten in der Lunge des jungen Delfinweibchens. Das Gewebe war mit Parasiten befallen und zeigte eine schwere Lungenentzündung.

In der Folge war es zu Verkalkungen, Bindegewebsvermehrung (Fibrose) und weiteren schweren Veränderungen im Gewebe gekommen. Im Magen fanden die Tierärzte ebenfalls Parasiten sowie zwei große und tiefe Magengeschwüre. Für ein signifikantes Krankheitsgeschehen sprachen außerdem die Reaktionen mehrerer Lymphknoten im Bereich der Lunge, des Darms, des Magens und des Halses, die wie beim Menschen zum Immunsystem des Delfins gehören.


Delfin Lunge

Am gesamten Tierkörper waren unregelmäßige, oberflächliche Aufhellungen der Haut sichtbar. Im vergangenen Jahr, als der Delfin noch in der Eckernförder Bucht schwamm, wurde bereits eine Hauterkrankung beobachtet, die nach einigen Monaten wieder abklang und möglicherweise durch eine Pockeninfektion hervorgerufen worden war. Die Untersuchungen zeigten, dass das Tier sich von diesen Veränderungen gut erholt hatte. 


Delfin Magen

Eine Wunde am Kopf des Tieres, die bei der Bergung aufgefallen war, konnte nach genauer Begutachtung und histologischer Untersuchungen als oberflächliche Abschürfung der Haut eingeordnet werden, die sich das Tier vor dem Tod zugezogen hatte, die aber nicht relevant für den Tod des Delfins war.

Eine Antikörperuntersuchung lieferte Hinweise, dass das Tier eine bakterielle Infektion mit dem Rotlauf-Erreger Erysipelothrix rhusiopathiae durchlaufen hatte. Das Bakterium ist bei engem Kontakt auch auf den Menschen übertragbar. Zum Zeitpunkt der Obduktion konnte der Erreger nicht mehr nachgewiesen werden. Auch die Untersuchung auf virale Erreger lieferte keine positiven Ergebnisse.

Da Delfine auf ihr Gehör angewiesen sind, um sich zu orientieren, mit Artgenossen zu kommunizieren oder um Nahrung zu suchen, untersuchten die Tierärztinnen und Tierärzte den Delfin während der Obduktion eingehend auf akustische Beeinträchtigungen. Dafür setzten sie unter anderem hochauflösende bildgebende Verfahren ein, mit denen sie genau beurteilen können, ob die Ohren geschädigt sein. Dabei konnten sie ausschließen, dass der Delfin beispielsweise einen Bruch der Ohrknochen hatte.

Die umfangreichen Untersuchungen zeigten, dass das Tier trotz des unveränderten Verhaltens, das noch an den Tagen vor seinem Tod beobachtet wurde, unter beträchtlichen gesundheitlichen Einschränkungen insbesondere der Lunge litt, die höchstwahrscheinlich zu einem natürlichen Tod des jungen Delfins führten.


Weitere Meldungen

EU fördert Meeresforschung der TiHo; Bildquelle: ITAW

EU fördert Meeresforschung der TiHo

Forscherinnen und Forscher aus Tiermedizin, Bioakustik, Populationsbiologie, Schiffsbau und Ingenieurwesen suchen gemeinsam nach Lösungen, um Schiffslärm zu reduzieren und so Meerestiere zu schützen
Weiterlesen

Gruppenfoto der beiden deutschen Flugteams und der Piloten vor dem ersten Flug am Husumer Flughafen; Bildquelle: TiHo

Internationales Forscherteam zählt Schweinswale aus der Luft

Wissenschaftler des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) haben gemeinsam mit dem Institut für Biowissenschaften der Universität Aarhus in Dänemark und dem schwedischen Naturkundemuseum Stockholm in Schweden, Beobachtungsflüge durchgeführt
Weiterlesen

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden Milch im Magen des Tieres; Bildquelle: ITAW

Schwertwalstrandung auf Sylt

Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung gibt erste Ergebnisse bekannt
Weiterlesen

Seehund; Bildquelle: Martin Stock/LKN-SH

Influenzavirus ist Ursache des Seehundsterbens

Über das etablierte Frühwarnsystem wurde seit Anfang Oktober ein vermehrtes Auftreten schwerkranker und toter Seehunde an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins registriert. Seitdem wurden auf Helgoland, Sylt, Amrum und Föhr insgesamt 350 Seehunde gefunden
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen

22.04.