Neu entdeckt: der Lepilemur otto
Wieselmakis: TiHo-Forscher entdecken zwei neue Arten

(14.06.2007) Der Doktorand Mathias Craul aus dem Institut für Zoologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover hat zwei neue Wieselmaki-Arten auf Madagaskar beschrieben.

Er veröffentlichte seine Entdeckung jetzt gemeinsam mit seinen Betreuerinnen Prof. Dr. Elke Zimmermann und Dr. Ute Radespiel sowie zwei madagassischen Wissenschaftlern im Onlinefachmagazin BMC Evolutionary Biology. Die Veröffentlichung ist unter www.biomedcentral.com/1471-2148/7/83/abstract abrufbar.

Die Namen der neuen Wieselmaki-Arten lauten Lepilemur manasamody, benannt nach der Region, in der die Art gefunden wurde, und Lepilemur otto, benannt nach seinem Namenspaten: Dr. Michael Otto, Vorstandsvorsitzender des Otto-Versandes.

Für seine Doktorarbeit reiste Craul zweimal sechs Monate in den Nordwesten Madagaskars. Er fuhr in verschiedene Waldfragmente, erfasste die morphologischen Merkmale der einzelnen Tiere, wie beispielsweise Körperlänge oder Kopfumfang, und nahm genetische Proben. Sein Ziel war dabei die Untersuchung der Ausbreitungsgeschichte der Tiere.

Anhand der morphologischen und genetischen Merkmale konnte Craul Aussagen über den Verwandtschaftsgrad und die Verbreitung der Tiere machen. Große Flüsse unterteilen den Nordwesten Madagaskars in geographisch isolierte Gebiete. Craul konnte zeigen, dass diese Flüsse für die ungefähr 25 bis 35 Zentimeter großen Wieselmakis unüberwindbare Barrieren sind und keine Vermischung der Populationen aus den verschiedenen Gebieten stattfindet.

Diese geographische Trennung ermöglicht die unterschiedliche Entwicklung der Tiere und so, langfristig, die Entstehung neuer Arten.


"Die Entdeckung der beiden Arten war ein Nebenprodukt meiner Arbeit. Wir haben uns darüber natürlich sehr gefreut." sagt Craul. Seine Betreuerin Pivatdozentin Dr. Ute Radespiel ergänzt: "Wir hatten im Stillen gehofft, vielleicht eine neue Art zu entdecken, da die Wieselmakis im Nordwesten Madagaskars noch sehr wenig erforscht sind; wirklich damit gerechnet haben wir aber nicht."

Das Projekt ist Teil eines größeren Projekts zur Ausbreitungsgeschichte nachtaktiver Lemuren, das von Dr. Ute Radespiel und Prof. Dr. Elke Zimmermann, Direktorin des Instituts für Zoologie, geleitet und unter Mitarbeit von zwei madagassischen Wissenschaftlern, Dr. Blanchard Randrianambinina und Dr. Solofonirina Rasoloharijaona, vor Ort durchgeführt wurde. Neben den Wieselmakis wurde auch die Ausbreitungsgeschichte von Mausmakis untersucht.

Mit den zwei neu entdeckten Arten gibt es zurzeit 24 bekannte Wieselmaki-Arten. Die nachtaktiven Tiere leben ausschließlich auf Madagaskar und gehören zu den Feuchtnasenaffen. Wieselmakis leben in Wäldern, wo sie sich mit langen Sprüngen ihrer kräftigen Hinterbeine von Baum zu Baum fortbewegen.

Tagsüber ziehen sie sich in dichtes Blätterwerk oder Baumhöhlen zurück. Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Blättern. Viele Arten haben ein sehr kleines Verbreitungsgebiet und sind zudem durch Wilderei stark in ihrem Bestand bedroht.

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