Plattform Support4VETMED: In Deutschland praktizieren

(22.08.2017) Veterinärmediziner der Freien Universität Berlin haben gemeinsam mit dem Verein Tierärzte ohne Grenzen die Plattform Support4VETMED für geflüchtete Tierärzte gegründet.

Dieser Artikel von Marina Kosmalla erschien zuerst am Online-Magazin "campus.leben" der Freien Universität Berlin.

„Ich komme aus Syrien und habe selbst erlebt, wie schwer es ist, in Deutschland wieder als Tierarzt arbeiten zu können“, sagt Salah Al Masri, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Veterinär-Anatomie der Freien Universität Berlin.

Gemeinsam mit seiner Kollegin Professorin Mahtab Bahramsoltani und dem Verein Tierärzte ohne Grenzen entwirft er einen Online-Kurs, der geflüchtete Tierärzte dabei unterstützen soll, in Deutschland die Approbation zu erhalten. Mit einer Facebook-Seite ist Salah Al Masri bereits am Start.


Constanze Bönig, Mahtab Bahramsoltani und Salah Al Masri (v.l.n.r.) entwerfen einen Online-Kurs, der geflüchtete Tierärzte dabei unterstützen soll, in Deutschland die Approbation zu erhalten. Bildquelle: Marina Kosmalla

In Deutschland brauchen Human-, Zahn- und Tierärzte sowie Psychotherapeuten und Apotheker eine staatliche Zulassung zur Berufsausübung: die Approbation.

Im Ausland erworbene Abschlüsse können anerkannt werden, wenn sie den deutschen Anforderungen gleichwertig sind. Hat ein Arzt oder eine Ärztin den Abschluss in einem Mitgliedstaat der EU, EWR (Europäischer Wirtschaftsraum) oder der Schweiz erworben, ist die Anerkennung in der Regel problemlos.

Bewerberinnen und Bewerber aus anderen Ländern erfüllen die Anforderungen hierfür jedoch oft nicht und müssen die Prüfungen zur Approbation in Deutschland nachholen.

„Für geflüchtete Human- und Zahnmediziner gibt es organisierte Vorbereitungskurse auf die Approbation“, sagt Mahtab Bahramsoltani. Dort erhalten die Ärztinnen und Ärzte sowohl Informationen darüber, wo sie sich melden und welche Prüfungen sie ablegen müssen, als auch Unterricht in den Fächern, die sie für ihre Approbation nachholen müssen.

„Für Tiermediziner gibt es so etwas nicht“, stellt Salah Al Masri fest. Fast zehn Jahre ist es jetzt her, dass der promovierte Veterinärmediziner Syrien verlassen hat, noch bevor Krieg und Terror das Land erschütterten. Auch er musste die Approbation hier nachholen.

Deutsch ist Pflicht

Die Grundvoraussetzung dafür sind Deutschkenntnisse auf B2-Niveau nach dem „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen“ (GER). „Wenn man bei null anfängt, braucht man dafür etwa ein bis anderthalb Jahre“, sagt Al Masri.

Dann kommen die Fachprüfungen – für die Approbation in Veterinärmedizin sind es insgesamt 15. Wenn Erfahrungen der Tierärzte anerkannt werden, kann sich die Zahl verringern. Aber die meisten geflüchteten Veterinäre müssten alle 15 Prüfungen ablegen, sagt Al Masri. „Wenn man sehr gut ist und alles problemlos klappt, schafft man eine Prüfung im Monat.“

Unter den Flüchtlingen, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind, waren auch Veterinärmediziner. „Anfangs ist man komplett auf sich allein gestellt“, sagt Salah Al Masri. „Für einen Neuankömmling, der kein oder kaum Deutsch spricht, Land und Leute noch nicht kennt, ist das sehr schwer.“

Deshalb kam der Syrer im vergangenen Jahr auf die Idee, eine Plattform für geflüchtete Tierärztinnen und Tierärzte zu schaffen, auf der sich neben allen wichtigen Informationen für die Approbation in Deutschland auch Kontaktdaten zu Prüfern und Lehrenden sowie Lehrmaterialien und Themenkataloge für die Prüfungen finden.

Seit etwa einem halben Jahr ist auch die Facebook-Seite „Support4VETMED“ online. In kürzester Zeit haben sich darüber mehr als 100 ausländische Tierärzte, die in Deutschland leben, gemeldet. Die meisten waren Geflüchtete aus Syrien, aber auch Tierärztinnen und Tierärzte aus Südamerika, Bosnien oder dem Kosovo waren dabei.


Adopt a Vet

Gleichzeitig beschäftigte sich auch der Verein Tierärzte ohne Grenzen damit, Tierärztinnen und Tierärzte in Deutschland zu unterstützen. „Normalerweise sind wir über Projekte in Ostafrika eingebunden“, sagt Constanze Bönig, Referentin für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit bei Tierärzte ohne Grenzen.

„Wir wollten aber schon lange auch in Deutschland tätig sein, gerade im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise.“ Durch die Zusammenarbeit der beiden Initiativen entstand der Plan, den Online-Kurs unter anderem um aufgezeichnete Vorlesungen zu erweitern.

Dass das Angebot online verfügbar ist, sei wichtig, sagt Bahramsoltani, da die geflüchteten Tierärztinnen und Tierärzte über ganz Deutschland verteilt seien und auf diese Weise keine Reisekosten anfielen.

„Mittlerweile haben wir schon viel Material zusammengetragen, die online zur Verfügung stehen.“ Unterstützungsideen für die Zeit nach der Approbation gibt es auch schon. Denn den Weg in den Arbeitsmarkt zu finden, sei die nächste Hürde, sagt Constanze Bönig. Geplant ist eine Praktikumsvermittlung zu Tierarztpraxen, Schlachthöfen oder Laboren unter dem Titel „Adopt a Vet“.

Finanzierungsmöglichkeit gesucht

Bisher wird das Projekt von der Berliner Tierärztlichen Gesellschaft finanziert. Für die Umsetzung der geplanten Erweiterungen sind die Initiatoren auf der Suche nach einer weiteren Finanzierungsmöglichkeit.

„Unser Problem ist, dass wir mit einer halben Million Euro keine kleine Fördersumme brauchen. Mit einer geschätzten Teilnehmerzahl von 200 Tierärzten würden sich die Kosten pro Person aber noch unterhalb dessen befinden, was Human- und Zahnmediziner für kommerziell angebotene Approbationskurse bezahlen“, sagt Constanze Bönig.

„Wenn wir keine Anschlussfinanzierung erhalten, machen wir trotzdem weiter. Wir haben bereits viel geschafft, und das bleibt bestehen“, betont Al Masri. Er stehe immer für Anfragen zur Verfügung, was sich mittlerweile herumgesprochen hat.

Sowohl über den Fachbereich als auch von der Tierärztekammer werden Ratsuchende an ihn weitergeleitet. „Ich bin sozusagen die erste Anlaufstelle. Und es melden sich viele, nicht nur aus Berlin, sondern bundesweit.“




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