Die Veterinärmedizinische Universität Wien feiert ihren 250. Geburtstag

(22.03.2015) Am 24. März 1765 beschloss Kaiserin Maria Theresia die Gründung der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Das Jubiläum zum Vierteljahrtausend steht unter dem Motto „Verantwortung für Tier und Mensch“.

Das Jubeljahr ist gespickt mit zahlreichen Veranstaltungen, darunter ein Jubiläums-Festakt mit internationalen Gästen, ein Didaktik-Symposium, eine tierische Ballnacht im Wiener Rathaus und ein Tag der offenen Tür am Campus der Universität.


Der Campus der Vetmeduni Vienna befindet sich im 21. Wiener Gemeindebezirk und ist 15 Hektar groß

„Mit einem Blick zurück und einem nach vorne bin ich überzeugt, dass unsere Universität für das nächste Vierteljahrtausend gerüstet ist“, betont die Rektorin der Vetmeduni Vienna, Sonja Hammerschmid. Aktuell bildet die einzige veterinärmedizinische Universität in Österreich 2.300 Studierende aus, zählt 1.300 MitarbeiterInnen und betreut jährlich mehr als 40.000 Tierpatienten in ihren fünf Universitätsklinike

Die Ursprünge der Wiener Veterinärmedizin

Die Veterinärmedizinische Universität Wien ist die älteste veterinärmedizinische Bildungs- und Forschungsstätte im deutschsprachigen Raum. Nach Lyon und Alfort in Frankreich war sie weltweit die dritte Veterinärschule, die gegründet wurde. Kranke Tiere waren bis dahin selbst ernannten HeilerInnen überlassen. Der erste Unterricht wurde 1767 an der damaligen "Pferde-Curen- und Operationsschule" aufgenommen.


Tierärzte setzen eine Sonde beim Pferd. Reproduktion eines schwarzweiss- Glasdias aus dem Historischen Archiv der Vetmeduni Vienna

Ursprünglich stand die Behandlung von Militärpferden im Zentrum. Erst mit dem 1775 geschaffenen Lehrstuhl für Viehseuchen an der medizinisch-chirurgischen Fakultät der Universität Wien unter dem Humanmediziner Paul Adami wurden die „Viehkrankheiten“ im Sinne einer frühen Nutztiermedizin mit Schwerpunkt auf Seuchenprävention  bedacht. Das 1777 eröffnete „k. k. Thierspital“ vereinigte schließlich die Pferde- und Nutztiermedizin.

Die Idee eines Tierspitals stellte ein innovatives Konzept dar: Es bot den umliegenden TierbesitzerInnen die Möglichkeit, kranke Tiere behandeln zu lassen und den Lehrern und Schülern einen permanenten Zustrom an Patienten. Daraus entwickelte sich das Konzept, Behandlung, Forschung und Lehre zu verbinden. Das Patientenspektrum erweiterte sich über die Jahrhunderte.

Die Veterinärmedizin war lange Zeit ein Zweig der Humanmedizin. Professoren waren bis ins späte 19. Jahrhundert in erster Linie Humanmediziner, die sich in der Veterinärmedizin fortbildeten.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren nur Studenten und Absolventen der Humanmedizin sowie Schmiede zum tierärztlichen Studium zugelassen. Erst 1849 konnten auch Zivilisten, die "nur" eine normale Schule besucht hatten, Veterinärmedizin studieren.

Gleichzeitig erhielt die Veterinärmedizin mit Einführung des Titels „magister medicinae veterinariae“ einen akademischen Abschluss. Das Promotionsrecht wurde erst 1908 verliehen.


Studierende der Vetmeduni Vienna können zwischen acht Vertiefungsrichtungen wählen. Eine davon ist die Geflügel- und Schweinemedizin

Frauen durften erstmals 1919 studieren. Es vergingen noch 20 Jahre bis 1939 die erste Frau ihr Veterinärmedizin-Studium abschloss. Das Geschlechterverhältnis hat sich seither gewandelt. Aktuell sind 80 Prozent der Veterinärmedizin-Studierenden weiblich.

Die Wiener veterinärmedizinische Universität war auch Mutterschule für viele andere Vet-Universitäten wie beispielsweise Lemberg und Budapest, die bis heute bestehen.

Einzigartig in Österreich – International anerkannt

Die Veterinärmedizinische Universität Wien ist die einzige Fachuniversität ihrer Art in Österreich und bietet die einzige Möglichkeit, Veterinärmedizin in Österreich zu studieren.

Europaweit zählt sie zu den führenden veterinärmedizinischen Forschungs- und Ausbildungsstätten und ist eine der wenigen Vet-Universitäten, die in vollem Ausmaß von der zuständigen Qualitätssicherungsagentur European Association of Establishments for Veterinary Education (EAEVE) akkreditiert ist.

Innovatives Studienangebot

Seit dem Wintersemester 2014/2015 gibt es an der Vetmeduni Vienna ein neues Curriculum für das zwölfsemestrige Diplomstudium der Veterinärmedizin. Kompetenzerwerb, fächerübergreifendes Lernen und der Fokus auf das selbständige Erarbeiten von Inhalten stehen im Vordergrund.

„Die Anforderungen an Veterinärmedizinerinnen und Veterinärmediziner steigen kontinuierlich. Das reformierte Curriculum ist problem- und lösungsorientiert. Neben veterinärmedizinischen Fachkompetenzen zielt es auf Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit ab“, so Hammerschmid. Das sei für die praktische Arbeit essenziell. Man denke an die emotionalen Situationen mit TierhalterInnen – beispielsweise bei der Vermittlung von Diagnosen.

Das Diplomstudium der Veterinärmedizin ist längst nicht mehr das einzige Studium, das die Vetmeduni Vienna anbietet. Neben der klassischen Tiermedizin werden beispielsweise Biomedizin und Biotechnologie, Pferdewissenschaften sowie ein Master zur Mensch-Tier-Beziehung angeboten. Alle Masterprogramme werden englischsprachig abgehalten. Die Vetmeduni Vienna bietet zudem ein PhD-Programm an.

Forschen für die Gesundheit von Tier und Mensch

Die Vetmeduni Vienna steht für veterinärmedizinische und übergreifend naturwissenschaftliche Grundlagenforschung sowie für angewandte und klinische Forschung. Ihr Schwerpunkt liegt an der Schnittstelle Tier, Mensch und Umwelt, ihre Themen haben hohe gesellschaftliche Relevanz.

Das Augenmerk gilt der Tiergesundheit ebenso wie der präventiven Veterinärmedizin, dem öffentlichen  Gesundheitswesen genauso wie der Lebensmittelsicherheit. Forschungsergebnisse kommen so Tier und Mensch gleichermaßen zu Gute („One Health“).

Ihr Forschungsinteresse richtet sich auch auf die Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen für das Wohlbefinden von Tieren, auf die Verbesserung der Tierhaltung, den Tierschutz und die Tierethik.

Universitätskliniken – medizinische Versorgung

Tierpatienten werden an den fünf Universitätskliniken rund um die Uhr nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft versorgt. Die Universitätskliniken dienen – damals wie heute – als Lehrspital für die Studierenden und zugleich als Überweisungsklinik für niedergelassene TierärztInnen. Auch den TierhalterInnen stehen die Pforten der Universitätskliniken für tierärztliche Leistungen und Eingriffe offen.

Klinisch und wissenschaftlich anspruchsvolle Fälle bringen dabei oft wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse, die am Ende des Tages wieder dem Wohl der tierischen Patienten zugutekommen. 2014 wurden rund 45.000 Tierpatienten medizinisch versorgt, mehr als je zuvor. Davon wurde mehr als ein Drittel stationär aufgenommen. Für Spezialfälle stehen internationale FachtierärztInnen („Diplomates“) zur Verfügung.

Jubiläums-Termine in chronologischer Reihenfolge:

24.03.2015: "Miteinander arbeiten - Miteinander feiern" – anlässlich des 250. Geburtstags internes Fest für MitarbeiterInnen und Studierende

30.05.2015: Tag der offenen Tür am Campus im 21. Wiener Gemeindebezirk

19.06.2015: Festakt zum 250. Jubiläum der Veterinärmedizinischen Universität Wien

20.06.2015: Didaktik-Symposium "Teaching Vets"

20.06.2015: Jubiläumsball der Veterinärmedizinischen Universität Wien im Wiener Rathaus

18.09.2015: Fachsymposium und Erntedankfest am Lehr- und Forschungsgut der Vetmeduni Vienna

19.09.2015: Tag der offenen (Stall-)Tür am Lehr- und Forschungsgut  der Vetmeduni Vienna

15.10.2015: Science Slam - WissenschafterInnen wetteifern in Kurzvorträgen um die Gunst des Publikums



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Wachtelzucht mit fremden Arten zur Wildpopulation-Aufstockung im Mittelmeerraum mag zwar ökonomischer sein, birgt aber das Risiko einer genetischen Durchmischung und des Verlusts typischer Merkmale; Bildquelle: Gianni Pola

Wild-Wachtelzucht (noch) frei von japanischen „Gen-Importen“ und ebenso erfolgreich

Wachteln werden im Mittelmeerraum als Delikatesse gerne gejagt und die Wildtierpopulation über Zuchtfarmen entsprechend aufgestockt.
Weiterlesen

Derrick Edward Award Preisträgerin 2018: Mykoplasmenexpertin Rohini Chopra-Dewasthaly vom Institut für Mikrobiologie; Bildquelle: Georg Mair/Vetmeduni Vienna

Mykoplasmenexpertin Rohini Chopra-Dewasthaly mit renommiertem Derrick Edward Award geehrt

Die International Organization for Mycoplasmology (IOM) zeichnete am 9. Juli 2018 Rohini Chopra-Dewasthaly vom Institut für Mikrobiologie der Vetmeduni Vienna mit dem renommierten Derrick Edward Awards aus
Weiterlesen

Veterinärmedizinische Universität Wien

11. Europäischer Veterinärvirologen-Kongress

Vom 27. bis 30. August 2018 findet an der Veterinärmedizinischen Universität Wien der 11. Europäische Veterinärvirologen-Kongress statt
Weiterlesen

Schweine können sich anhand von bestimmten Merkmalen, wie Nase oder Mund, unser Gesicht einprägen.; Bildquelle: Messerli Forschungsinstitut/Vetmeduni Vienna

Schweine bilden ein visuelles Konzept menschlicher Gesichter

Entgegen bisheriger Tests scheinen Schweine doch über eine bessere visuelle Wahrnehmung zu verfügen als angenommen
Weiterlesen

Tierheim-Tagung: Tierschutz auf wissenschaftlicher Grundlage

Tierheim-Tagung: Tierschutz auf wissenschaftlicher Grundlage

Das Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Vetmeduni Vienna lädt am 20. Oktober 2018 zur Tierheim-Tagung ein
Weiterlesen

Marinomed

Marinomed erhält EU-weite Zertifizierung für Medizinprodukt

Die Wiener Marinomed Biotech AG (Marinomed) gab die europaweite Zertifizierung eines neuen Produkts bekannt. Erteilt wurde die Zertifizierung für ein Nasenspray, das entzündete Schleimhäute abschwellen lässt und gleichzeitig gegen virale Erkrankungen der Atemwege wirkt
Weiterlesen

Physiotherapie am Pferd; Bildquelle: Vetmeduni Vienna

8. Pferde-Symposium der Vetmeduni Vienna

Akupunktur, Chiropraktik, Lymphdrainage und Physiotherapie für mein Pferd – sinnvolle Ergänzungen zur Schulmedizin - am 13. Oktober 2018
Weiterlesen

Meerschweinchen ; Bildquelle: Lisa Glenk/Vetmeduni Vienna

Kampf oder Flucht? Sexualzyklus bestimmt Verhalten weiblicher Meerschweinchen

Aufgrund einer fixen Rangordnung müssen sich Meerschweinchen auf ihr soziales Gespür verlassen, wann sie sich behaupten oder flüchten
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen