Annemarie Käsbohrer ist neue Professorin für Öffentliches Veterinärwesen der Vetmeduni Vienna

(29.05.2016) Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind, so genannte Zoonosen, können auch über Lebensmittel tierischer Herkunft verbreitet werden. Der Bereich des Öffentlichen Veterinärwesens umspannt die Ausbreitung von Tierseuchen genauso wie die Sicherheit von Lebensmitteln wie Fleisch, Milch und Eiern.

Diese Themen spiegeln sich in der beruflichen Laufbahn Annemarie Käsbohrers wider. Seit Anfang April ist sie neue Professorin für diesen Fachbereich und Leiterin des gleichnamigen Instituts an der Vetmeduni Vienna.


Lebensmittelsicherheit sowie Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden, sind zentrale Themen des Öffentlichen Veterinärwesens, dem Aufgabengebiet der neuen Professorin Annemarie Käsbohrer

Die Tierärztin Annemarie Käsbohrer begann ihre Karriere 1985 in einer Praxis für Nutztiere in Rheinland-Pfalz, Deutschland. Dort behandelte sie Schweine, Rinder und Geflügel. Von der Praxis wechselte sie ins Labor und sattelte auf Mikrobiologie um.

Die Forschung an Mikroorganismen, insbesondere Bakterien, bedeutete einen weiteren Baustein für ihre Karriere in Richtung Lebensmittelsicherheit. Genau diese Kleinstlebewesen verursachen Tierseuchen und Zoonosen.

Nächste Station war die Epidemiologie, die sich mit der Ausbreitung von Infektionskrankheiten in Populationen von Tieren und Menschen befasst. In diesem Fach habilitierte Käsbohrer im Jahre 2014 an der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Salmonellen und die EU

Mit einem Zoonose-Erreger, den Salmonellen, beschäftigt sich Käsbohrer seit Jahrzehnten. Durch einen drastischen Anstieg der Erkrankungszahlen beim Menschen ausgelöst, wurden 1992 zum ersten Mal Grundlagen für die EU-weite Überwachung und Bekämpfung der Zoonosen angedacht und beschlossen.

Im Gemeinschaftlichen Referenzlabor für die Epidemiologie der Zoonosen übernahm Käsbohrer im Namen der Europäischen Kommission die Aufgabe, ein Berichtssystem für Zoonosen aufzubauen.

Die Verbreitung dieser Erreger und Erkrankungszahlen bei Tier und Mensch,  sowie lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche konnten dadurch erstmalig für den europäischen Binnenmarkt erfasst werden.

Gleichzeitig ermöglichten die erfassten Daten eine bessere Planung von Strategien zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit.

Dieses System erweiterte sie im Laufe der Jahre um die Erfassung von Resistenzen gegen Antibiotika. Damit wurde eine erste Übersicht über die Verbreitung von resistenten Erregern möglich.

Von europäischer auf nationale Ebene

Käsbohrers Arbeit war der Grundstock für das Berichtssystem der 2004 neu geschaffenen Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Statt für EFSA arbeitete Käsbohrer dann jedoch für das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Dort leitet sie die Fachgruppe für Epidemiologie, Zoonosen und Antibiotikaresistenzen. Ihre Fachgruppe umfasst unter anderem das Referenzlabor für Antibiotikaresistenzen und ein Team von BioinformatikerInnen, die mathematische Modelle und Dienstprogramme zu Themen der Lebensmittelsicherheit erstellen.

Vorbeugung ist besser

Seit Anfang April 2016 stellt Käsbohrer nun ihre Erfahrungen der Vetmeduni Vienna zur Verfügung. Jede zweite Woche verbringt die in Lauingen an der Donau geborene neue Professorin am Campus in Wien-Floridsdorf.

Die Hälfte ihrer Arbeitszeit stellt sie nach wie vor dem BfR in Berlin, wo auch ihre Familie lebt, zur Verfügung. 

Vor allem zwei Aspekte reizten sie, ihr berufliches und privates Leben zwischen Deutschland und Österreich aufzuteilen. „Die Arbeit im Bereich Zoonosen und Antibiotikaresistenzen wirft zwangsläufig Fragen auf, die nur durch vertiefende Studien und Grundlagenforschung beantwortet werden können. Dies ist aber nicht Aufgabe des BfR. Einige dieser Lücken kann ich hier an der Veterinärmedizinischen Universität Wien schließen“, sagt Käsbohrer.

Ein weiterer Aspekt für die Übernahme der Professur war die Qualifizierung der TierärztInnen und die Weiterbildung der LandwirtInnen, die sie an der Vetmeduni Vienna aktiv mitgestalten kann.

„Es gilt klarzumachen, dass alle an einem Strang ziehen müssen. Die Zusammenarbeit über Disziplinen hinweg muss für die Lebensmittelsicherheit an erster Stelle stehen“, stellt Käsbohrer klar.

TierärztInnen sollten mehr die Prophylaxe, also den vorbeugenden Schutz gegen Krankheiten, im Fokus haben. Die Therapie, insbesondere ganzer Tierbestände, kommt laut Käsbohrer eher einem Hinterherlaufen gleich.

Die Therapie ist aber notwendig, um unnötiges Leiden erkrankter Tiere zu verhindern und ihre Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Eine gezielte Prophylaxe zusammen mit einem optimierten Hygiene- und Betriebsmanagement sorgen dagegen dafür, dass die Tiere weniger häufig krank werden.

Schwerpunkte sichtbarer machen

Für das Institut für Öffentliches Veterinärwesen hat sich Käsbohrer zum Ziel gesetzt, Themenschwerpunkte auszubauen und sichtbarer zu machen. Neben der Reduktion von Antibiotikaresistenzen möchte sie auch an Ausbreitungsmodellen für Infektionserreger und an deren Interventionsstrategien in Österreich arbeiten.

Mit der Risikobewertung, in der mathematische und statistische Modelle und Auswertungen von Daten unter anderem aus der Lebensmittelkontrolle mit deren Bedeutung für die Humangesundheit vereint werden, bringt sie einen neuen Themenschwerpunkt aus ihrem bisherigen Arbeitsbereich mit.



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Wachtelzucht mit fremden Arten zur Wildpopulation-Aufstockung im Mittelmeerraum mag zwar ökonomischer sein, birgt aber das Risiko einer genetischen Durchmischung und des Verlusts typischer Merkmale; Bildquelle: Gianni Pola

Wild-Wachtelzucht (noch) frei von japanischen „Gen-Importen“ und ebenso erfolgreich

Wachteln werden im Mittelmeerraum als Delikatesse gerne gejagt und die Wildtierpopulation über Zuchtfarmen entsprechend aufgestockt.
Weiterlesen

Derrick Edward Award Preisträgerin 2018: Mykoplasmenexpertin Rohini Chopra-Dewasthaly vom Institut für Mikrobiologie; Bildquelle: Georg Mair/Vetmeduni Vienna

Mykoplasmenexpertin Rohini Chopra-Dewasthaly mit renommiertem Derrick Edward Award geehrt

Die International Organization for Mycoplasmology (IOM) zeichnete am 9. Juli 2018 Rohini Chopra-Dewasthaly vom Institut für Mikrobiologie der Vetmeduni Vienna mit dem renommierten Derrick Edward Awards aus
Weiterlesen

Veterinärmedizinische Universität Wien

11. Europäischer Veterinärvirologen-Kongress

Vom 27. bis 30. August 2018 findet an der Veterinärmedizinischen Universität Wien der 11. Europäische Veterinärvirologen-Kongress statt
Weiterlesen

Schweine können sich anhand von bestimmten Merkmalen, wie Nase oder Mund, unser Gesicht einprägen.; Bildquelle: Messerli Forschungsinstitut/Vetmeduni Vienna

Schweine bilden ein visuelles Konzept menschlicher Gesichter

Entgegen bisheriger Tests scheinen Schweine doch über eine bessere visuelle Wahrnehmung zu verfügen als angenommen
Weiterlesen

Tierheim-Tagung: Tierschutz auf wissenschaftlicher Grundlage

Tierheim-Tagung: Tierschutz auf wissenschaftlicher Grundlage

Das Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Vetmeduni Vienna lädt am 20. Oktober 2018 zur Tierheim-Tagung ein
Weiterlesen

Marinomed

Marinomed erhält EU-weite Zertifizierung für Medizinprodukt

Die Wiener Marinomed Biotech AG (Marinomed) gab die europaweite Zertifizierung eines neuen Produkts bekannt. Erteilt wurde die Zertifizierung für ein Nasenspray, das entzündete Schleimhäute abschwellen lässt und gleichzeitig gegen virale Erkrankungen der Atemwege wirkt
Weiterlesen

Physiotherapie am Pferd; Bildquelle: Vetmeduni Vienna

8. Pferde-Symposium der Vetmeduni Vienna

Akupunktur, Chiropraktik, Lymphdrainage und Physiotherapie für mein Pferd – sinnvolle Ergänzungen zur Schulmedizin - am 13. Oktober 2018
Weiterlesen

Meerschweinchen ; Bildquelle: Lisa Glenk/Vetmeduni Vienna

Kampf oder Flucht? Sexualzyklus bestimmt Verhalten weiblicher Meerschweinchen

Aufgrund einer fixen Rangordnung müssen sich Meerschweinchen auf ihr soziales Gespür verlassen, wann sie sich behaupten oder flüchten
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen