Wanderungen Asiatischer Wildesel sind durch immer mehr Barrieren behindert

(05.05.2011) Wie Zugvögel führen auch  manche Säugetierarten ein Leben als Nomaden. Weil sie nicht fliegen können, sind asiatische Wildesel auf ihren Wanderrouten mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert.

Asiatische Wildesel ; Bildquelle: FIWI
Asiatische Wildesel
Die Auswirkungen menschlicher Eingriffe in ihre Lebensräume hat nun eine Forschungsgruppe um Chris Walzer von der Vetmeduni Vienna in einer Feldstudie dokumentiert. Ihre Arbeit ist in der Zeitschrift Biological Conservation erschienen.

Wildesel stammen von den gemeinsamen Vorfahren unserer Pferde und Esel ab. Viele Wildeselarten stehen heute am Rande des Aussterbens, Grund dafür sind Eingriffe des Menschen wie die Zerstörung ihres Lebensraums und die Wilderei. 

Ein Team um Chris Walzer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna hat in einem vom österreichischen Forschungsfonds FWF unterstützten Projekt gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland, China und der Mongolei Daten zum Lebensraum der mongolischen Wildesel erhoben.

Diese Art lebt heute in Gebieten der Mongolei, China, Indien Iran und Turkmenistan. Das Ziel der Forschenden ist, die Gründe für das Schrumpfen der Wildeselpopulationen zu verstehen, um wirkungsvolle Gegenmaßnahmen entwickeln zu können.

Konkurrenz durch Nutztierherden

Die Wüste Gobi in der Mongolei zählt zu den bedeutendsten Zufluchtsräumen für viele gefährdete Tierarten. Petra Kaczensky aus Walzers Team hat die Verteilung der Wildesel in der Wüste Gobi untersucht und beobachtet, dass die Tiere heute nur dort vorkommen, wo die durchschnittliche Produktion von Biomasse unter 250 Gramm Kohlenstoff pro Quadratmeter und Jahr (gC/m2/Jahr) beträgt.

Früher waren die Tiere auch in produktiveren Gebieten zu finden, diese werden heute jedoch stark von Menschen genutzt, um ihre Tierherden weiden lassen. Die Wildesel werden von dort weggejagt oder sogar getötet, um Konkurrenz um Nahrung und Wasser vermeiden.

Aber auch die genügsamen Wildesel brauchen Futter und Wasser zum Überleben in Steppe und Wüste, deshalb können sie in Gegenden mit einer Biomasseproduktion unter 100 gC/m2/Jahr nicht überleben. Die Folge von alldem ist, dass die Tiere mehr und mehr in Lebensräume abgedrängt werden, in denen ihre Versorgung mit dem Lebensnotwendigsten kaum gesichert ist.

Weiterhin hohe Genvielfalt

Tiere, die in kargen Regionen leben, müssen nomadisch leben, um die knappen Ressourcen optimal nutzen zu können. Wildesel sind da keine Ausnahme. Walzers Team hat 20 Tiere mit Halsbandsendern bestückt und ihre Bewegungen verfolgt, bis die Sender wie geplant von den Tieren wieder abfielen. Die gewonnenen Daten zeigen, dass die Tiere lange Strecken zurücklegen und dabei bergige und hügelige Landstriche meiden.

Deshalb isolieren Berge in der Mongolei verschiedene Populationen von Wildeseln voneinander. Walzer konnte zeigen, dass durch diese Isolation bisher kein genetischer Flaschenhals entstanden ist, denn die Wildesel haben noch ein für Artenschutzmaßnahmen wertvolles hohes Maß an Vielfalt in ihren Genen, sowohl innerhalb einer Population als auch im Vergleich verschiedener Populationen untereinander.

Unüberwindliche Barrieren

Für Besorgnis sorgt aber die Tatsache, dass die Wildesel offenbar keine von Menschen gemachten Barrieren wie Bahngleise oder Grenzzäune überqueren können oder wollen. Die Gleise der Linie Ulan Bator-Peking beispielsweise machen etwa 17.000 Quadratkilometer Lebensraum für Wildesel nicht nutzbar, die Grenze zwischen China und der Mongolei trennt die Wildeselpopulationen auf beiden Seiten dauerhaft voneinander.

Die Tiere würden sicherlich von einer grenzüberschreitenden Strategie zum Artenschutz profitieren. Chris Walzer dazu: „Den Grenzzaun zumindest an einigen Stellen zu öffnen würde nicht nur den Wildeseln nützen, aber auch andere seltene Säugetiere wie Baktrische Kamele oder die wiederangesiedelten Przewalski-Pferde könnten davon profitieren.“

Der Artikel “Connectivity of the Asiatic wild ass population in the Mongolian Gobi” von Petra Kaczensky, Ralph Kuehn, Badamjav Lhagvasuren, Stephanie Pietsch, Weikang Yang und Chris Walzer wurde in der Zeitschrift “Biological Conservation“ veröffentlicht (Vol. 144, pp. 920-929).

Der wissenschaftliche Artikel im Volltext:
http://dx.doi.org/10.1016/j.biocon.2010.12.013



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Peter Swetly zum Ehrensenator der Vetmeduni Vienna ernannt; Bildquelle: Ernst Hammerschmid/Vetmeduni Vienna

Peter Swetly zum Ehrensenator der Vetmeduni Vienna ernannt

Im Rahmen der akademischen Feier am Freitag, 5. Oktober 2018, verlieh der Senat der Veterinärmedizinischen Universität Wien den Titel des Ehrensenators an Universitätsprofessor, Doktor Peter Swetly
Weiterlesen

Fruchtfliegen können als Reaktion auf eine heißere Umgebung ihren Stoffwechsel komplett und evolutionär gesehen schnell umstellen; Bildquelle: PopGen/Vetmeduni Vienna

Fruchtfliegen kontern Klimawandel durch Stoffwechselumstellung

Evolutionäre Auswirkungen einer durch den Klimawandel bedingten Temperaturerhöhung sind derzeit ein „hot topic“ der Evolutionsforschung
Weiterlesen

Seminar mit Celina del Amo

Heimtierkreis-Seminar: Hund ist nicht gleich Hund - individuelle Einflussnahme in der Hundehaltung und im Training

Der Heimtierkreis der Gesellschaft der Freunde der Veterinärmedizinischen Universität Wien lädt am 17. Oktober 2018 zum Seminar mit Celina del Amo ein
Weiterlesen

Wachtelzucht mit fremden Arten zur Wildpopulation-Aufstockung im Mittelmeerraum mag zwar ökonomischer sein, birgt aber das Risiko einer genetischen Durchmischung und des Verlusts typischer Merkmale; Bildquelle: Gianni Pola

Wild-Wachtelzucht (noch) frei von japanischen „Gen-Importen“ und ebenso erfolgreich

Wachteln werden im Mittelmeerraum als Delikatesse gerne gejagt und die Wildtierpopulation über Zuchtfarmen entsprechend aufgestockt.
Weiterlesen

Derrick Edward Award Preisträgerin 2018: Mykoplasmenexpertin Rohini Chopra-Dewasthaly vom Institut für Mikrobiologie; Bildquelle: Georg Mair/Vetmeduni Vienna

Mykoplasmenexpertin Rohini Chopra-Dewasthaly mit renommiertem Derrick Edward Award geehrt

Die International Organization for Mycoplasmology (IOM) zeichnete am 9. Juli 2018 Rohini Chopra-Dewasthaly vom Institut für Mikrobiologie der Vetmeduni Vienna mit dem renommierten Derrick Edward Awards aus
Weiterlesen

Veterinärmedizinische Universität Wien

11. Europäischer Veterinärvirologen-Kongress

Vom 27. bis 30. August 2018 findet an der Veterinärmedizinischen Universität Wien der 11. Europäische Veterinärvirologen-Kongress statt
Weiterlesen

Schweine können sich anhand von bestimmten Merkmalen, wie Nase oder Mund, unser Gesicht einprägen.; Bildquelle: Messerli Forschungsinstitut/Vetmeduni Vienna

Schweine bilden ein visuelles Konzept menschlicher Gesichter

Entgegen bisheriger Tests scheinen Schweine doch über eine bessere visuelle Wahrnehmung zu verfügen als angenommen
Weiterlesen

Tierheim-Tagung: Tierschutz auf wissenschaftlicher Grundlage

Tierheim-Tagung: Tierschutz auf wissenschaftlicher Grundlage

Das Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Vetmeduni Vienna lädt am 20. Oktober 2018 zur Tierheim-Tagung ein
Weiterlesen

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)

Tod und Trauer ums Tier: Erzählen Sie Ihre Geschichte!

TiHo-Studie beleuchtet Erfahrungen und den Umgang mit dem Tod von Haustieren. Teilnahme möglich!
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen