Bären im Winterschlaf: Sorge um den Bestand bleibt

(25.11.2007) Im Sommer 2007, also vor wenigen Monaten, startete eine gemeinsame Initiative des Forschungsinstitutes für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW), des Bundeskriminalamtes, des NÖ Landesjagdverbandes und des WWF, welche dem in den letzten Jahren rapide geschrumpften österreichischen Braunbärenbestand in den nördlichen Kalkalpen entgegenwirken und die Ursachen des Bärenschwundes aufdecken soll. Jetzt ziehen die Experten eine erste Bilanz.

Am Ende des heurigen Bärenjahres bilanzieren das FIWI und der WWF über die Situation der Alpenbären: „Wir freuen uns, dass 2007 wieder mehrere Braunbären aus dem italienischen Trentino nordwärts nach Südtirol, in die Schweiz und bis an die Grenze Tirols gewandert sind“.

Doch die Lage der angestammten heimischen Bären hat sich 2007 weiter dramatisch verschlechtert: Mit nur noch höchstens vier Exemplaren in den Nördlichen Kalkalpen und einigen slowenischen „Grenzgängern“ in Kärnten stehen die Bären in Österreich unmittelbar vor dem Aussterben.

Bärenanwalt Dr. Georg Rauer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde befasst sich intensiv mit dem Thema Bärenschwund und stellt fest: „Das Gebot der Stunde ist es, die wenigen verbliebenen Bären in den Nördlichen Kalkalpen mit einem Sendehalsband auszustatten.

Auf diese Weise können wir unsere Schützlinge besser erforschen und überwachen“, erklärt der Bärenanwalt. Derzeit bereiten sich die Bären im Alpenraum auf ihre Winterruhe vor. Die kalte Jahreszeit verbringen sie meist in Höhlen, die sie zwischendurch immer wieder für kleine Ausflüge verlassen.

Nur noch 38 Tiere gibt es derzeit in den Ostalpen – viel zu wenig für ein langfristiges Überleben. Ein vom WWF, dem Forschungsinstitut für Wildtierkunde und der Universität Freiburg 2007 vorgelegter Statusbericht zeigt jedoch, dass für die Bären in Österreich, Bayern, Italien, sowie Teilen der Schweiz und Sloweniens genügend geeigneter Lebensraum vorhanden wäre.

In den slowenischen Alpen leben rund acht bis zehn großteils männliche Bären, die auch über die Kärntner Grenze wandern. In Österreich konnten heuer in den Nördlichen Kalkalpen nur noch drei bis vier Bären wissenschaftlich nachgewiesen werden. Etwa 20 Bären sind in den letzten Jahren auf bisher ungeklärte Weise verschwunden – sogar illegale Entnahmen können nicht ausgeschlossen werden.

Einzig im italienischen Trentino existiert nach gezielten Schutzmaßnahmen eine wachsende, jedoch derzeit noch nicht langfristig gesicherte Population von 25 Tieren im und rund um den Adamello-Brenta Naturpark.

Entscheidend für das Überleben einer gesunden Bärenpopulation im Alpenraum ist die Förderung ihrer natürlichen Wanderbewegungen, damit der genetische Austausch der einzelnen Bärengruppen wieder hergestellt werden kann.

Weiters gilt es, den mit 300 bis 700 Tieren vergleichsweise hohen Bestand in den südlich der Alpen gelegenen Gebieten Sloweniens zu sichern. Deshalb sucht der WWF Länder übergreifend die Zusammenarbeit mit Naturschützern, Wissenschaftlern, Behörden und Interessensvertretungen.

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