Einsatz von Breitbandantibiotika bei Milchkühen sollte weiter sinken

(21.11.2016) Eine Studie des Institut für Öffentliches Veterinärwesen der Vetmeduni Vienna zeigte Anfang des Jahres, dass Milchrinder zwar seltener mit Antibiotika behandelt werden als Schweine und Geflügel.

Breitbandantibiotika wie Cephalosporine sollten allerdings, um Resistenzen vorzubeugen, noch mehr reduziert werdenda sie zur Behandlung schwerer bakterieller Infektionen beim Menschen unverzichtbar sind.

Die Studie wurde in der Berliner und Münchner Tierärztlichen Wochenschrift veröffentlicht.


Auch wenn Antibiotika bei Milchkühen seltener eingesetzt werden, gilt es den Einsatz von Breitbandantibiotika, die auch in der Humanmedizin eine wichtige Rolle spielen, noch mehr zu reduzieren

Antibiotika sind besonders wertvolle Wirkstoffe zur Behandlung von Infektionen in der Human- und Tiermedizin. Jeder Einsatz von Antibiotika birgt allerdings das Risiko, dass Bakterien Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln oder resistente Keime sich ausbreiten. Infektionen mit resistenten Keimen können schwer therapierbar sein.

Bestimmte Breitbandantibiotika wie Makrolide, Fluorchinolone und Cephalosporinen sind in der Humanmedizin unverzichtbar.

Für diese Wirkstoffe, von der Weltgesundheitsorganisation (WHO, World Health Organisation) als Highest Priority Critically Important Antimicrobials (HPCIAs) bezeichnet, gibt es kaum Ersatztherapien. Durch tierische Lebensmittel wie Fleisch und Milch können resistente Keime vom Tier auf den Menschen übertragen werden.

Speziell diese Antibiotika sollten daher im Veterinärbereich nur in Einzelfällen, nach genauer Diagnose und unter strengen Vorgaben eingesetzt werden.

Pilotstudie über Antibiotikatherapien von Milchkühen in Österreich

Ein wesentlicher Beitrag zur Bekämpfung von Resistenzen bei bakteriellen Krankheitserregern ist die Erfassung der eingesetzten Antibiotikamengen.

Für den veterinärmedizinischen Bereich veröffentlichte in 2016 das Institut für Öffentliches Veterinärwesen der Vetmeduni Vienna eine Studie zum Einsatz von Antibiotika in der Milchkuhhaltung.

Insgesamt gingen in die Studie 8.027 Datensätze über die Verwendung von Antibiotika in 465 österreichischen Milchviehbetrieben in den Jahren 2008 bis 2010 ein.

Die Forschenden bestimmten die Menge der eingesetzten antimikrobiellen Stoffe und rechneten die eingesetzte Dosis pro Rind und Jahr statistisch hoch.

Ein besonderer Fokus lag dabei auf dem Einsatz der HPCIAs, also der Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Humangesundheit.

Milchrinder seltener mit Antibiotika behandelt als Schweine und Geflügel: Verbesserung trotzdem möglich

Es zeigte sich, dass Milchkühe im Vergleich zu Geflügel und Schweinen seltener mit Antibiotika therapiert werden. Allerdings entfallen rund 25 Prozent der eingesetzten Antibiotikadosen auf HPCIA´s, insbesondere auf Cephalosporine. „Der Einsatz von Cephalosporinen hat allerdings auch einen wirtschaftlichen Hintergrund“, erklärt Erstautor Walter Obritzhauser.

„Milch von Kühen, die mit Antibiotika behandelt wurden, darf für eine bestimmte Zeit nicht als Lebensmittel verwendet werden.“ Die Länge dieser sogenannten Wartefrist hängt vom Abbau des Wirkstoffes im Körper der Kuh ab.

Je schneller ein Medikament abgebaut wird, desto kürzer ist die Sperrfrist und desto geringer ist der wirtschaftliche Verlust für Landwirtinnen und Landwirte.

Ausgewählte Arzneimittel mit Cephalosporinen erfordern sehr kurze Wartefristen und werden daher häufig für die Behandlung von Atemwegs- und Klauenerkrankungen, sowie für Infektionen des Euters von Milchkühen eingesetzt.

Das Ergebnis der Studie soll dazu beitragen, den Einsatz von Antibiotika und im Speziellen der HPCIAs kritisch zu beurteilen.

Der verantwortungsvolle Einsatz von Antibiotika hilft, der Entwicklung und Ausbreitung resistenter Keime vorzubeugen.

Gemeinsames Verständnis wichtig

„Das Institut für Öffentliches Veterinärwesen der Vetmeduni Vienna ist bemüht, nicht nur Studentinnen und Studenten, sondern auch praktizierende Tierärztinnen und Tierärzte, sowie die Öffentlichkeit mit ihren Forschungsergebnissen zu sensibilisieren“, erklärt Annemarie Käsbohrer, Professorin und Leiterin des Instituts.

„Das gegenseitige Verständnis muss auf- und ausgebaut werden. Dann kann man in den verschiedenen Verantwortungsbereichen Maßnahmen zur Reduktion von Antibiotikagaben und zur Bekämpfung resistenter Keime vereinbaren und umsetzen.“

Publikation

Der Artikel „Antimicrobial drug use on Austrian dairy farms with special consideration of the use of “highest priority critically important antimicrobials”“ von Walter Obritzhauser, Martine Trauffler, Johannes Raith, Ian Kopacka, Klemens Fuchs und Josef Köfer wurde im Journal Berliner und Münchner Tierärztliche Wochenschrift veröffentlicht.




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