Neue Diagnosemethode für Kryptosporidiose bei Reptilien

(01.06.2011) Was beim Menschen in den allermeisten Fällen wenig spektakulär verläuft, ist für Reptilien hochgefährlich


Leopardgecko; Bildquelle: Wikipedia/Kerstin Franke
Leopardgecko
Eine durch Parasiten ausgelöste Entzündung des Verdauungstrakts ist die Kryptosporidiose. Sie ist bei diesen Tieren hoch ansteckend und verläuft oft tödlich. Eine Infektion der Tiere früh zu erkennen, ist schwer.


Forschende an der Vetmeduni Vienna haben nun eine auf Genanalysen aufbauende Methode entwickelt, mit der die Diagnose der Kryptosporidiose bei Reptilien früher und viel genauer möglich ist. Die Arbeit wurde in der Zeitschrift „Journal of Veterinary Diagnostic Investigation“ veröffentlicht.

Obwohl die Kryptosporidiose schon seit mehr als hundert Jahren bekannt ist, nahm man lange an, dass sie eine äußerst seltene Krankheit sei.

Erst mit der Entdeckung, dass sie auch Menschen betreffen und besonders bei Personen mit geschwächtem Immunsystem auch problematisch verlaufen kann, bekam die Kryptosporidiose breitere Aufmerksamkeit.

Die Krankheit wird von einem einzelligen Parasiten verursacht, der zur Familie der Kryptosporidia gehört. Einige ihrer Vertreter infizieren auch Reptilien, die nach einer unterschiedlich langen Inkubationszeit bei sonst gesund erscheinenden Tieren Erkrankungen des Verdauungstrakts auslösen.

Bei Reptilien verläuft die Kryptosporidiose chronisch und ist unheilbar. Um Infektionsraten niedrig zu halten, werden verlässliche Diagnosetechniken gebraucht.

Parasiten an den Genen erkennen

Die Krankheit wird über den Nachweis des Parasiten im Reptilienkot diagnostiziert. Schwierig wird die Sache dadurch, dass besonders Schlangen auch Parasiten ausscheiden, die sie zuvor mit ihren Beutetieren aufgenommen haben. Deshalb lässt sich auch bei Nachweis von Kryptosporidien im Kot nicht sagen, ob die Tiere auch tatsächlich mit der für sie gefährlichen Parasitenart infiziert sind.

Es ist deshalb wichtig, zwischen den Parasiten der Schlangen und denen ihrer Beutetiere unterscheiden zu können.

Barbara Richter und ihre Kolleginnen und Kollegen vom Institut für Pathologie und Gerichtliche Veterinärmedizin der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben eine auf DNA-Analysen basierende Methode entwickelt, die nicht nur Kryptosporidien allgemein nachweist, sondern auch zwischen den spezifischen Parasitenarten von Reptilien und Säugetieren unterscheiden kann.

Sehr hohe Ansteckungsgefahr

Mit dem neuen Test konnte Richter erstmals zeigen, dass eine von sechs der als Haustiere beliebten Kornnattern und einer von zwölf  eine bestimmte, für die Tiere gefährliche Kryptosporidienart in sich tragen.

Diese Zahlen sind weit höher als bisher vermutet und lassen auf eine weite Verbreitung des Erregers bei bestimmten Reptilienarten schließen, die als Haustiere gehalten werden. Kornnattern scheinen besonders häufig infiziert zu sein. Leopardgeckos tragen verschiedene Arten von Kryptosporidien.

Auch wenn diese Tiere möglicherweise nicht selbst erkranken, können sie doch andere Reptilienarten anstecken, mit denen sie in Kontakt kommen. Viele Reptilienfreunde halten mehrere Arten in Gemeinschaft, deshalb besteht ein hohes Ansteckungsrisiko zwischen den einzelnen Reptilienarten.

Regelmäßige Tests nötig

Das neue Diagnoseverfahren ermöglicht eine frühe und präzise Bestimmung von Kryptosporidien bei Echsen und Schlangen, noch bevor die Tiere Krankheitssymptome zeigen.

Dennoch mahnt Pathologin Richter zur Vorsicht: „Ein weiteres Problem ist, dass Kryptosporidien im Tierkot oft nur in sehr kleinen Mengen vorkommen, so dass man sie nur schwer nachweisen kann. Wir arbeiten daran, unsere Methode noch empfindlicher zu machen, man sollte die Tiere aber regelmäßig testen. Ein einzelner negativer Test bedeutet nicht, dass das Tier sicher frei von Parasiten ist.“

Der Artikel “Detection of Cryptosporidium species in feces or gastric contents from snakes and lizards as determined by polymerase chain reaction analysis and partial sequencing of the 18S ribosomal RNA gene” von Barbara Richter, Nora Nedorost, Anton Maderner und Herbert Weissenböck wurde in der Maiausgabe 2011 der Zeitschrift “Journal of Veterinary Diagnostic Investigation” (Vol. 23 pp. 430–435) veröffentlicht.

Link: Artikel im Volltext


Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Megachirella-Probe; Bildquelle: MUSE – Museum für Wissenschaft

Ursprung von Eidechsen und Schlangen muss 75 Millionen Jahre rückdatiert werden

Aufgrund eines Fossils, das in den Dolomiten (Naturpark Fanes-Sennes-Prags, Trentino-Südtirol) gefunden wurde, schreiben internationale Forschungsergebnisse die Geschichte der Reptilien neu
Weiterlesen

An dem fossilen Waran wurde ein viertes Auge entdeckt.; Bildquelle: A. Lachmann / Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung / Digimorph.org .

Mit dem Vierten sieht man besser: Vieräugiges fossiles Reptil entdeckt

Senckenberg-Wissenschaftler haben mit einem internationalen Team den Nachweis für eine vieräugige Echse erbracht
Weiterlesen

Der Tokeh kann seine Rufe an sich ändernde Umweltbedingungen anpassen kann, wie man es von den komplexen Kommunikationssystemen von Vögeln und Säugetieren kennt; Bildquelle: Henrik Brumm/Max-Planck-Institut für Ornithologie

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

Zum ersten Mal wurde bei einem Reptil gezeigt, dass es seine Rufe an sich ändernde Umweltbedingungen anpassen kann, wie man es von den komplexen Kommunikationssystemen von Vögeln und Säugetieren kennt
Weiterlesen

Die gehörnte Agame Ceratophora stoddartii, die nur auf Sri Lanka anzutreffen ist, steht nicht auf der CITES-Liste bedrohter Arten und wird paarweise für ca. 1200 Euro angeboten; Bildquelle: Ruchira Somaweera

Tierhandel gefährdet Überleben seltener Reptilien-Arten

Reptilien sind äußerst beliebte Haustiere, der Handel boomt. Zwischen 2004 und 2014 hat die EU offiziell fast 21 Millionen lebende Exemplare importiert, mehr als sechs Millionen davon sind auf dem deutschen Markt gelandet
Weiterlesen

Kann sich auch außerhalb des Mittelmeerraumes vermehren: Trachemys scripta; Bildquelle: Senckenberg/Vamberger

Invasive Rotwangenschmuck-Schildkröte macht sich breit

Wissenschaftler des Senckenberg-Forschungsinstitutes in Dresden haben mit genetischen Methoden herausgefunden, dass sich die in Europa eingeschleppte Rotwangenschmuck-Schildkröte auch außerhalb des Mittelmeerraumes vermehrt
Weiterlesen

Schlangenembryo mit spiralförmigem Schwanzende; Bildquelle: Patrick Tschopp, Harvard Medical School

Externe Genitalien sind – wie Arme und Beine – ein Resultat der Anpassung an den terrestrischen Lebensraum.

Nun zeigt eine vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Untersuchung an Schlangen, Eidechsen und Mäusen, warum sich die embryonale Entwicklung von Geschlechtsteilen und Hinterbeinen gleicht
Weiterlesen

Nationale Forschungsplattform für Zoonosen

Salmonellengefahr durch Reptilien

Bei dem wissenschaftlichen Workshop „Heimtiere und Zoonosen“, der am 8. und 9. Mai 2014 in Leipzig stattfand, forderten Wissenschaftler mehr Forschung und Aufklärung über Gesundheitsrisiken durch Heimtiere
Weiterlesen

Thelma and Louise - the two-headed turtle; Bildquelle: San Antonio Zoo

Thelma and Louise - the two-headed turtle born at the San Antonio Zoo

The San Antonio Zoo is excited to announce a very special arrival. A two-headed (bicephalic) Texas cooter named “Thelma and Louise!” Thelma and Louise were part of a quartet of Texas cooters hatched at the Zoo on June 18, 2013
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen