Elise-Richter-Stipendium geht an Forscherin der Vetmeduni Vienna

(13.12.2010) Im Rahmen des Senior-Postdoc-Programms „Elise Richter“ des Wissenschaftsfonds FWF bekam Dr. Teresa Valencak Fördermittel in der Höhe von 240.000 Euro für ihre Forschungsarbeit zugesprochen.



Dr. Teresa Valencak
Vier Jahre nach der Einführung des Elise-Richter-Stipendiums erhielt nun zum zweiten Mal einer Wissenschaftlerin der Vetmeduni Vienna diese prestigeträchtige, zweimal jährlich vergebene Forschungsfinanzierung.


Für die Tierphysiologin Teresa Valencak stellt die Zuerkennung des Elise-Richter-Stipendiums die zweite Stufe auf dem Weg zur Habilitation dar.

Der Österreichische Wissenschaftsfonds FWF, der mit Mitteln des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung ausgestattet wird, fördert  mit diesem Programm hervorragend qualifizierte Wissenschaftlerinnen, die eine Universitätslaufbahn anstreben. Ziel des Elise-Richter-Programms ist eine Habilitation und somit die Qualifikation für eine in- oder ausländische Professur.

In ihren Forschungsprojekten der nächsten Jahre wird Dr. Valencak am Beispiel der Ames-Zwergmaus untersuchen, welche Bedeutung die Zusammensetzung von Zellmembranen bei Säugetieren für die Regulation der Körpertemperatur hat.

Außerdem wird sie in einer Kooperation mit schottischen Kollegen in Aberdeen testen, ob Muttertiere bei der Jungenaufzucht, also dann, wenn ihre Körpertemperatur sich durch die Anstrengungen messbar erhöht, tatsächlich erhöhtem oxidativem Stress ausgesetzt sind.

Körpertemperatur als Energiefresser

Der Energiestoffwechsel beeinflusst den Alterungsprozess, so viel steht heute fest. Welche Rolle dabei die Regulation der Körpertemperatur sowie die Zusammensetzung der Membranfettsäuren spielen, soll im Elise-Richter-Projekt von Teresa Valencak geklärt werden.

In den vergangenen 3 Jahren forschte sie über die Rolle von entkoppelter Atmung in den Mitochondrien auf den Stoffwechsel und die Lebensspanne. Niedrigere Umgebungstemperaturen bei der Jungenaufzucht bescheren dem Muttertier vermutlich ein längeres Leben.

Valencak hatte in den Jahren zuvor Feldhasenmütter während der Jungenaufzucht intensiv beforscht und Gründe dafür gesucht, warum Muttertiere bei großer Wurfgröße an eine Grenze ihrer Stoffwechselleistung stoßen. Eine schottische Arbeitsgruppe in Aberdeen hat parallel dazu an Labormäusen herausgefunden, dass das Stoffwechsellimit durch eine erhöhte Körpertemperatur der Mutter festgesetzt wird.

Mäuse- und Hasenmütter müssen daher, während der Zeit in der sie ihre Jungen säugen, ihre Körpertemperatur noch feiner regulieren, um ihre Energie effizient einzusetzen. Tun sie dies nicht, könnte es sein, dass sie vermehrt schädliche Sauerstoffradikale produzieren, die wiederum ihre Gesundheit und damit ihre Lebensspanne beeinflussen könnten.

Lassen Omega-3-Fettsäuren Mäuse schneller altern?

Ein weiteres sehr wichtiges Thema der Forschungsarbeiten Valencak ist es, die Bedeutung der Membranfettsäuren für den Stoffwechsel von Säugetieren zu bestimmen.

Seit ihrer Dissertation geht sie diesen Zusammenhängen nach und hat dabei herausgefunden, dass die genaue Zusammensetzung von Fettsäuren der Gewebe nicht nur in Zusammenhang mit Kälteanpassung und Muskelfunktion steht, sondern auch einen Bezug zur Lebenserwartung einer Art hat.

So enthalten die Membranen eher kurzlebiger Säugetiere wie Mäuse einen verhältnismäßig hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, während besonders langlebige Kleinsäugetiere wie Nacktmulle einen niedrigen Anteil an Omega-3-, dafür aber viel Omega-6-Fettsäuren in ihren Geweben aufweisen. Welche Rolle diese mehrfach ungesättigten Fettsäuren nun auf den Stoffwechsel und die Lebensspanne haben, soll in den nächsten Jahren weiterhin intensiv beforscht werden.

Schon das zweite große FWF-Stipendium für Valencak

Dr. Valencak hatte bereits 2007 das FWF-Postdoktoratsstipendium „Hertha Firnberg“ für ihre Forschungen im Bereich Stoffwechselphysiologie erhalten. Sie publiziert sehr erfolgreich in den Zeitschriften Journal of Experimental Biology, Journal of Comparative Physiology B sowie Aging Cell und wurde 2009 mit der President's Medal der Society of Experimental Biologists ausgezeichnet.

Link: Forschungswebsite von Dr. Valencak am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna

Artikel kommentieren

Die Nachzügler wachsen schneller, legen doppelt so schnell Fett an und haben eine höhere Fortpflanzungsrate nach dem ersten Winterschlaf; Bildquelle: Sylvain Giroud

„Winterschläfer-Nachzügler“ wachsen schneller, vertrauen auf Powernapping und haben mehr Sex

Junge Winterschläfer müssen viel Energie in das Wachstum und den Fettaufbau vor dem ersten Winter investieren. Nachzügler könnten dabei einen zeitlichen Nachteil haben
Weiterlesen

In der Biomimetik versucht man Vorgänge in der Natur, etwa warum Bären nicht an chronischer Nierenkrankheit erkranken, zu entschlüsseln und für die Medizin nutzbar zu machen; Bildquelle: Georg Rauer

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

Bewährte Strategien der Natur nachzuahmen und damit Lösungen für menschliche Herausforderungen zu suchen, macht Biomimetik zu einem innovativen Ansatz
Weiterlesen

In vom Menschen erschlossenen Gebieten wandern Säugetiere anders, als in naturbelassenen Gebieten; Bildquelle: Petra Kaczensky

Säugetiere legen in der Kulturlandschaft kürzere Strecken zurück

Im Durchschnitt gehen Säugetiere in stark vom Menschen veränderten Landschaften zwei- bis dreimal kürzere Strecken als in naturnahen, oder Wildnisgebieten
Weiterlesen

Die langlebigen Nager setzen auf stets verfügbare Nahrung in Gebieten mit mehr Nadelbäumen und einzelnen Buchen; Bildquelle: Jessica Cornils/Vetmeduni Vienna

Siebenschläfer: Kein Gebietswechsel für mehr Bucheckern, lieber sesshaft und gut versorgt

Nagetiere wie der Siebenschläfer brauchen energiereiche Baumsamen zum Fortpflanzen und als Jungtier um Fettreserven für den ersten Winterschlaf aufzubauen
Weiterlesen

Vetmeduni Vienna

Winterschlaf wird durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren beeinflusst

Die Dauer von Winterschlafperioden bei Tieren wird durch die Menge an mehrfach ungesättigten Fettsäuren beeinflusst, die sie mit der Nahrung aufnehmen
Weiterlesen

Eine Hirschkuh frisst an der Futterstation; Bildquelle: Manuela Habe/Vetmeduni Vienna

Rothirsche fressen im Winter weniger als im Sommer, verwerten Nahrung aber besser

Im Winter ist das Nahrungsangebot für Pflanzenfresser in unseren Breiten geringer und qualitativ schlechter. Wie Rothirsche mit diesen extremen Bedingungen umgehen, wurde am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Vetmeduni Vienna in Zusammenarbeit mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersucht
Weiterlesen

Die in Südostasien lebenden Zwergloris halten regelmäßig Winterschlaf; Bildquelle: Tilo Nadler

Erstmals winterschlafende Primatenart außerhalb Madagaskars entdeckt

Drei Lemurenarten auf Madagaskar waren bislang die einzig bekannten Primaten, die Winterschlaf halten. Forschende der Vetmeduni Vienna und des zeigten nun erstmals, dass eine in Vietnam, Kambodscha, Laos und China lebende Primatenart, die sogenannten Zwergloris, ebenso  den Winterschlaf nutzen, um Energie zu sparen
Weiterlesen

Das gefundene Bakterium wird möglicherweise von Zecken übertragen; Bildquelle: Philipp Berger/Vetmeduni Vienna

Neues, vermutlich von Zecken übertragbares Bakterium, in österreichischem Fuchs entdeckt

Zecken übertragen verschiedene Krankheiten auf den Menschen, aber auch auf Tiere. Einige bekannte Krankheiten sind beispielsweise FSME und Borreliose. ForscherInnen der Vetmeduni Vienna sind den Krankheitserregern, die von Zecken übertragen werden, auf der Spur
Weiterlesen

Wissenschaft

International

Neuerscheinungen