Zusätzliche Fettreserven helfen Siebenschläfern ihren Winterschlaf zu optimieren

(22.10.2013) Siebenschläfer können sich über den Sommer beachtliche Mengen an Bauchspeck anfressen. Den brauchen sie auch, denn während sie in Erdlöchern vergraben sind, gibt es für die Tiere nichts zu fressen.

Wissenschafter  vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna entdeckten, dass fettere Siebenschläfer ihre Energie für häufige Aufwachphasen nutzen und so öfter ihren Stoffwechsel ankurbeln als dünnere Artgenossen.

Damit schützen sie ihren Körper vor Kälteschäden. Ein langer Winterschlaf stellt auch ein gutes Versteck vor Fressfeinden dar. Die aktuellen Forschungsergebnisse sind im Journal Functional Ecology nachzulesen.


Dicke Siebenschläfer sind während dem Winterschlaf fitter als dünne

Obwohl ihr Name vermuten lässt, dass sie sieben Monate des Jahres schlafen, ruhen die Siebenschläfer (Glis glis) im Durchschnitt sogar acht Monate lang. Jetzt, wenn der Wald bunt wird und die Temperaturen fallen, haben Siebenschläfer bereits ihre Winterquartiere bezogen.

Während des Winterschlafs begeben sich Siebenschläfer in sogenannte Torporphasen, in denen sie ihre Stoffwechselrate stark verringern,  die Körpertemperatur senken und so der Umgebungstemperatur anpassen.

Unterbrochen werden diese Torporphasen aber alle paar Wochen für mehrere Stunden. Während dieser kurzen Aufwachphasen (Arousals) bringen sie ihren Stoffwechsel wieder in Gang und kehren zu einer normalen Körpertemperatur zurück.

Dabei werden die Tiere nicht wirklich wach und bleiben in ihrem Winterschlafquartier. Arousals treten bei allen winterschlafenden Säugetieren auf und sind die Hauptursache für Energieaufwand und Fettverbrennung während des Winterschlafs.

Erstautorin Claudia Bieber erklärt: „Wir vermuten, dass diese Phasen der periodischen Wiedererwärmung dazu dienen, den Körper vor Schäden zu schützen. Der verlangsamte Stoffwechsel und die niedrige Körpertemperatur schwächen beispielsweise das  Immunsystem der Tiere.“

Fettreserven werden für Aufwachphasen genutzt

Bislang war nicht bekannt, wie Siebenschläfer das angefressene Übergewicht für den Winterschlaf verwenden.

Wildtierökologin Bieber und Kollegen der Vetmeduni Vienna haben gemeinsam mit Fritz Geiser von der University of New England kontinuierlich die Körpertemperatur von 42 Siebenschläfern über den gesamten Winterschlaf gemessen.

Sie fanden heraus, dass die Tiere ihre extra Fettreserven für häufigere Aufwachphasen verwenden. So kurbeln sie öfter ihren Stoffwechsel an als dünnere Tiere und verbringen mehr Zeit bei normaler Körpertemperatur.

Das angefressene Fettpolster schützt also vor Belastungen im Winterschlaf. Durchschnittlich war die Körpertemperatur der fetteren Tiere währen des Winterschlafes höher.

Schlafend sind die Tiere vor Feinden geschützt

Die untersuchten Tiere erwachten erst im Hochsommer aus dem Winterschlaf. Die hohen Temperaturen hätten es den Siebenschläfern aber längst erlaubt, wieder aus dem Ruhezustand zu erwachen.

Die Forscher sprechen von einem vorteilhaften „Nebeneffekt“  für die Tiere: „Gut versteckt unter der Erde entgehen die Tiere ihren Fressfeinden und können so  ihr Überleben sichern.

Solange die Siebenschläfer sich also nicht auf Partnersuche für die Reproduktion begeben müssen, sind sie besser in ihrem unterirdischen Versteck aufgehoben“, so Wildtierökologin Bieber. Die Dauer des Winterschlafs hängt also nicht nur von klimatischen Umweltbedingungen ab.

„Alleine durch Klimaveränderungen wird sich das Winterschlafverhalten der Tiere also nicht vorhersagen lassen“, schlussfolgert Bieber.

Der Artikel “Body mass dependent use of hibernation: Why not prolong the active season, if they can?“, von Claudia Bieber, Karin Lebl, Gabrielle Stalder, Fritz Geiser, und Thomas Ruf wurde am 15. Oktober in der Zeitschrift Functional Ecology veröffentlicht.  http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2435.12173/abstract



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Die Nachzügler wachsen schneller, legen doppelt so schnell Fett an und haben eine höhere Fortpflanzungsrate nach dem ersten Winterschlaf; Bildquelle: Sylvain Giroud

„Winterschläfer-Nachzügler“ wachsen schneller, vertrauen auf Powernapping und haben mehr Sex

Junge Winterschläfer müssen viel Energie in das Wachstum und den Fettaufbau vor dem ersten Winter investieren. Nachzügler könnten dabei einen zeitlichen Nachteil haben
Weiterlesen

Deutsche Wildtier Stiftung

Neueste Forschungsergebnisse zum Winterschlaf der Igel

Wenn Großstadt-Igel von Immobilien träumen, gehören ein ruhiger Garten mit Obstbäumen oder eine weitläufige Parkanlage dazu. Doch in Hamburg, München, Frankfurt, Köln und Berlin sieht der Wohnungsmarkt für stachelige Städter weniger romantisch aus
Weiterlesen

Vetmeduni Vienna

Winterschlaf wird durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren beeinflusst

Die Dauer von Winterschlafperioden bei Tieren wird durch die Menge an mehrfach ungesättigten Fettsäuren beeinflusst, die sie mit der Nahrung aufnehmen
Weiterlesen

Die in Südostasien lebenden Zwergloris halten regelmäßig Winterschlaf; Bildquelle: Tilo Nadler

Erstmals winterschlafende Primatenart außerhalb Madagaskars entdeckt

Drei Lemurenarten auf Madagaskar waren bislang die einzig bekannten Primaten, die Winterschlaf halten. Forschende der Vetmeduni Vienna und des zeigten nun erstmals, dass eine in Vietnam, Kambodscha, Laos und China lebende Primatenart, die sogenannten Zwergloris, ebenso  den Winterschlaf nutzen, um Energie zu sparen
Weiterlesen

Siebenschläfer (Glis glis) im Baum; Bildquelle: Claudia Bieber/Vetmeduni Vienna

Für einige Siebenschläfer beginnt der Winterschlaf bereits im Sommer

Der Winterschlaf beschränkt sich nicht nur auf die Wintermonate. WildtierökologInnen der Vetmeduni Vienna haben nun erstmals gezeigt, dass der Winterschlaf beim Siebenschläfer bereits im Juni und Juli beginnen kann
Weiterlesen

Der Gartenschläfer gehört zur Familie der Bilche, ist in Europa heimisch und lebt überwiegend im Wald; Bildquelle: Stefan Stumpfel / Vetmeduni Vienna

Torpor und Winterschlafphasen

Für winterschlafende Tiere bricht in diesen Tagen ein Wettstreit mit der Zeit an. Sie müssen genügend Fettreserven ansammeln, um den Winter schlafend, also ohne zu fressen, zu überstehen
Weiterlesen

An der 3-D Struktur des Proteins UCP1 können Bindungsstellen für Moleküle gefunden werden; Bildquelle: Elena Pohl / Vetmeduni Vienna

Forscher steuern Protein zur Wärmeerzeugung und Fettverbrennung im Körper

Wärme wird durch Muskelbewegung erzeugt. Es gibt jedoch noch eine zweite Möglichkeit. Ein Protein im braunen Fettgewebe ermöglicht Wärmeerzeugung, auch ohne Muskelaktivität. Das so genannte UCP1 ermöglicht Babies und winterschlafenden Tieren sich ohne Zittern warm zu halten
Weiterlesen

Winterstarre bei Europäischen Landschildkröten

Winterstarre bei Europäischen Landschildkröten

Naturnahe Vorbereitung und erfolgreiche Überwinterung - von Thorsten Geier
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen