Plötzliches Gämsensterben in Österreich aufgeklärt

(17.05.2014) Im Frühjahr 2010 starben im Norden Österreichs 30 Prozent der dort angesiedelten Gämsen. Die Todesursache war unklar. Beunruhigte Jäger und Forstwirte sandten gefundene Tierkadaver zur Obduktion an die Wildtierpathologie der Vetmeduni Vienna. Umfangreiche Untersuchungen ergaben, dass die Tiere an einer bakteriellen Lungenentzündung verstorben waren.

Die Ursache waren zwei, bisher bei Gämsen unübliche, Bakterienstämme. Die Ergebnisse wurden vor kurzem im Journal Wildlife Diseases veröffentlicht.

Gämsen (Rupicapra rupicapra) teilen ihren Lebensraum mit unterschiedlichen Wildtieren und auch mit Nutztieren. Werden erkrankte oder gar verstorbene Tiere von JägerInnen oder ForstwirtInnen entdeckt, ist die Aufklärung der Krankheits- oder Todesursache wichtig, da das Risiko einer Übertragung zwischen verschiedenen Tierarten besteht.


Den Tod der Gämsen verursachten zwei verschiedene Bakterienstämme

Das Pathologische Labor am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie hat sich auf solche Fälle spezialisiert.

Schwere Lungenentzündung als Todesursache

19 der verstorbenen Tiere aus der Region Amstetten, Lilienfeld und Salzburg wurden untersucht. Die Forschenden obduzierten die Tiere, analysierten verschiedene Gewebe und suchten nach Bakterien, Viren oder Parasiten in den Kadavern. Die umfangreichen Analysen ergaben, dass die Tiere an einer massiven Lungenentzündung verstorben waren.

Zwei Bakterienstämme als Verursacher

Die Ursache der schwerwiegenden Entzündung waren Bakterien mit den klingenden Namen Mannheimia glucosida und Bibersteinia trehalosi. Bislang wurden diese Bakterien in Rindern und Schafen nachgewiesen.

Dass diese Keime bei Gämsen tödliche Lungenentzündungen mit Seuchencharakter auslösen können, war den ExpertInnen bisher nicht bekannt. „Wildtiere dürfen nicht medizinisch behandelt werden.

Deshalb gibt es nur wenige Möglichkeiten, den seuchenartigen Verlauf einzubremsen“, erklärt Annika Posautz vom Pathologie-Team des Forschungsinstitutes. „Man kann beispielsweise die Verwendung von Salzlecksteinen vermeiden.“

Seit dem Jahr 2010 ist kein akutes Gämsenmassensterben mehr aufgetreten. Die Forscherin Posautz erklärt, warum die Bakterienstämme gerade damals so viel anrichten konnten: „Es war wahrscheinlich ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Der Winter war sehr hart und die Tiere litten unter Parasitenbefall. Beides schwächt das Immunsystem der Tiere und führte wahrscheinlich zu den fatalen Sterbefällen.“

Auch Haustierbestände sind bedroht

Gämsen kommen in den Alpen auch mit Haustierarten wie Rindern und Schafen, die auf den Almen weiden, in Kontakt. Weil Krankheitserreger zwischen Haus- und Wildtieren übertragen werden können, sind auch Haustierbestände von solchen Ausbrüchen bedroht.

Die Wildtierforscherin Posautz setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit JägerInnen und ForstwirtInnen. Ein verstärktes Monitoring, also genaues und flächendeckendes Beobachten der Tiere und rasches Handeln sei im Ernstfall entscheidend. 

Der Artikel „Acute die-off of chamois (Rupicapra rupicapra) in the eastern Austrian Alps due to bacterial bronchopneumonia with Pasteurellaceae” von Annika Posautz, Igor Loncaric, Anna Kübber-Heiss, Alexander Knoll und Christian Walzer ist im Journal of Wildlife diseases erschienen. DOI: 10.7589/2013-04-090 http://www.jwildlifedis.org/doi/abs/10.7589/2013-04-090



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