Goldbandpipra: Verhaltensflexibilität eines Athleten

(21.07.2020) Goldbandpipra (Manacus vitellinus) besitzen die Fähigkeit, ihre motorisch komplexen Paarungstänze an plötzlich auftretende Umweltveränderung anzupassen.

Menschen, wie auch Tiere reagieren auf Veränderungen der Umwelt mit Verhaltensflexibilität, die ihnen dabei hilft, sich an neue Situationen und Umstände anzupassen oder neue Verhaltensweisen zu erlernen.

Judith Janisch, Elisa Perinot und Leonida Fusani vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna und dem Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Universität Wien erforschten diesen Aspekt in Zusammenhang mit einem der außergewöhnlichsten Paarungsverhalten des Tierreiches - dem Paarungstanz der Goldbandpipra.

Dabei fanden sie heraus, dass die Vögel eine genaue Abfolge von Sprungsequenzen in ihrem Paarungstanz beibehalten, aber genug Flexibilität besitzen, um sich einer plötzlichen Umweltveränderung anzupassen.




Die Studie zeigte zudem, dass die Grundlage dieses Verhaltens motorisches Lernen sein könnte, welches zum ersten Mal im Zusammenhang mit komplexen Paarungsverhalten festgestellt wurde.

Goldbandpipra leben in den tropischen Regenwäldern Panamas und Kolumbiens wo jedes Vogelmännchen eine eigene Arena besitzt, in der sie ihre akrobatischen Sprünge den Weibchen präsentieren und um deren Aufmerksamkeit werben. Bereits als Jungtiere beginnen die Männchen zu trainieren und auch als adulte Tiere wird während der Paarungszeit ständig geübt, um die Bewegungen noch besser und schneller vorzuführen.

Daraus kann man schließen, dass die jeweilige Arena, welche zwischen mehreren Jungbäumen gebaut wird, eine wichtige Rolle für die Durchführung des einstudierten Paarungstanzes sowie für den Fortpflanzungserfolg spielt. Doch was passiert, wenn einer der Jungbäume zerstört oder blockiert wird? Wie können die Männchen mit dieser Situation umgehen?

Verhaltensflexibilität bei Goldbandpipra beobachtet

Diesen Fragen gingen die ForscherInnen anhand eines Verhaltensexperiments nach. Dazu wurden die Tiere zuerst einige Zeit beobachtet, um ihre übliche Tanzsequenz festzustellen. Danach wurde bei jeweils 8 Männchen der jeweils wichtigste Jungbaum (der „Paarungsbaum“) innerhalb der Arena durch ein großes Stück Rinde blockiert.

Dadurch konnten die Männchen ihre Sprungsequenzen nicht mehr vervollständigen und ihren Paarungstanz für die Weibchen vollziehen. Nach vier Tagen wurde das Rindenstück wieder entfernt. Die WissenschafterInnen  beobachteten die Tiere einen weiteren Tag, um zu verstehen, wie die Männchen darauf reagieren.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Männchen im Normalfall eine einstudierte, sehr genaue Abfolge an Sprungsequenzen durchführen, welche bereits automatisiert abläuft. Nachdem diese Routine durch das Rindenstück gestört wurde, mussten die Tiere eine neue Sprungabfolge einstudieren, um wieder auf ihrer ursprünglichen Leistung zu sein.

Die ForscherInnen vermuten, dass Goldbandpipra eine gewisse Verhaltensflexibilität besitzen und ihre trainierten motorischen Sequenzen mit der Zeit verändern können.

Nachdem das Rindenstück wieder entfernt wurde, kehrte die Hälfte der Männchen zur ihrer ursprünglichen Sprungsequenz zurück. Die Studie gibt einen ersten Einblick in die Entwicklung und Möglichkeiten dieser komplexen, sozial wichtigen Verhaltensweisen und wie sie an Umwelteinflüsse angepasst werden.



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