Helicobacter pylori: Unerwünschte Mitbewohner im Magen

(22.09.2013) Das Bakterium Helicobacter pylori besiedelt den Magen von Menschen und steht unter Verdacht, dort chronische Magenschleimhautentzündungen oder gar Magengeschwüre zu verursachen. Meist verläuft eine Infektion allerdings ohne Symptome.

H.pylori besiedelte bereits vor über 100.000 Jahren den Magen von Menschen. Ein internationales Forscherteam um Yoshan Moodley vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) hat herausgefunden, dass das Volk der Baka Pygmäen in Kamerun viel seltener von einer H.pylori-Infektion betroffen ist als Menschen im globalen Durchschnitt.

Der Grund: In kleinen Populationen mit niedriger Bevölkerungsdichte sterben die Bakterienstämme rascher aus. Die Resultate veröffentlichten die Forscher aktuell im Journal PLOS Genetics.

Das Verdauungssystem aller Tiere arbeitet in enger Beziehung mit Bakterien. Menschen sind da keine Ausnahme. Der Magen und Darm bieten die perfekte Umgebung für eine Vielzahl von einzelligen Organismen, die meist positive, in einigen Fällen jedoch auch schädliche, Wirkung auf den Gesamtorganismus haben.

Ein urzeitlicher Kolonist

H. pylori wurde vor etwa 30 Jahren entdeckt. Wissenschafter fanden seitdem heraus, dass es seinen Ursprung in Afrika hatte und schon vor Urzeiten Mitglieder der San, einem Volk von Jägern und Sammlern im südlichen Afrika, befiel. Im Zuge der Völkerwanderungen breitete sich die Infektion nach und nach gemeinsam mit den Menschen auf alle Kontinente aus.

Mittlerweile besiedelt das Bakterium 50 Prozent der menschlichen Mägen weltweit und ist somit die weitverbreitetste bakterielle Infektion unserer Spezies. Die Forscher nahmen aufgrund dieser uralten Verbindung zwichen H. pylori und dem Menschen an, dass auch andere Gemeinschaften von Jägern und Sammlern in Afrika alte und individuelle Populationen von H.pylori beherbergen. Diese Annahme überprüfte ein internationales Team von Wissenschaftern unter der Koordination von Yoshan Moodley von der Vetmeduni Vienna.

Pygmäen sind selten von H.pylori Infektionen betroffen

Die Forscher untersuchten Magenbiopsien von Baka Pygmäen und Mitgliedern benachbarter landwirtschaftlicher Gemeinden im südöstlichen Kamerun.

Die Proben wurden an der Medizinischen Hochschule Hannover untersucht. Überraschenderweise waren nur 20 Prozent der Baka Pygmäen von einer Infektion mit H.pylori betroffen, während dies bei benachbarten Völkern nur zu 80 Prozent der Fall war.

Außerdem zeigten DNA Analysen, dass die Baka Pygmäen keine speziellen Stämme von H.pylori in sich tragen. Stattdessen sind die identifizierten Keime denen anderer, weiter verbreiteter afrikanischer Völker, ähnlich. 

Bakterienstämme verschwinden rascher in kleinen Menschenpopulationen

„Wir waren auf der Suche nach uralten Bakterienstämmen in den Pygmäen und fanden stattdessen heraus, dass kleine Populationsgrößen und eine niedrige Lebenserwartung bei den Pygmäen zum natürlichen Aussterben von Bakterien in der gesamten Volksgruppe führen“, erzählt Moodley.

Valeria Montano aus der Forschungsgruppe von Moodley untersuchte das Alter der gefundenen H.pylori Stämme und fand heraus, dass diese erst 2000 bis 4000 Jahre alt sind. Mit Hilfe eines demografischen Modells simulierte die Forscherin die Epidemiologie der Bakterien in den verschiedenen Völkern und zeigte, dass in der sehr kleinen Population der Baka Pygmäen einzelne Bakterienstämme rascher verschwinden.

Das hängt damit zusammen, dass bei geringer Besiedlungsdichte die Ansteckungsgefahr niedrig ist. Im wesentlich dichter besiedelten umliegenden Landwirtschaftsgebiet wird das Bakterium hingegen viel leichter weitergegeben.

Die Bakterien in den Pygmäen sind deshalb keine uralten Stämme, sondern kolonisierten die Mägen der Pygmäen in den vergangenen paar tausend Jahren immer wieder neu, ausgehend von benachbarten Agrargesellschaften.

Der Artikel “Recent acquisition of Helicobacter pylori by Baka Pygmies” von Sandra Nell, Daniel Eibach, Valeria Montano, Ayas Maady, Armand Nkwescheu, Jose Siri, Wael F. Elamin, Daniel Falush, Bodo Linz, Mark Achtman, Yoshan Moodley und Sebastian Suerbaum wurde vor kurzem im Journal PLOS Genetics veröffentlicht.



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