Doppelt hält besser: Inhibitoren zeigen Synergieeffekte im Kampf gegen AML

(20.12.2021) Bei Akuter myeloischer Leukämie (AML) handelt es sich um die häufigste und auch tödlichste Form der Leukämie bei Erwachsenen. Ein Drittel aller AML Fälle weisen eine bestimmte Mutation in dem Gen auf, das für die Rezeptor-Tyrosinkinase FLT3 (Fms like tyrosine kinase 3) kodiert.

Wissenschafter:innen der Abteilung für Funktionelle Krebsgenomik der Vetmeduni konnten nun in internationaler Zusammenarbeit neue Optionen für AML-Therapien vorbringen. Im Fokus: Das synergetische Zusammenwirken der Inhibitoren Ispinesib und Cabozantinib.

Vetmeduni Vienna

Eine FLT3-Mutation aktiviert den sogenannten FLT3 Rezeptor permanent, was zu einer unkontrollierten Vermehrung der Zellen und einem schnellen Voranschreiten der Leukämie führt. Obwohl dieser Rezeptor medikamentös inhibiert werden kann, finden die Zellen schnell alternative Signalwege oder entwickeln Resistenzen während der Behandlung.

In den meisten Fällen führt dies zu einem Krankheitsrückfall. Neben neuen Medikamenten müssen also auch neue Behandlungsmethoden entwickelt werden, um dieses Problem zu lösen.

In einer aktuell in Cancers veröffentlichten Studie unter Federführung von Anna Orlova, Abteilung für Funktionelle Krebsgenomik der Veterinärmedizinischen Universität Wien, konnten Wissenschafter:innen der Vetmeduni in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien und der Universität Toronto Mississauga neue Erkenntnisse zur AML Forschung gewinnen:

Die Expert:innen identifizierten die Inhibitoren WS6 und Ispinesib als sehr effektiv gegen FLT3 mutierte AML, obwohl beide Inhibitoren bis dato noch nie zur Behandlung von Akuter myeloischer Leukämie eingesetzt wurden.

WS6 zeigte eine stärkere Wirkung als zugelassene Medikamente gegenüber AML Zellen.

WS6 könnte also ein potenter Inhibitor gegen Rezeptor-Tyrosinkinasen wie FLT3 sein.

Ispinesib zeigte eine synergetische Wirkung, wenn es mit Cabozantinib kombiniert wurde. Beide Medikamente unterstützen sich gegenseitig, indem sie verschiedene Signalwege in der Zelle angreifen.

Betroffene Zellen bauen dadurch schwerer eine Resistenz auf. Zudem können beide Medikamente in geringeren Dosen verabreicht werden, um Nebenwirkungen bei AML-Patient:innen zu verringern.

"Unsere Erkenntnisse zeigen, dass diese neuen Behandlungsoptionen effektiver, aber auch schonender für Patient:innen, die an einer FLT3 mutierten AML leiden, sein könnten." Anna Orlova, Abteilung für Funktionelle Krebsgenomik, Vetmeduni

Publikation

Der Artikel “Efficacy and Synergy of Small Molecule Inhibitors Targeting FLT3-ITD+ Acute Myeloid Leukemia” von J. Bregante, A. Schönbichler, D. Pölöske, L. Degenfeld-Schonburg, G. Monzó Contreras, E. Hadzijusufovic, E.D. de Araujo, P. Valent, R. Moriggl und A. Orlova wurde in Cancers veröffentlicht.


Weitere Meldungen

Veterinärmedizinische Universität Wien

Neuer Behandlungsansatz gegen leukämische Stammzellen

Einem Wiener Forschungsteam unter Leitung von WissenschafterInnen der Vetmeduni Vienna gelang ein wichtiger Schritt, um hämatopoetische und leukämische Stammzellen besser zu verstehen
Weiterlesen

Isabella Mayer und Eszter Doma (re.) gelang es, die Erzeugung von Mauszelllinien zu optimieren; Bildquelle: I. Mayer/Vetmeduni Vienna

Durchbruch: Neue Technik zur Modellierung der Entstehung von Leukämien

In einer soeben in „Blood Advances“ veröffentlichten Studie beschreibt ein Forschungsteam des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Vetmeduni Vienna eine optimierte Erzeugung von Mauszelllinien (HPCLSK)
Weiterlesen

Elizabeth Heyes (im Bild vorne, dahinter Gabriele Manhart) und KollegInnen identifizierten MSI2 als potenzielles, neues Behandlungsziel bei AML; Bildquelle: E. Heyes/Vetmeduni Vienna

MSI2 – Neuer Faktor für die Entstehung von Leukämie mit bestimmten Mutationen entdeckt

Wissenschafterinnen des Instituts für Medizinische Biochemie der Vetmeduni Vienna lieferten bereits in der Vergangenheit wichtige neue Erkenntnisse zur Entstehung der akuten myeloischen Leukämie (AML)
Weiterlesen

Johannes Schmöllerl; Bildquelle: Vetmeduni Vienna

Neue Therapie bei aggressivem Blutkrebs mit schlechter Prognose

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine aggressive Form von Blutkrebs, die Kinder und Erwachsene betrifft. In Fällen mit besonders schlechter Prognose wird dieser Krebs durch onkogene Fusionsproteine ausgelöst, an deren Bildung das Gen Nucleoporin 98 (NUP98) beteiligt ist
Weiterlesen

Vetmeduni Vienna

Die Verwandlung: Wie eine normale Zelle zu einer Krebszelle wird

Alle 35 Sekunden wird ein neuer Patient mit Blutkrebs diagnostiziert. Obwohl sich die Behandlungen in den letzten 50 Jahren verbessert haben und die Überlebensraten bei einigen Arten von Blutkrebs erheblich gestiegen sind, bleiben viele unheilbar
Weiterlesen

Vetmeduni Vienna

Neue Therapiemöglichkeit bei aggressivem Blutkrebs entdeckt

Bei der häufigsten Form akuter Leukämie, der AML, wurde eine neue Therapiechance aufgezeigt. Forschende der Vetmeduni Vienna und des Ludwig Boltzmann Instituts für Krebsforschung identifizierten eine Schwachstelle des durch Mutationen verkürzten und dadurch onkogen wirkenden Proteins C/EBPα
Weiterlesen

a) PatientInnen mit einer aktivierenden STAT5B-Mutation haben eine erniedrigte Interferon-Antwort, was die Entstehung und das Wachstum von Leukämiezellen fördert. b) Im Leukämiemausmodell ohne STAT5B führt die erhöhte Interferon-A; Bildquelle: Institut f. Pharmakologie und Toxikologie/Vetmeduni Vienna

Neuer Behandlungsansatz gegen Leukämien

Einem internationalen Forschungsteam unter Leitung von WissenschafterInnen der Vetmeduni Vienna gelang ein wichtiger Schritt, um lymphatische Leukämien besser zu verstehen
Weiterlesen

Vetmeduni Vienna

Brustkrebsmedikament wirkt auch bei häufigster Leukämieform

Akute myeloische Leukämie (AML) ist die häufigste Form von Blutkrebs. Bei etwa 30 Prozent der AML-PatientInnen beschleunigt eine Mutation im Enzym FLT3 den Krankheitsverlauf
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen