Vetmeduni Vienna bietet Kurs zur Ersten-Hilfe an Hunden für blinde Menschen

(10.04.2011) Nicht viele Hundebesitzer sind in der Lage, im Notfall bei seinem Hund Erste Hilfe zu leisten.



Dr. Eva Eberspächer mit Blindem und seinem Führhund
Seit vergangenem Wochenende sind aber ein Dutzend Blinde auf diesem Gebiet Profis, damit sie ihre eigenen wertvollen Begleithunde verarzten können, wenn Not ist.


Fr. Dr. Eva Eberspächer von der Veterinärmedizinischen Universität veranstaltete am Wochenende mit fünf weiteren Tierärzten  in Wien den ersten Erste-Hilfe-Kurs für Blinde, damit sie Symptome und Verletzungen beim Hund erkennen und ihre vierbeinigen Begleiter auch rasch notversorgen können. Der Kurs wurde von „Royal Canin“ unterstützt.

Nach theoretischen Erklärungen, wo man z.B. beim Hund den Puls misst, wie man die Körpertemperatur misst (dazu gibt es sogar „sprechende Thermometer“) und genauen Erklärungen über das Skelett des Hundes bzw. Herz, Lunge, Nieren & Co.  bzw. wie man vorzeitig eine Magendrehung, einen Kollaps oder einen epileptischen Anfall erkennt, ging es zum praktischen Teil.

Fr. Dr. Eva Eberspächer: „Wir veranstalten regelmäßig Erste-Hilfe-Seminare für sehende Hundebesitzer. Aber diesmal war es einfach mehr als positiv beeindruckend, wie Blinde an ihrem Hund absolut korrekt Verbände anlegten.“

Der Grund liegt darin, dass Menschen, die nicht sehen können, mehr über den Hund mit Tastsinn erfahren haben und auch so die Verbände ruhig, gefühlvoll und richtig anlegen.

Im Seminar wurden Behandlungen für Verletzungen aller Art geübt. Sei es eine verletzte Pfote (z.B. nach einem Tritt auf eine Glasscherbe) oder auch Kopfverletzungen, Beinbruch, Kreislauf-Kollaps, etc.

Die Absolventen des Kurses, die aus ganz Österreich angereist kamen,  bekamen eigene Notfalls-Karten, die die Blinden im Notfall auf der Straße, in Parks oder auf Wanderwegen Sehenden überreichen können. Auf dieser neuen Karte stehen Notruf-Nummern (Ärzte-Notruf, Vergiftungs-Zentrale, Notdienst der Veteinärmedizinischen Universität, etc.) und auf der Rückseite eine Check-Liste, wie sehende Blinden helfen können.

So weiß nun z.B. ein Blinder, wie man das Zahnfleisch eines Hundes drückt bzw. untersucht, um festzustellen, ob der Hund einen Kreislauf-Kollaps hat, aber der Blinde kann nicht sehen, wie das Zahnfleisch verfärbt ist. Ebenso ist ein Blinder auf die Hilfe anderer angewiesen, wenn es um die Augen/Pupillen eines Hundes geht – also all das, was man nicht fühlen, sondern nur von Sehenden erkannt werden kann.

Dr. Eva Eberspächer nennt dies Hilfe von außen: „Blinde leihen sich Augen!“

Die Teilnehmer des ersten Kurses (es wird ab ca. November 2011 weitere geben) haben auch ein von „Royal Canin“ zur Verfügung gestelltes „Erste Hilfe Set“ für Hunde sowie eine „Erste Hilfe Fibel“ dabei. Mit dem Inhalt des Sets können die Nicht-Sehenden schon perfekt umgehen. Bei der Fibel benötigen sie aber „geliehene Augen“, damit auch von anwesenden Sehenden geholfen werden kann.

Die Bitte von den Blinden: „Wir können zwar unseren Führ-Hunden im Notfall meist selbst rasch helfen – aber es ist gut, wenn Passanten mitwirken, dass unsere wertvollen Hunden rasch geholfen wird!“

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