Bremse für Muskelschwund: Wie Pferde nach intensivem Training ihre Muskelmasse behalten

(19.10.2011) Exzessives Training führt zu Muskelabbau, bei Menschen wie auch bei Pferden. Forschende der Vetmeduni Vienna konnten nun zeigen, dass bei Trabrennpferden, die nach dem Training eine spezielle Mischung aus Proteinen und Aminosäuren mit ihrer Nahrung aufnahmen, dieser Muskelschwund stark reduziert war.

Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift „Animal Physiology and Animal Nutrition“ veröffentlicht.

Dass hartes körperliches Training zum Abbau von Muskeln führen kann, ist bekannt. Verschiedene Ernährungsstrategien sollen diesen Muskelschwund beim Menschen bekämpfen. Überraschenderweise wurde dieses Phänomen bei Sportpferden noch kaum untersucht.

Eine Forschungsgruppe um René van den Hoven von der Klinik für Pferde der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) und seine Kolleginnen und Kollegen am Institut für Tierernährung der Vetmeduni Vienna konnten nun mit vorläufigen Daten einer Studie zeigen, dass die Gabe bestimmter Nahrungsergänzungsmittel nach Trainingseinheiten den Muskelabbau bei Pferden lindern kann.

Pferde auf dem Laufband

Die Forschenden untersuchten Trabrennpferde vor und nach intensivem Training auf einem Hochgeschwindigkeitslaufband. Weil verschiedene Zellmechanismen für den Abbau von Proteinen verantwortlich sind, untersuchte van den Hovens Team molekulare Marker für jeden der Abbaumechanismen.

Zudem hielten sie fest, ob das Ergebnis des jeweiligen Mechanismus sich veränderte, wenn die Pferde eine Mischung aus bestimmten Aminosäuren und Proteinen nach den Trainingseinheiten als Nahrungsergänzung erhielten oder nicht.

Nahrungszusatz reduziert Proteinabbau

Die Tests ergaben, dass die Aktivität eines der klassischen Wege des Proteinabbaus, der so genannten Ubiquitinierung, vier Stunden nach dem Training dramatisch erhöht war. Bei der Ubiquitinierung heftet sich ein kleines Molekül namens Ubiquitin an ein Protein und gibt es damit zum chemischen Abbau frei.

Die starke Erhöhung dieser Aktivität weist darauf hin, dass die Pferde in dieser Zeit Protein in ihren Muskeln tatsächlich als Folge des intensiven Trainings abbauten.

Die Gabe der Aminosäuren-Proteinmischung führte zu einer deutlichen Reduktion dieses Proteinabbaus. Andere Abbaumechanismen waren vergleichsweise wenig aktiv und wurden von der Gabe der Aminosäuren-Proteinmischung zudem kaum beeinflusst.

Van den Hoven ist enthusiastisch und vorsichtig zugleich: „Alles weist darauf hin, dass die Gabe einer Mischung aus Aminosäuren und Proteinen die Zersetzung von Muskelproteinen tatsächlich vermindern kann. Jetzt ist es wichtig, unsere Ergebnisse mit einer größeren Stichprobe weiter zu untermauern.“

Der Artikel “A preliminary study on the changes in some potential markers of muscle-cell degradation in sub-maximally exercised horses supplemented with a protein and amino acid mixture” von René van den Hoven, Alexandra Bauer, Sigrun Hackl, Michaela Zickl, Jürgen Spona und Jürgen Zentek wurde in der Oktoberausgabe der Zeitschrift “Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition” (Vol. 95, pp. 664-675) veröffentlicht.

Der wissenschaftliche Artikel im Volltext online:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1439-0396.2010.01097.x/full



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Bei Pferden könnten Stammzellen aus der Gebärmutter die Stammzelltherapie nachhaltig verbessern, da die Gewinnung keinen chirurgischen Eingriff braucht.; Bildquelle: Vetmeduni Vienna

Neue Erkenntnisse können Stammzelltherapie bei Pferden nachhaltig verbessern

Die Stammzelltherapie wird bei Pferden seit vielen Jahren bei Sehnen- oder Gelenksproblemen angewendet. Bislang mussten Stammzellen dafür zumeist operativ aus dem Knochenmark oder dem Fettgewebe entnommen werden
Weiterlesen

Jessika-M. Cavalleri ist neue Professorin für Interne Medizin beim Pferd; Bildquelle: Michael Bernkopf/Vetmeduni Vienna

Jessika-M. Cavalleri, neue Professorin und Leiterin der Klinischen Abteilung Interne Medizin Pferde

Seit dem 1. September 2017 leitet mit Jessika-M. Cavalleri eine neue Professorin die Klinische Abteilung für Interne Medizin Pferde an der Vetmeduni Vienna
Weiterlesen

Vetmeduni Vienna

7. Pferde-Symposium der Vetmeduni Vienna

Die diesjährigen ExpertInnenvorträge des 7. Pferde-Symposiums der Vetmeduni Vienna beschäftigen sich mit Fieber und Nasenausfluss beim Pferd, den medizinischen und chirurgischen Problemen, die dahinter stecken können
Weiterlesen

Die ausgewilderten Przewalski-Pferde in der Wüste Gobi fressen genauso wie die mit ihnen verwandten Hauspferde das ganze Jahr über Gras; Bildquelle: Martina Burnik Šturm/Vetmeduni Vienna

Schweifhaare geben Auskunft über Nahrungswahl von drei Pferdearten in der Wüste Gobi

Das erfolgreich in der Wüste Gobi ausgewilderte Przewalski-Wildpferd teilt sich seine Weidegründe mit Wildeseln und freilaufenden Hauspferden
Weiterlesen

Pferde-Symposium der Vetmeduni Vienna

6. Pferde-Symposium der Vetmeduni Vienna: Haut, Haar und Huf

Am Samstag, 15. Oktober 2016 informieren die SpezialistInnen der Universitätsklinik für Pferde über „Haut, Haar und Huf – Was für einen glänzenden Auftritt Ihres Pferdes wichtig ist“
Weiterlesen

Genetik der Stute beeinflusst Trächtigkeit und Geschlecht der Nachkommen

Genetik der Stute beeinflusst Trächtigkeit und Geschlecht der Nachkommen

Üblicherweise sind es in der Pferdezucht die Hengste, die eine Zuchtlinie begründen. In manchen Fällen sind es aber auch die Stutenlinien, die bei der Zucht die übergeordnete Rolle spielen
Weiterlesen

Vetmeduni Vienna

Wenn Pferde älter werden – Pferde-Symposium der Vetmeduni Vienna

Am Samstag, 18. Oktober 2014 von 14:00 bis 17:30 Uhr, findet an der Veterinärmedizinischen Universität Wien das jährliche Symposium für alle Pferdeinteressierten, heuer zum Thema „Wenn Pferde älter werden – Worauf Sie bei Pferdesenioren achten sollten“, statt
Weiterlesen

Ob Frau oder Mann ein Pferd reiten, scheint für das Tier keinen Unterschied zu machen; Bildquelle: Dr. Juliane Kuhl/Vetmeduni Vienna

Reiter oder Reiterin - dem Pferd ist das Geschlecht der Reitenden egal

Welchen Einfluss das Geschlecht der Reitenden auf ihre Pferde hat, untersuchten WissenschafterInnen der Vetmeduni Vienna. Sie analysierten dazu Stressparameter bei Pferden sowie bei Reiterinnen und Reitern während eines Springparcours
Weiterlesen

Eine Pferdegeburt bedeutet für die Stute das Gegenteil einer Stressreaktion; Bildquelle: Vetmeduni Vienna

Pferdemütter sind während der Geburt völlig entspannt

Geburten sind nicht bei allen Spezies mit Stress und Schmerzen für die Mutter verbunden. Christina Nagel von der Vetmeduni Vienna untersuchte erstmals, was im Körper von Stuten während der Geburt genau vor sich geht
Weiterlesen


[X]
Hinweis zur Nutzung von Cookies

Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.

Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr erfahren...