Partnerwahl von Vögeln wird durch MHC-Gene beeinflusst

(28.05.2011) Es sind nicht unbedingt die schönsten Männchen, die von Weibchen als Sexualpartner auserkoren werden. Vielmehr suchen sich Weibchen die Männchen, die ganz individuell zu ihnen am besten passen.

Partneragenturen versuchen die Trefferquoten bei den „inneren Werten“ dadurch zu erhöhen, indem sie Hobbies und Interessen potentieller Partner abfragen. Aber auch Tiere achten auf „innere Werte“. Aktuelle Ergebnisse der Gruppe von Herbert Hoi vom Department für Integrative Biologie und Evolution der Vetmeduni Vienna legen nahe, dass – zumindest bei Spatzen – die genetische Ausstattung für das Immunsystem auch eine große Rolle in der Partnerwahl spielt.

Die Arbeit wurde vor kurzem veröffentlicht in „BMC Evolutionary Biology“.

Wie suchen Weibchen ihre Partner aus? Darwins Grundidee, dass die best angepassten Männchen die begehrenswertesten sind und daher am ehesten zum Zug kommen würden, stellt einen Grundpfeiler der Evolutionstheorie dar seit der Veröffentlichung von „Die Abstammung des Menschen“ im Jahr 1871.

Darwin vermutete, dass sekundäre Geschlechtsmerkmale den Weibchen ermöglichen, auf einen Blick zu erkennen, welches Männchen das am besten geeignete sei. Dieses Männchen würde der Favorit für alle sein, weil er die bestmöglichen Gene an die nächste Generation weitergibt und dadurch die Angepasstheit der Art weiter erhöhen würde.

Hauptsache gesund

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts jedoch begannen einige Forscher – vielleicht weil sie sich selbst nicht für die begehrenswertesten Männchen im Angebot hielten – sich von dieser Idee zu verabschieden. Stattdessen waren sie der Ansicht, dass unterschiedliche Weibchen individuell andere Männchen bevorzugten. Es wird immer augenscheinlicher, dass Tiere Partner auswählen, die zu ihnen passen.

Es wird vermutet, dass die Gene des Major Histocompatibility Complex (MHC) diese Selektion beeinflussen. MHC-Gene haben eine Schlüsselrolle im Immunsystem; die Nachkommen von Partnern mit stark unterschiedlichen MHC-Allelen sind möglicherweise krankheitsresistenter und dementsprechend genetisch fitter als andere.

Gleich und gleich gesellt sich ungern

Hois Gruppe vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, das seit Jänner 2011 an der Vetmeduni Vienna angesiedelt ist, hat Hausspatzen als Forschungsobjekte für diese Fragestellung. Die Wissenschafter untersuchten die Partnerpräferenzen der Spatzen durch Auswahlexperimente, bei denen Weibchen vier Partner angeboten werden: ein Weibchen (als Kontrollobjekt) und drei Männchen.

Die Ergebnisse: Die Weibchen verschwenden wenig Zeit in der Nähe der Kontrollweibchen und bestätigen dadurch, dass ihr Interesse nicht sozialer, sondern sexueller Natur ist. Suchten Weibchen tatsächlich den „besten“ Partner, dann müssten die meisten Weibchen ein Männchen oder einige wenige Männchen bevorzugen. Für diese Hypothese fanden die Wissenschafter aber keine Beweise.

Darüber hinaus konnten sie nicht zeigen, dass Männchen mit einen hohen MHC-Diversität bevorzugt worden. Sondern: Weibchen mit einer geringen Anzahl von MHC-Allelen wurden von Männchen mit einer hohen Anzahl solcher Allele besonders angezogen. Dieses Ergebnis lässt vermuten, dass die Vögel einen Mechanismus dafür haben, die Anzahl der angebotenen MHC-Allele von individuellen Männchen quasi zu „zählen“.

Diese Arbeit stellt den ersten experimentellen Beweis dar, dass die Partnerwahl von Vögeln durch MHC-Gene beeinflusst wird. Dazu Herbert Hoi: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Vögel nicht einfach den attraktivsten Partner, sondern den passendsten auswählen. Wie Menschen scheinen Vögel auf die ‚inneren Werte‘ ihrer potentiellen Partner zu achten.“

Die Studie „Female house sparrows ‚count on‘ male genes: experimental evidence for MHC-dependent mate preference in birds“ von Matteo Griggio, Clotilde Biard, Dustin J. Penn und Herbert Hoi wurde im „BMC Evolutionary Biology“ online veröffentlicht unter doi:10.1186/1471-2148-11-44. Diese Arbeit wurde vom FWF finanziell unterstützt.




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