Promiskuitives Verhalten wilder Hausmäuse: Mäusedamen haben mehr als nur einen Partner

(31.08.2013) Weibliche Tiere beschränken sich oft nicht auf einen männlichen Sexualpartner. Hierfür gibt es verschiedene wissenschaftliche Hypothesen. Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) haben nun das promiskuitive Verhalten wilder Hausmäuse untersucht.

Sie fanden heraus, dass sich Weibchen mit mehreren Männchen verpaaren, wenn die zur Wahl stehenden Partner sexuell unerfahren sind, aber auch wenn sich die Männchen qualitativ ähneln.

Dieses Verhalten dient dem Schutz der Nachkommen und der Auswahl des idealen Kandidaten für die Vaterschaft.


Die Wahl des Sexualpartners hängt von vielen Faktoren ab

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschafter vor Kurzem im Journal Behavioral Ecology and Sociobiology.

Mausweibchen paaren sich häufig mit mehreren Partnern. Unter welchen Umständen sich die Weibchen aktiv mehrere Partner aussuchen, wurde nun in einer Studie des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni Vienna aufgeklärt.

Die Erstautorin Kerstin Thonhauser und ihre Kollegen beobachteten das Verhalten von wilden Hausmäusen (Mus musculus), indem sie jeweils einem Weibchen die Möglichkeit boten frei zwischen zwei Männchen zu wählen.

Promiskuität schützt die Nachkommen

Die Forscher fanden heraus, dass Weibchen sich besonders promiskuitiv verhalten, wenn sie mit sexuell unerfahrenen Männchen konfrontiert sind. Eine mögliche Erklärung für dieses Verhalten ist die Vermeidung des so genannten Infantizids.

Der zoologische Infantizid beschreibt das Töten von Jungtieren der eigenen Art. Männliche Mäuse töten häufig Jungtiere, um ihren eigenen Fortpflanzungserfolg zu erhöhen und selbst erneut zum Zuge zu kommen. Sexuell unerfahrene Männchen verhalten sich besonders häufig infantizidär.

Haben Männchen jedoch die Chance, sich mit einem Weibchen zu paaren, töten sie seltener die Nachkommen dieses Weibchens. Die Jungtiere könnten ja von ihm selbst abstammen.

So schützen Weibchen mit promiskuitivem Verhalten den eigenen Nachwuchs. Die Verhaltensforscher vermuten, dass Mäuse über Duftmarkierungen und über das Verhalten der Tiere erkennen können, ob ein Männchen bereits sexuell erfahren ist.

Duftmarkierung als Qualitätsmerkmal

Weibchen verhalten sich eher promiskuitiv, wenn die zur Wahl stehenden Männchen kaum Unterschiede in der Menge an gesetzten Duftmarken zeigen.

Häufiges Markieren weist bei männlichen Mäusen auf einen hohen Status im sozialen Gefüge hin. Die Forscher stellten den Weibchen also jeweils zwei Männchen zu Wahl.

Markierten die Männchen ähnlich häufig, paarten sich die Weibchen mit beiden. Die Entscheidung für ein Männchen hängt also auch mit der Fähigkeit zusammen, Unterschiede in der Qualität der Männchen zu erkennen.

Konkurrenz unter Vätern beeinflusst Wurfgröße

Bei Mäusen ist es keine Seltenheit, dass mehrere Väter an einem Wurf beteiligt sind. Diese Würfe sind insgesamt größer, wenn die beteiligten Männchen in besonders starker Konkurrenz zueinander standen.

Thonhauser beschreibt: „Befinden sich die Männchen im Wettstreit um ein Weibchen und somit auch im Kampf um die eigenen Nachkommen, investieren sie möglicherweise mehr in die eigene Spermienqualität.

Insgesamt sind die abgegebenen Ejakulate dann potenter und führen zu größeren Befruchtungsraten.“ Die Verhaltensforscher sind außerdem daran interessiert, ob sich multiple Vaterschaft in einem Wurf auf die Fitness der einzelnen Nachkommen auswirkt.

Die Arbeit “Why do female mice mate with multiple males?” von Kerstin Thonhauser, Shirley Raveh, Attila Hettyey, Helmut Beissmann und Dustin Penn ist vor Kurzem in der Zeitschrift Behavioural Ecology and Sociobiology erschienen.
http://dx.doi.org/10.1007/s00265-013-1604-8



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