Schalenfragmente von Purpurschnecken
VUW-Wissenschafter liefern Erkenntnisse zur Purpur-Produktion

(07.05.2007) Veterinärmediziner untersuchten ein antikes Zentrum zur Gewinnung des Luxusfarbstoffs Purpur

Wissenschafter der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften haben massive Ablagerungen zerkleinerter Purpurschnecken im antiken Andriake untersucht.

Die wichtigsten Ergebnisse wurden soeben im Oxford Journal for Archaeology publiziert: Die Produktion von Purpurfarbe aus Millionen von Purpurschnecken in spätrömischer Zeit konnte nachgewiesen werden; und das geringe Todesalter der Schnecken lässt auf Überbeanspruchung der natürlichen Schneckenbestände schließen – möglicherweise haben sich die Farbproduzenten dadurch selbst ihrer Ressourcen beraubt.

In Andriake, der alten Hafenstadt von Myra (heute Demre, bekannt auch als die Wirkungsstätte des heiligen Nikolaus) in der Türkei, wurden im Sommer 2003 auffällig viele Schalenbruchstücke von Purpurschnecken gefunden, was die Vermutung nahelegte, dass sich dort eine Produktionsstätte von Purpurfarbe befunden hat.

Ao.Univ.Prof. Dr. Gerhard Forstenpointner, Dr. Alfred Galik und Ass.Prof. Dr. Gerald Weissengruber von der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW) haben den ausgesprochen gut erhaltenen Ort gemeinsam mit Wissenschaftern der Österreichischen Akademie der Wissenschaften untersucht.

Überreste von Millionen Schnecken

Andriake ist demnach etwa im 6. Jahrhundert nach Christus ein wichtiger Purpurproduktionsort gewesen. Die Vermessungen vor Ort lassen auf Schalenablagerungen im Umfang von 300 Kubikmetern schließen.

Wenn man dies anhand der gefundenen Schalenfragmente auf einzelne Individuen hochrechnet, kommt man auf eine fast unglaublich riesige Zahl: "Selbst nach vorsichtigen Schätzungen kommen wir auf etwa 60 Millionen Schnecken, die an dieser Produktionsstätte verarbeitet wurden", fasst Prof. Forstenpointner zusammen. "Diese hohe Zahl an Purpurschneckenfragmenten macht die Fundstätte in Andriake zu einem der bedeutendsten Produktionsorte der Antike."


Ruinen der antiken Hafenstadt Andriake
Untergang der Produktionsstätte durch Überfischung?

Auffällig an den untersuchten Proben ist auch die Kleinheit und damit das niedrige Alter der verarbeiteten Schnecken. "In den oberen Ablagerungsschichten stammen nur etwa zehn Prozent der gefundenen Fragmente von erwachsenen Schnecken" erläutern Dr. Galik und Dr. Weissengruber.

"Das weist darauf hin, dass sich die Altersverteilung innerhalb der intensiv befischten Population verlagerte und die Zahl der Purpurschnecken zurückging. Schließlich erhebt sich auch die Frage, ob die weitergehende Ausbeutung nicht sogar zum Zusammenbruch der Schneckenbestände und somit zum Untergang der Purpurproduktion in bzw. um Andriake geführt hat."

Luxusgut Purpur

Purpur wird heute kaum noch als Farbstoff eingesetzt, aber es war (und ist) einer der teuersten Farbstoffe der Welt.

Er wird aus einer Drüse der Meeresschnecken Brandhorn (Murex brandaris), Purpurschnecke (Hexaplex trunculus) und Rotmund-Leistenschnecke (Thais haemastoma) gewonnen, wobei für ein Gramm Farbe tausende von Schnecken verarbeitet werden müssen.

Das Tragen purpurfarbener Kleidung war Zeichen hohen Ranges und zeitweilig ausschließlich Senatoren und Caesaren vorbehalten.

LinK: Oxford Journal for Archaeology

www.vu-wien.ac.at/anatomie

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