SAFEWASTES gewinnt wertvolle Zusatzstoffe für Futtermittel aus organischem Abfall

(12.09.2005) EU fördert Forschungsprojekt an der VUW


Univ.Prof. Dr. Chlodwig Franz, Projektleiter
Das Projekt SAFEWASTES beschäftigt sich mit der Wiederverwertung wertvoller Inhaltsstoffe aus organischem Abfall. O. Univ.-Prof. Dr. Chlodwig Franz, Leiter des Faches "Angewandte Botanik und Pharmakognosie" an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, trägt als Koordinator dieses von der EU geförderten Projekts die Hauptverantwortung und forscht gemeinsam mit Partnern aus sieben EU-Ländern.

Die industrielle Aufbereitung von Früchten, Gemüse und Pflanzen-Extrakten als Nahrungs- und Arzneimittel produziert jährlich viele Tonnen organischen Abfalls. Die Abfallprodukte werden von der Industrie hauptsächlich durch Kompostierung oder Verbrennung beseitigt. Diese Vorgehensweise verursacht jährlich Kosten in Millionenhöhe und steigert die Umweltbelastung.

SAFEWASTES geht davon aus, dass dieser organische Abfall noch mehrere hochwertige Verbindungen (z.B. Pectin) enthält und diese als "gesunde" Zusatzprodukte für Futtermittel eingesetzt werden können. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf die Tierhaltung sondern auch auf die Qualität von Lebensmitteln, Umwelt und Wirtschaft aus.

Das Projekt – die Ziele

Das Projekt-Konsortium von SAFEWASTES besteht aus akademischen MitarbeiterInnen verschiedener Universitäten im EU-Raum, die auf unterschiedliche Fachgebiete spezialisiert sind (Biochemie, Ernährung, Physiologie, Bakteriologie, Genetik etc.). Weiters finden sich SMEs (=small and medium-sized enterprises) aus dem phytopharmazeutischen Bereich sowie mit Fokus auf Wiederaufbereitung von organischem Abfall oder Biotechnologie im Projektteam.

Die Verwendung von Antibiotika in Futtermitteln soll ab 2006 im EU-Raum verboten werden, d.h. es muss schnell eine Alternative gefunden werden. SAFEWASTES zielt darauf ab, natürliche Futtermittel-Zusatzstoffe aus organischem Abfall zu generieren, um so den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung zu vermeiden.

 "Wir werden neue Technologien und Verwertungsmodelle anhand ausgewählter Beispiele organischen Abfalls entwickeln. Erste Quellen für unsere Untersuchungen sind Artischocken, die Mariendistel und Thymian Extrakte", erklärt der Projekt-Koordinator Dr. Chlodwig Franz. "Unsere Tests werden sowohl in vitro wie auch in vivo vorgenommen. Deshalb arbeiten wir auch eng mit Partnern aus der Industrie zusammen.  Wir möchten beweisen, dass die Wiederverwertung von organischem Abfall nicht nur wichtig für die Gesundheit von Mensch und Tier ist, sondern auch Umweltbelastungen reduziert und kosteneffizient ist", so Prof. Franz weiter.

Nachhaltigkeit

Die Qualität und Sicherheit von Nahrungsmitteln stehen im Mittelpunkt von SAFEWASTES. Durch gesunde Tierhaltung (ohne Antibiotika) kommen hochwertige Fleischprodukte in den Handel, deren Qualität durch laufende Kontrollen, Etikettierung und Herkunftsbezeichnung garantiert wird.

Die Wiederverwertung von organischem Abfall hat auch positive Auswirkungen auf die Umwelt:

- Bis zu 100%ige Verwertung des Abfalls, d.h. keine Verbrennung und Kompostierung mehr.
- Reduktion von Methangas, das durch tierische Verdauung und durch Kompostierung entsteht.
- Keine Verwendung von Antibiotika, d.h. keine Rückstände in Lebensmitteln und Eindämmung der Resistenz gegenüber Antibiotika bei Tier und Mensch.

"Der Dialog mit der Öffentlichkeit ist uns ein großes Anliegen. Durch ständige Information und Kommunikation werden wir die Bevölkerung über wichtige Forschungs-Ergebnisse am Laufenden halten", sagt Projektleiter Dr. Franz und betont: "SAFEWASTES ist ein europaweites Projekt, das das Wohl des Menschen und des Tiers ins Zentrum aller Aktivitäten stellt und nicht nur Wissenschaft und Wirtschaft betrifft."

SAFEWASTES wird die führende Rolle der EU als ein Anbieter von neuartigen, natürlichen Produkten oder Extrakten (z.B. antimikrobielle Substanzen, die auf die Bekämpfung von Magen-/Darm-Problemen bei Vieh abzielen) stärken und damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern.

Artikel kommentieren

weitere Meldungen

Vetmeduni Vienna

Neue Therapiemöglichkeit bei aggressivem Blutkrebs entdeckt

Bei der häufigsten Form akuter Leukämie, der AML, wurde eine neue Therapiechance aufgezeigt. Forschende der Vetmeduni Vienna und des Ludwig Boltzmann Instituts für Krebsforschung identifizierten eine Schwachstelle des durch Mutationen verkürzten und dadurch onkogen wirkenden Proteins C/EBPα
Weiterlesen

Zusammenfassung der Aktionspunkte des mutierten Faktors JAK2V617F

Bösartige Knochenmarkserkrankung: Neue Hoffnung für MPN-PatientInnen

Myeloproliferative Neoplasien (MPN) können derzeit nur unzureichend behandelt werden. Ein Team der Vetmeduni Vienna und des CeMM Forschungszentrums für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften/Medizinische Universität Wien entdeckte einen neuen Behandlungsansatz
Weiterlesen

Pavian; Bildquelle: Dr. Dietmar Zinner

Paviane eröffnen neue Einblicke in die Evolution des Genoms

Ein Forschungsteam der Vetmeduni Vienna untersuchte die evolutionäre Diversifizierung am Beispiel von sechs Pavian-Arten. Die Ergebnisse der Studie liefern neue spannende Einblicke in die Entwicklung des Genoms
Weiterlesen

a) PatientInnen mit einer aktivierenden STAT5B-Mutation haben eine erniedrigte Interferon-Antwort, was die Entstehung und das Wachstum von Leukämiezellen fördert. b) Im Leukämiemausmodell ohne STAT5B führt die erhöhte Interferon-A; Bildquelle: Institut f. Pharmakologie und Toxikologie/Vetmeduni Vienna

Neuer Behandlungsansatz gegen Leukämien

Einem internationalen Forschungsteam unter Leitung von WissenschafterInnen der Vetmeduni Vienna gelang ein wichtiger Schritt, um lymphatische Leukämien besser zu verstehen
Weiterlesen

Schwein; Bildquelle: Vetmeduni Vienna

Listerien im Futter: Ein gefährliches Hygieneproblem bei Mastschweinen

Eine aktuelle Studie der Vetmeduni Vienna untersuchte eine tödliche Listeriose bei Mastschweinen, bei der fast jedes zehnte Tier verstarb
Weiterlesen

Gesichtstumor beim Tasmanischen Teufel; Bildquelle: Save the Tasmanian Devil Program

Ansteckender Krebs beim Tasmanischen Teufel: Molekulare Mechanismen entschlüsselt

Gesichtstumore von Tasmanischen Teufeln, einer Tierart aus der Familie der Raubbeutler, gehören zu den extrem seltenen Fällen übertragbarer Krebserkrankungen
Weiterlesen

Marinomed

Marinomed: Partnerschaft in China und EIB-Finanzierung

Marinomed Biotech AG konnte in den ersten Wochen des Jahres 2019 bedeutende strategische Meilensteine umsetzen und operative Erfolge erzielen
Weiterlesen

Hunde sind gute Beobachter und sozial lernfähig. Sie zeigen sogar Ansätze zur sogenannten Überimitation, des bisher als rein menschliches Phänomen angesehenen Lernens kausal irrelevanter Handlungen; Bildquelle: T. Suchanek/Vetmeduni Vienna

Soziales Lernen auch bei Hunden: Überimitation möglicherweise kein rein menschliches Phänomen

Gängige Lehrmeinung ist, dass Überimitation – eine besondere Form des sozialen Lernens – eine ausschließlich menschliche Eigenschaft ist
Weiterlesen

Über ein Citizen Science Projekt konnte gezeigt werden, dass Füchse bestimmte Wiener Grätzel und Umgebungen bevorzugen.; Bildquelle: L. Hamelbeck-Galle/stadtwildtiere.at

Fuchs, du hast die Stadt erobert: immer mehr Fuchsbeobachtungen in Wien

Über 1100 Fuchsbeobachtungen aus der Wiener Bevölkerung analysierte ein Forschungsteam rund um die Wildtierökologin Theresa Walter im Rahmen des Citizen Science Projektes StadtWildTiere
Weiterlesen