Das Sexleben von Laubenvögeln

(02.12.2022) Für schwächere Männchen kann es sich auszahlen, sich zusammenzuschließen

Männliche Gefleckte Laubenvögel (lat.: Ptilonorhynchus maculatus) bauen und verteidigen eine Struktur aus Stöcken und Stroh – die Laube. Diese Nester schmücken sie mit bunten Gegenständen, um während der Brutzeit Partnerinnen anzulocken. Bestimmte ortsfremde, untergeordnete Männchen werden von ansässigen Männchen in ihren Lauben über mehrere Brutzeiten toleriert.


Laubenvogel_

Frühere Untersuchungen zeigten, dass diese „Männerbünde“ untergeordneten Männchen indirekte Vorteile bringen. Bisher war jedoch unklar, ob rangniedrigere Männchen auch direkte Vorteile haben. Eine aktuelle Studie der Vetmeduni zeigt nun erstmals, dass in seltenen Fällen die rangniedrigeren Vögel direkt durch Kopulationen profitieren.

Eine aktuelle Studie der Vetmeduni dokumentiert vier Fälle von heimlichen Paarungen bzw. Paarungsversuchen von untergeordneten Männchen. Die Fälle wurden in den Lauben von Gefleckten Laubenvögeln während der Brutsaison 2018 beobachtet. Mehrere gebietsfremde Männchen störten die laufenden Kopulationen zwischen dem Laubenbesitzer und einem empfänglichen Weibchen, und diesen Ereignissen folgten heftige aggressive Interaktionen.

„Diese Beobachtungen werfen ein neues Licht auf die gleichgeschlechtliche soziale Dynamik bei Laubenvögeln und stützen die Hypothese, dass untergeordnete Männchen geschlechtsreife Individuen sind, die gelegentlich Zugang zu Weibchen erhalten, während sie etablierte Lauben besuchen“, so Studien-Erstautor Giovanni Spezie vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni.

Erstmalige Beobachtung extrem seltener Ereignisse

Die Seltenheit der nun beobachteten Ereignisse ist bemerkenswert. Bei Gefleckten Laubenvögeln werden umfangreiche Beobachtungen bereits seit mehreren Jahrzehnten durchgeführt – doch bisher konnte keines der nun beobachteten Kopulationsereignisse dokumentiert werden.

Dazu Studien-Letztautor Leonida Fusani vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Vetmeduni: „Dass wir mindestens vier unabhängige Beobachtungen bei verschiedenen Individuen aufzeichnen konnten, weist stark darauf hin, dass hinterhältige Kopulationen kein isoliertes und abnormales Verhalten sind. Vielmehr handelt es sich um ein Verhaltensmuster oder eine alternative Fortpflanzungsstrategie von untergeordneten Männchen.“

Beta profitiert von Alpha – Männerbünde zum eigenen Vorteil nützen

Mann-Mann-Koalitionen wurden bisher insbesondere bei Vögeln wie Manakins, Moorhühnern, Pfauen, Wildtruthähnen und Laubenvögeln beobachtet. Ein gemeinsames Merkmal der meisten Balzkoalitionen ist, dass auf ein dominantes „Alpha“-Männchen alle oder die meisten Kopulationen entfallen, während untergeordnete „Beta“-Männchen auf die Fortpflanzung verzichten und keinen – oder nur sehr begrenzten – Zugang zu Partnerinnen erhalten.

Das Opfern des Fortpflanzungspotentials für einen Männerbund mag paradox erscheinen, hat aber direkte und indirekte Vorteile für die untergeordneten Männchen. Indirekt profitieren die Tiere beispielsweise davon, dass sie die Stellung des Alpha-Männchens nach dessen Tod übernehmen oder von diesem für den Paarungserfolg wichtige Verhaltensformen lernen. Direkte Vorteile ziehen sie aus heimlichen Paarungen mit Weibchen.

Publikation

Der Artikel „Sneaky copulations by subordinate males suggest direct fitness benefits from male-male associations in spotted bowerbirds (Ptilonorhynchus maculatus)“ von Giovanni Spezie und Leonida Fusani wurde in „Ethology“ veröffentlicht.


Weitere Meldungen

Enten; Bildquelle: Thomas Schilling

Sexuelle Konflikte bei Enten – ein evolutionäres Wettrüsten

Bisher galt bei Enten (Anatidae) die Annahme „Großer Penis, Zwangskopulation, große Eier“. Eine aktuelle Studie unter Leitung des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien konnte diese Hypothese nun widerlegen
Weiterlesen

Hausmäuse; Bildquelle: Bettina Wernisch/Vetmeduni Vienna

Partnerwahl und Paarung: Sexuelle Erfahrung nützt Hausmäusen nicht

Entgegen bisheriger Annahmen ist sexuelle Erfahrung kein Vorteil für die Partnerwahl und den Paarungserfolg
Weiterlesen

Hausmäuse; Bildquelle: Kerstin Thonhauser/Vetmeduni Vienna

Promiskuitives Verhalten wilder Hausmäuse: Mäusedamen haben mehr als nur einen Partner

Weibliche Tiere beschränken sich oft nicht auf einen männlichen Sexualpartner. Hierfür gibt es verschiedene wissenschaftliche Hypothesen. Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) haben nun das promiskuitive Verhalten wilder Hausmäuse untersucht
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen

26.12.