Gestresste Wildhühner in Bedrängnis

(13.03.2008) Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, der Universität Bern und der Veterinärmedizinischen Universität Wien beweist, was bislang nur vermutet wurde: Die bedrohten Auerhühner und Birkhühner erleiden umso mehr Stress, je intensiver ihr Lebensraum vom Wintersport genutzt wird.

Doch auch in der Nähe von touristisch stark genutzten Gebieten ist ein Nebeneinander von Wildhühnern und Wintersport möglich, wenn Pisten- und Wegegebote befolgt werden. Für die Kern-Lebensräume der bedrohten Hühnervögel braucht es aber zusätzlich Wildruhegebiete.

Mit laut klatschendem Geräusch fliegen Auerhühner und Birkhühner auf, wenn ihnen Skitourenfahrer oder Schneeschuhgänger zu nahe kommen und sie stören. So zu fliehen braucht viel Energie, und die ist im Winter knapp. Es wird deshalb schon lange vermutet, dass derartige Störungen mitverantwortlich sind für den Rückgang dieser beiden bedrohten Wildhühner.

Nun gibt es dazu erstmals auch wissenschaftlich erhärtete Fakten. Forschungsresultate der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, der Universität Bern und der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben für Birk- und Auerhühner zeigen können, dass Störungen durch den Menschen tatsächlich ein Problem sind, und dass es dabei nicht bloss um höheren Energieverbrauch geht.

In der heute erschienenen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Journal of Applied Ecology wird auch vorgestellt, wie der Stress gemessen werden kann, ohne dabei die Auerhühner zu stören: Aus im Wald gesammelten Kotproben der Vögel lassen sich die Abbauprodukte der Stresshormone bestimmen.

Energie-Engpass und Störungen im Winter

Auerhühner und Birkhühner sind Vegetarier. Im Winter nehmen sie mit derjenigen Nahrung Vorlieb, die nicht vom Schnee zugedeckt ist, und fressen deshalb Nadeln von Tannen und Fichten. Diese enthalten aber nur wenig verwertbare Energie. Deshalb müssen die Hühner Energie sparen und ihre Aktivität auf ein Minimum beschränken.

Doch nicht nur der erhöhte Energieverbrauch kann ein Problem sein. Sind Menschen in der Nähe, produziert der Vogelkörper mehr Stresshormone, auch wenn keine Fluchtreaktion stattfindet. Erhöhte Konzentrationen an solchen Hormonen belasten den Stoffwechsel für längere Zeit und führen zu einer schlechteren körperlicher Verfassung.

Kommt wegen ständiger Fluchten ein erhöhter Energieverbrauch dazu, kann das eine erhöhte Sterblichkeit zur Folge haben. Ausserdem kann der Fortpflanzungserfolg im darauffolgenden Frühling beeinträchtigt werden.

Die detaillierte Untersuchung des Fluchtverhaltens von Auerhühnern hat gezeigt, dass sich die Vögel nicht an den Menschen gewöhnen. In Gebieten, die häufig von Touristen aufgesucht werden, sind die Fluchtdistanzen eher noch grösser als in Gebieten, die wenig besucht sind.

Erforderliche Massnahmen

Damit Auerhühner und Birkhühner ihre Lebensräume in der Schweiz auch künftig besiedeln können, braucht es einen Schutz dieser Räume gegen Störung im Winter. Die nötigen Massnahmen hängen sehr stark von der jeweiligen Situation ab. Unter Umständen reicht es, einen Raum nicht mit Strassen oder befahrbaren Wegen zu erschliessen. In anderen Fällen braucht es Betretverbote oder Wegegebote.

In einigen Kantonen gibt es bereits etablierte Wildruhegebiete, die zwar meist nicht exklusiv für Auerhühner und Birkhühner eingerichtet wurden, sich aber in vielen Fällen mit wichtigen Lebensräumen der beiden Arten überschneiden. Auch in Gebieten ohne kantonale Konzepte sind einfache lokale Lösungen möglich.

Es gibt gute Beispiele von Bergbahn-Unternehmen, welche in Zusammenarbeit mit den Wildhütern die wichtigen Wildtier-Wintereinstände mit entsprechenden Markierungen und Absperrbändern entlang der Pistenränder kennzeichnen. Solche Beispiele sollten überall in touristisch stark genutzten Gebieten Schule machen.

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