Studie über UV-Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung mit Telford Preis ausgezeichnet

(28.12.2016) Trinkwasser sollte nicht nur schadstofffrei, sondern vor allem frei von Krankheitserregern sein und kann mit ultra-violetter Strahlung effektiv desinfiziert werden.

Entsprechende UV-Anlagen müssen dazu allerdings festgelegten Qualitätsstandards entsprechen. Forschende rund um Alois Schmalwieser vom Institut für Physiologie und Biophysik der Vetmeduni Vienna untersuchten nun in einer zehnjährigen Studie, welche und wie bestimmte Kriterien den Betrieb der Anlagen beeinflussen.


UV-Anlagen, wie diese im Wasserwerk Wien-Nussdorf, verbessern die Trinkwasserqualität. Schmalwieser und sein Team erhoben in den letzten zehn Jahren wie bestimmte Faktoren den Betrieb der Anlagen beeinflussen können

Dadurch war es ihnen erstmals möglich den Einfluss des Alters der UV-Lampen und der Wassertemperatur quantitativ zu erfassen. Die Ergebnisse fanden nicht nur in die entsprechende österreichische Qualitätsnorm M5873-1 Einzug.

Sie wurden auch im renommierten Journal of Environmental Engineering and Science veröffentlicht und von der "British Institution of Civil Engineers" (ICE) mit dem begehrten Telford Premium Preis ausgezeichnet.

Für die Trinkwasserqualität ist vor allem das Fehlen von Krankheitserregern entscheidend. Krankheitserreger im Wasser können schwere Krankheiten wie Cholera auslösen.

Trotz der hohen Qualität des Trinkwassers in Österreich, sind deshalb auch Wasserwerke in Österreich mit Anlagen zur Sicherung der Wasserqualität ausgestattet.

Das Werk Wien-Nussdorf verfügt über eine sogenannte UV-Anlage, die das durchfließende Wasser mit ultravioletter Strahlung desinfiziert.

UV-Strahlung verbessert Wasserqualität und ist kundenorientiert

„Ultraviolette Strahlung wird standardmäßig in Laboren zur Reinigung von Abzügen und Laborgeräten verwendet“, sagt Alois Schmalwieser vom Institut für Physiologie und Biophysik der Vetmeduni Vienna.

„Die Bestrahlung wirkt besonders effektiv gegen Keime und Parasiten, da sie deren oft starke Hülle durchdringt und ihr Erbgut beschädigt, so dass sich die Mikroorganismen nicht mehr vermehren oder entwickeln können“.

Zusätzlich verändern sich durch die UV-Strahlen weder Geschmack, noch Geruch, anders als bei einer Behandlung mit Chlor.

UV-Anlagen müssen allerdings die Vorgaben der österreichischen Qualitätsnorm, ÖNORM M5873-1, erfüllen. Diese legt Anforderungen an Auslegung, Betrieb und Überwachung der Anlagen fest.

Die Bedingungen sollen sicherstellen, dass bei der Desinfektion lebensmittelrechtliche Bestimmungen eingehalten werden. Für drei entscheidende Faktoren erstellte Schmalwiesers Forschungsteam eine Zeitreihe über die letzten zehn Jahre.

Lampenalter und Wassertemperatur erstmals quantitativ erfasst

Besonders wichtig ist die UV-Durchlässigkeit des Wassers für die Leistungsfähigkeit der Anlage. Diese verändert sich aufgrund wechselnder Inhaltsstoffe über das Jahr. Für eine ordnungsgemäße Funktion spielen das Lampenalter und die Wassertemperatur ebenso eine entscheidende Rolle.

Der Einfluss dieser beiden Faktoren konnte bislang nicht quantitativ erfasst werden. Schmalwieser und seinem Team gelang es durch die  Langzeitstudie für beide Kriterien ein entsprechendes Modell zu erstellen. Dadurch ist es erstmals möglich die Auswirkungen auf die Desinfektionsmethode zu bestimmen.

Die Sensortechnik, mit der die Anlage überwacht wird, hat laut Schmalwieser langfristig zusätzlich  Einfluss auf die Qualitätssicherung. Ihre Stabilität verändert sich über ihre Lebensdauer. Die Anlagen in Österreich entsprechen jedoch bislang allen Vorgaben.

UV-Team-Austria für Studie mit international anerkanntem Preis ausgezeichnet

Schmalwieser und seine KollegInnen betreiben Als UV-Team-Austria den Standort Wassertechnikum-Wiental. Dort testen die Forschenden unterschiedliche Prototypen zur UV-Bestrahlung größerer Wassermengen und entwickelten eine zuverlässige Methode zur Qualitätssicherung der Anlagen, die auch in der ÖNORM M5873-1 berücksichtigt wird.

Ihr zehnjähriger Bewertungstest wurde dieses Jahr in der Fachzeitschrift Journal of Environmental Engineering and Science  veröffentlicht und vom Verlag, Institution of Civil Engineers (ICE) Publishing, mit dem Telford Premium Preis ausgezeichnet.

Schmalwieser freute sich dabei besonders über die Beachtung, die die Studie unter den FachkollegInnen erhielt. Diese entscheiden über die Vergabe der einzelnen Preise.

Telford Premium Preis

Der Verlag der britischen “Institution of Civil Engineers” (ICE Publishing) vergibt jährlich Preise für akademische und industrielle Veröffentlichungen in den verlagseigenen Fachzeitschriften.

Ausgezeichnet werden Arbeiten, die zu wesentlichen Verbesserungen in den Bereichen Bauwesen, sowie Struktur- und Materialwissenschaften beigetragen haben.

Schmalwieser erhielt den begehrten Telford Premium Preis gemeinsam mit seinen KoautorInnen für ihre Publikation über eine zehnjährige Studie zur Qualitätssicherung beim Einsatz von UV-Anlagen zur Desinfektion von Trinkwasser.

Überreicht wurde die Auszeichnung am 7. Oktober bei einer feierlichen Zeremonie in London.

Publikation

Der Artikel „Ten-year monitoring of an ultraviolet disinfection plant for drinking water“ von Alois Schmalwieser, Alexander Cabaj, Georg Hirschmann und Regina Sommer wurde im Journal of Environmental Engineering and Science veröffentlicht.
http://www.icevirtuallibrary.com/doi/full/10.1680/jees.14.00014



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Vetmeduni Vienna

Neue Therapiemöglichkeit bei aggressivem Blutkrebs entdeckt

Bei der häufigsten Form akuter Leukämie, der AML, wurde eine neue Therapiechance aufgezeigt. Forschende der Vetmeduni Vienna und des Ludwig Boltzmann Instituts für Krebsforschung identifizierten eine Schwachstelle des durch Mutationen verkürzten und dadurch onkogen wirkenden Proteins C/EBPα
Weiterlesen

Zusammenfassung der Aktionspunkte des mutierten Faktors JAK2V617F

Bösartige Knochenmarkserkrankung: Neue Hoffnung für MPN-PatientInnen

Myeloproliferative Neoplasien (MPN) können derzeit nur unzureichend behandelt werden. Ein Team der Vetmeduni Vienna und des CeMM Forschungszentrums für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften/Medizinische Universität Wien entdeckte einen neuen Behandlungsansatz
Weiterlesen

Pavian; Bildquelle: Dr. Dietmar Zinner

Paviane eröffnen neue Einblicke in die Evolution des Genoms

Ein Forschungsteam der Vetmeduni Vienna untersuchte die evolutionäre Diversifizierung am Beispiel von sechs Pavian-Arten. Die Ergebnisse der Studie liefern neue spannende Einblicke in die Entwicklung des Genoms
Weiterlesen

a) PatientInnen mit einer aktivierenden STAT5B-Mutation haben eine erniedrigte Interferon-Antwort, was die Entstehung und das Wachstum von Leukämiezellen fördert. b) Im Leukämiemausmodell ohne STAT5B führt die erhöhte Interferon-A; Bildquelle: Institut f. Pharmakologie und Toxikologie/Vetmeduni Vienna

Neuer Behandlungsansatz gegen Leukämien

Einem internationalen Forschungsteam unter Leitung von WissenschafterInnen der Vetmeduni Vienna gelang ein wichtiger Schritt, um lymphatische Leukämien besser zu verstehen
Weiterlesen

Schwein; Bildquelle: Vetmeduni Vienna

Listerien im Futter: Ein gefährliches Hygieneproblem bei Mastschweinen

Eine aktuelle Studie der Vetmeduni Vienna untersuchte eine tödliche Listeriose bei Mastschweinen, bei der fast jedes zehnte Tier verstarb
Weiterlesen

Marinomed

Marinomed: Partnerschaft in China und EIB-Finanzierung

Marinomed Biotech AG konnte in den ersten Wochen des Jahres 2019 bedeutende strategische Meilensteine umsetzen und operative Erfolge erzielen
Weiterlesen

Kremesberger Tagung Bestandsbetreuung Wiederkäuer

9. Kremesberger Tagung Bestandsbetreuung Wiederkäuer

Am 25.1.2019 veranstaltet die Abteilung Bestandsbetreuung der Klinik für Wiederkäuer der Vetmeduni Vienna (Leitung Prof. Drillich) die 9. Kremesberger Tagung
Weiterlesen

Hunde sind gute Beobachter und sozial lernfähig. Sie zeigen sogar Ansätze zur sogenannten Überimitation, des bisher als rein menschliches Phänomen angesehenen Lernens kausal irrelevanter Handlungen; Bildquelle: T. Suchanek/Vetmeduni Vienna

Soziales Lernen auch bei Hunden: Überimitation möglicherweise kein rein menschliches Phänomen

Gängige Lehrmeinung ist, dass Überimitation – eine besondere Form des sozialen Lernens – eine ausschließlich menschliche Eigenschaft ist
Weiterlesen