Viele heimische Wildvögel mit Plasmodien infiziert

(10.02.2015) Diese von Stechmücken übertragenen Blutparasiten verursachen bei heimischen Vögeln aber meist keine Erkrankungen. Unsere Vögel sind an die Parasiten gewöhnt. Ein Pathologieteam an der Vetmeduni Vienna zeigte nun erstmals, dass auch heimische Vögel an der Vogelmalaria erkranken können.

Die erhobenen Daten wurden in der Fachzeitschrift Parasitology Research veröffentlicht.

Im Sommer der Jahre 2001 bis 2004 kam es in Österreich zu einem massiven Amselsterben. Forschende der Vetmeduni Vienna untersuchten damals mehr als 600 verstorbene Vögel und identifizierten das Usutu-Virus als Todesursache.

Die Vögel wurden damals in einer groß angelegten Sammelaktion von der österreichischen Bevölkerung zusammengetragen und den WissenschafterInnen der Vetmeduni Vienna zur Verfügung gestellt.


Der Feldspatz. Passer Monatus

Nun, über zehn Jahre später, griffen die Forschenden erneut auf das umfangreiche Probenmaterial zurück, um die damals verstorbenen Tiere auf Vogelmalaria zu untersuchen. Bislang dachte man, dass hierzulande nur Zoovögel von der Vogelmalaria betroffen seien. Und zwar jene Vögel, die aus Ländern stammen, in denen es keine Stechmücken gibt.

Diese Tiere stammen aus der Antarktis oder aus dem hohen Norden und konnten sich im Laufe ihrer Entwicklung nicht an die Vogelmalaria gewöhnen. „So ist eine Infektion für Pinguine im Zoo beispielsweise lebensbedrohlich“, erklärt der Studienleiter Herbert Weissenböck.

„Heimische Vögel haben sich evolutionär an die Blutparasiten angepasst. Sie tragen den Erreger meist in sich, erkranken aber nicht. Das dachten wir zumindest bisher.“  

15 Prozent der untersuchten Vögel mit Vogelmalaria befallen

Die Forschenden untersuchten Organe wie Leber, Milz, Lunge und Gehirn von 233 toten Vögeln aus der damaligen Sammelaktion. Das Ergebnis: Etwa 15 Prozent der untersuchten Tiere waren so massiv mit Plasmodien befallen, dass auch ihre Organe bereits geschädigt waren.


Entwicklungsstadien von Plasmodien in einem Blutgefäß des Gehirns, die zum nahezu vollständigen Gefäßverschluss geführt haben

Die Forschenden gehen davon aus, dass die Vogelmalaria in diesen Fällen Todesursache war. 

Für heimische Wildvogelpopulationen sieht Weissenböck jedoch kein Risiko. „Nur ein kleiner Teil der Population stirbt wahrscheinlich regelmäßig an der Vogelmalaria. Für die Gesamtheit spielt dies keine dramatische Rolle. Dass heimische Vögel überhaupt erkranken können, ist völlig neu.“

Drei verschiedene Plasmodienarten gefunden

Auf der ganzen Welt sind etwa 100 verschiedene Plasmodienarten bekannt. Weissenböck identifizierte gemeinsam mit der Erstautorin Nora Dinhopl drei Arten in den Vögeln: P. elongatum, P. vaughani sowie eine verwandte Art des südamerikanischen P. lutzi.

Diese neue Art muss noch genau analysiert und zugeordnet werden. Eine vierte Unterart, die in Mitteleuropa eigentlich häufig vorkommt, P. relictum, haben die Forschenden in den toten Tieren überraschenderweise nicht gefunden. „Möglicherweise verursacht das bisher gefundene P. relictum weniger schwere Verläufe. Wir führen die Todesfälle auf die ersten drei Unterarten zurück“, so Weissenböck.

Diagnostische Methode entwickelt

Um die Organe der vor etwa zehn Jahren verstorbenen Vögel auf Malaria untersuchen zu können, wendeten Weissenböck und sein Team eine spezielle RNA-Färbemethode an. Ein Farbstoff bindet nur an jenen Stellen im Gewebe, wo sich tatsächlich auch RNA bestimmter Zellorganellen des Parasiten befindet.


Mit Hilfe der RNA-Färbemethode werden bestimmte Entwicklungsstadien der Plasmodien in schwarz sichtbar

In Zukunft wollen die PathologInnen diese Methode noch weiter verfeinern, um noch genauer zwischen einzelnen Parasitenunterarten differenzieren können. „Die Malaria weist man normalerweise im Blut nach. Fachleute können Plasmodien in den roten Blutkörperchen unterm Mikroskop  nachweisen.

Diese Möglichkeit hatten wir mit unseren archivierten Proben nicht mehr. Wir möchten unsere RNA-Färbung nun auch für Blutproben optimieren. Nur so können wir unterschiedliche Parasiten auch im Blut treffsicher unterscheiden“, betont Weissenböck.

Plasmodien dezimieren Stechmücken

Für Stechmücken scheint der Parasit auch problematisch zu sein. In einer vor kurzem veröffentlichten Studie zeigten litauische Kooperationspartner der der Vetmeduni Vienna, dass eine hohe Belastung mit Plasmodien auch den Insekten das Leben kostet (http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00436-013-3733-4 ). „Wahrscheinlich wird sogar die Stechmückenpopulation so jedes Jahr auf natürliche Weise reduziert“, so Weissenböck.  

Publikation

Der Artikel „In situ hybridization and sequence analysis reveal an association of Plasmodium spp. with mortalities in wild passerine birds in Austria” von Nora Dinhopl, Nora Nedorost, Meike M. Mostegl, Christiane Weissenbacher-Lang und Herbert Weissenböck wurde im Journal Parasitology Research veröffentlicht.
http://link.springer.com/article/10.1007/s00436-015-4328-z



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