Erster Wildvogel mit österreichischem Ring markiert

(11.04.2016) Am 5. April 2016 fand an der Österreichischen Vogelwarte der Vetmeduni Vienna  am Wilhelminenberg in Wien die erste wissenschaftliche Beringung von Wildvögeln mit eigenen, österreichischen Ringen statt.

Vogelberingung ist ein wichtiges Mittel um Daten zum Zustand der Wildvögel und ihren Wanderbewegungen zu erheben. Bisher wurde in Österreich mit deutschen Markierungsringen gearbeitet.

Durch die Kennzeichnung „KLIVV.AT AUSTRIA“ ist nun 103 Jahre nach der ersten Beringung eine internationale Zuordnung zu einer heimischen Beringungs- und Forschungsstation möglich.


Mit der Mönchsgrasmücke wurde gestern nach 103 Jahren zum ersten mal ein Zugvogel mit österreichischen Vogelringen markiert

Pünktlich mit dem Höhepunkt des Frühjahrszuges wurden gestern, 5. April 2016, zum ersten Mal wildlebende Vögel an der Österreichischen Vogelwarte, dem Austrian Ornithological Centre (AOC) am Wiener Wilhelminenberg, mit österreichischen Ringen markiert.

Die Premiere machte dabei eine Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla), die ab jetzt einen kleinen Aluminiumring mit der Codierung „T 000001“ und der Aufschrift „KLIVV.AT AUSTRIA“ am Bein trägt.

Die Aufschrift „KLIVV.AT“ verweist dabei auf die Webadresse der Österreichischen Vogelwarte, die ihren Sitz am Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat.

Der Fund oder die Sichtung eines beringten Vogels kann so unkompliziert an die MitarbeiterInnen des AOC gemeldet werden. Dank der neuen österreichischen Ringe ist ab jetzt über die Landesgrenzen hinweg sofort ersichtlich, dass ein Vogel in unserem Land beringt wurde.

Beringung in Österreich stand bisher unter deutscher Schirmherrschaft

Bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert werden landesweit wildlebende Vögel mittels kleiner Metallringe am Bein individuell markiert.


Von oben links, nach unten rechts: Wolfgang Vogl, Ivan Maggini, Anne Hloch und Leonida Fusani, Leiter der Österreichischen Vogelwarte
Bis vor kurzem koordinierte allerdings die deutsche Vogelwarte Radolfzell (Max-Planck-Institut für Ornithologie) die Vogelberingung in Österreich. Die hierzulande verwendeten Vogelringe trugen daher die Ringaufschrift „RADOLFZELL GERMANIA“.

Der Umstand, dass Österreich über Jahrzehnte hinweg keine selbständige ornithologische Forschungseinrichtung vorweisen konnte, führte schließlich zur Gründung der Österreichischen Vogelwarte.

Diese betreibt die neue nationale Beringungszentrale, die eigene Ringe verwendet und die Koordination der wissenschaftlichen Vogelberingung in Österreich übernimmt.

Die Zentrale hat mit Beginn des heurigen Jahres und damit exakt 103 Jahre nach der ersten Vogelberingung in Österreich ihre Arbeit aufgenommen. Wie es der Zufall so will, handelt es sich bei der gestern beringten Mönchsgrasmücke nun um genau jene Zugvogelart, mit der die deutsche Vogelwarte Radolfzell bahnbrechende Erkenntnisse über den Vogelzug gewinnen konnte.

Ein nahtloser Wechsel von deutscher zu österreichischer ornithologischer Forschung ist damit gelungen.

Beringung trägt zur Erhebung wichtiger wissenschaftlicher Daten bei

Die Vogelberingung dient nicht nur der Identifikation des Vogels. Neben Art- und Geschlechtsbestimmung werden auch biometrische Maße und Konditionswerte erfasst. Damit erhält man wichtige Daten über den Zustand des Vogelbestands.

Beringung und Fang-Wiederfang-Programme tragen somit zur detaillierteren Erfassung von Wanderbewegungen, populationsdynamischen Prozessen und dem jahreszeitlichen Auftreten von wildlebenden Vogelarten bei.

Für einen reibungslosen internationalen Datenaustausch ist die Verwaltung und Pflege einer modernen digitalen Datenbank für Beringungs- und Wiederfunddaten essentiell. Dies gehört zu den primären Aufgaben der Beringungszentrale.

Für aussagekräftige Untersuchungen mit ausreichend hohen Stichprobengrößen ist die Vogelwarte vor allem auf Mithilfe durch ehrenamtliche MitarbeiterInnen, den sogenannten BeringerInnen, angewiesen.

Ausbildung, Koordination und fachliche Betreuung dieser HelferInnen zählen ebenfalls zu den Hauptaufgaben der neuen nationalen Beringungszentrale.




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