Ziegen fressen entspannter mit Sichtblenden

(07.08.2016) Durch begrenztes Platzangebot kommt es bei der Ziegenfütterung vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen den Tieren. Die sozialen Spannungen kann man aber durch eine gute Gestaltung der Fressplätze reduzieren.

ForscherInnen vom Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Vetmeduni Vienna haben in Kooperation mit dem Institut für Ökologische Tierhaltung des Thünen Instituts gezeigt, dass Ziegen entspannter fressen, wenn zwischen den einzelnen Fressplätzen Sichtblenden vorhanden sind.

Die Studie wurde im Fachjournal Applied Animal Behaviour Science veröffentlicht.


Mit Sichtblenden werden Ziegen beim Fressen nicht abgelenkt und sind dadurch entspannter

Zur Fütterungszeit ist die Konkurrenz  im Ziegenstall besonders hoch. Soziale Spannungen steigen und es kommt häufiger zu Aggressionen. Einen wesentlichen Einfluss hat dabei das Platzangebot. Denn Ziegen halten gerne

einen gewissen Abstand  zu ihren Artgenossen ein - ihre Individualdistanz. Soviel Platz steht jedoch am Fressplatz selten zur Verfügung. „Um ans Futter zu gelangen,  kommen sich die Tiere dadurch „unfreiwillig“ viel näher, als sie es wollen.

Dies kann zu Verletzungen, Stress und letztendlich Einbußen bei der Milchleistung führen“, so Projektleiterin Susanne Waiblinger vom Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Vetmeduni Vienna.

Gut strukturierte Fressgitter haben positive Wirkung

Mit strukturellen Hilfsmitteln wie Fressgittern wird die Situation bereits verbessert. Diese schaffen eine gewisse Barriere zwischen den benachbarten Fressplätzen, da die Tiere ihren Kopf durch einzelne Öffnungen stecken um zu fressen. 

Die Fressgitter verhindern aber nicht, dass die Tiere sich  beim Fressen stören lassen. Denn Ziegen beobachten stets aufmerksam, wer sich neben sie stellt oder ob sich ranghöhere Tiere nähern.


Ohne Sichtblenden beobachten Ziegen aufmerksam was neben ihnen passiert und unterbrechen das Fressen

„Sie unterbrechen die Futteraufnahme, weil sie andere Tiere, die ihnen zu nahe kommen, vertreiben wollen oder weil sie vor dominanten Tieren ausweichen müssen“, erklärt Waiblinger. 

Von anderen Tierarten ist bekannt, dass blickdichte Abgrenzungen zwischen Tieren die Individualdistanz gewissermaßen verkleinern. „Sieht ein Tier ein anderes nicht, fühlt es sich nicht gestört“ meint Waiblinger.

Die Frage war daher, ob Sichtblenden auch die Situation am Fressplatz einer Ziegenherde entspannen können.

Das Team um Erstautorin Eva Nordmann brachte deshalb zusätzliche Sichtbarrieren in Kopfhöhe an den Fressgittern an. Dann beobachteten sie in zwei Gruppen, die jeweils zwei Wochen mit und zwei Wochen ohne Sichtblenden gehalten wurden, das Sozialverhalten und beurteilten den Ernährungszustand.

Außerdem erhoben sie wie viele Fressplätze gleichzeitig besetzt waren und analysierten Stressmarker im Kot. Vor allem beim Sozialverhalten und der Fressplatznutzung zeigte sich ein positiver Effekt der Sichtblende.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Die ranghohen Ziegen fraßen ruhiger, weil sie durch die Blenden keine Sicht auf die Fressplätze neben sich hatten und sich nicht gezwungen sahen Konkurrenten zu verjagen. Dadurch wurden auch die anderen Ziegen weniger von ihrem Fressplatz verdrängt.

Die Fütterungszeit zeichnete sich so durch eine entspanntere Situation mit weniger Störungen beim Fressen aus.

Die Fressplätze waren mehr ausgelastet und die Ziegen standen häufiger direkt nebeneinander ohne einen Fressplatz freizulassen.

Das Forschungsteam stellte bei den ranghohen Tieren sogar eine Zunahme des Ernährungszustandes (Bemuskelung und Fettanteil) im Lendenbereich fest. Die verringerte Störung durch benachbarte Tiere schien bei den ranghohen Tieren demnach die Futteraufnahme zu erhöhen.

Sichtblenden unterstützen Wohlbefinden

Die Sichtblenden verringerten die Aggressionen zwischen den Tieren im Fressbereich merklich. Für alle Herdenmitglieder verlief die Fütterungszeit somit entspannter. „Sichtblenden können daher als unterstützende Maßnahme am Fressplatz empfohlen werden“, schlussfolgert Waiblinger.

„Gemeinsam mit den Metallpalisaden bilden sie eine sehr gute Struktur für den Fressplatz im Ziegenstall und tragen zum Wohlbefinden der Tiere bei. Das kann längerfristig auch die Gesundheit und Milchleistung der Ziegen verbessern.“

Publikation

Der Artikel „Head partitions at the feed barrier affect behaviour of goats“ von Eva Nordmanna, Kerstin Barth, Andreas Futschik, Rupert Palme und Susanne Waiblinger wurde im Journal Applied Animal Behaviour Science veröffentlicht.
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168159115000970



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Pestis des Petite Ruminants; Bildquelle: Munkhduuren/Mongolian State Central Veterinary Laboratory

Endemische, virale Erkrankungen in der Nutztierhaltung als Bedrohung für Wildtiere

Pestis des Petits Ruminants (PPR) ist eine im westlichen Raum kaum bekannte, virale und häufig tödlich endende Krankheit kleiner Huftiere, wie Ziegen
Weiterlesen

Schweizerische Vereinigung für Wiederkäuergesundheit

SVW-Kleinwiederkäuertagung 2018

Die Schweizerische Vereinigung für Wiederkäuergesundheit lädt am 8. Februar 2018 zur Tagung an die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebesmittelwissenschaften, Zollikofen
 
Weiterlesen

Bundesamt für Naturschutz

Neues Naturschutzprojekt im Südharz stärkt Weidetierhalter und Artenvielfalt

Schaf- und Ziegenhalter im Südharzer Zechsteingürtel erhalten vom Bund ab 2018 finanzielle Unterstützung. Das Gebiet ist das größte und bedeutendste Gipskarstgebiet Mitteleuropas
Weiterlesen

Ziegenhaltung

Fachtagung für Ziegenhaltung!

Am 17. November 2017 findet bereits zum 8. Mal die Fachtagung für Ziegenhaltung an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein statt
Weiterlesen

Farbatlas Schaf- und Ziegenkrankheiten

Farbatlas Schaf- und Ziegenkrankheiten

Auf den Fotos sind leicht zu identifizierende „Leitsymptome“abgebildet, die das Erkennen der jeweiligen Krankheiten erleichtern - von Johannes Winkelmann  und Martin Ganter

Weiterlesen

Am FBN-Lernautomaten haben die Dummerstorfer Zwergziegen bereits ihre rasche Auffassungsgabe bewiesen; Bildquelle: FBN

Sind schlaue Ziegen glücklicher?

Dummerstorfer und Schweizer Wissenschaftler untersuchen Auswirkungen von gezieltem Denktraining auf das Tierwohl
Weiterlesen

MyVetlearn

Myvetlear Live-Webinar mit Professor Axel Wehrend zur Geburtshilfe bei Schaf, Ziege und Neuweltkameliden

Am Dienstag, 21. Februar 2017, findet von 18.00 bis 19.00 Uhr ein Live-Webinar mit Prof. Dr. Axel Wehrend von der Universität Gießen statt
Weiterlesen

Homöopathie für Schafe und Ziegen

Homöopathie für Schafe und Ziegen

Dieses Buch bietet Ihnen die Grundlagen und das nötige Wissen, um homöopathische Mittel bei Ihren kleinen Wiederkäuern mit Erfolg anwenden zu können
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen