Verbesserter Impfstoff gegen Allergien bei Pferden und Hunden entwickelt

(04.04.2018) Chronische allergische Erkrankungen bei Pferden und Hunden können dank einem innovativen Impfstoff neu behandelt werden.


Sommerekzem am Kopf eines Pferdes.
Dieser wurde von Forschenden unter Leitung der Universität Bern und in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich sowie mit privatwirtschaftlichen Partnern entwickelt. Die neuen Erkenntnisse, die nun bei Pferden und Hunden gewonnen wurden, könnten helfen, ähnliche Impfstoffe für den Menschen zu entwickeln.

Unter der Leitung von Prof. Martin F. Bachmann von der Universitätsklinik für Rheumatologie, Immunologie und Allergologie am Universitätsspital Bern, Inselspital, haben Forschende der Universitäten Bern und Zürich, der Universität Oxford und des lettischen Biomedical Research & Study Centers eine neue therapeutische Impfstofftechnologie entwickelt, die auf virusähnlichen Nanopartikeln basiert.

Erarbeitet wurden diese Impfstoffe gemeinsam von universitären Laboren, Spin-off-Firmen der Universität Zürich sowie internationalen privatwirtschaftlichen Partnern.

Der neue, verbesserte Impfstoff besteht aus einem eigens hergestellten, virusähnlichen Nanopartikel, der als Träger eines sogenannten T-Zell-Epitops, eines Verstärkers der körpereigenen Immunreaktion, dient.

Indem er das Immunsystem unterstützt, eignet sich der Impfstoff besonders für ältere und immungeschwächte Tiere. Ermöglicht wurde diese Spitzentechnologie durch neueste Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung, die nun für Haustiere zu erschwinglichen Preisen nutzbar gemacht wird.

«Diese Option wird wahrscheinlich die Art und Weise ändern, wie Haustiere medizinisch behandelt werden», sagt Martin Bachmann.

Das klinische Potenzial dieses Impfstoffs für die Verwendung in der Veterinärmedizin wird nun durch gleich zwei Artikel im «Journal of Allergy and Clinical Immunology » beschrieben, der meist zitierten Zeitschrift auf dem Gebiet der Allergie und klinischen Immunologie.

Die Forschergruppe berichtet über bahnbrechende Erfolge bei der Behandlung von Insektenstich-Ueberempfindlichkeit (Sommerekzem) bei Pferden und einer allergischen Dermatitis bei Hunden.

Impfstoff gegen Insektenüberempfindlichkeit (IBH) bei Pferden

Allergische Hautreaktionen durch Insektenstiche sind die häufigste Form von Allergien bei Pferden. Sie äussern sich in nässenden und blutenden Wunden sowie Krustenbildung, Schuppen, Schwellungen und Verdickungen der Haut.

34 betroffene Islandpferde nahmen an einer placebokontrollierten, doppelblinden klinischen Studie teil, die von einem Forscherteam um Antonia Fettelschoss-Gabriel vom Universitätsspital Zürich und der Universität Zürich durchgeführt wurde. 19 Pferde wurden geimpft, 15 erhielten ein Placebo.

Der Impfstoff bestand aus zwei miteinander verbundenen Komponenten. Die erste Komponente aktiviert das Immunsystem, basierend auf dem erwähnten virusähnlichen Nanopartikel.

Die zweite Komponente ist IL-5, ein spezifisches Molekül, das die Entwicklung und Aktivierung von sogenannten Eosinophilen reguliert, die eine bedeutende Rolle bei Allergien spielen.

Die Immunisierung mit diesem kombinierten Impfstoff wurde gut vertragen, begrenzte die Anzahl von Eosinophilen in der Haut und reduzierte dadurch Gewebeschäden. Dies führte zu stark reduzierten Hautläsionsen bei geimpften Tieren im Vergleich zur vorherigen Saison sowie zu Placebo.

«Anders als bei der klassischen Desensibilisierung, bei der versucht wird, das Immunsystem gegenüber den Allergenen tolerant zu machen, gingen wir gezielt gegen die Hauptauslöser von Insektenstichüberempfindlichkeit vor, den Eosinophilen», sagt Fettelschoss-Gabriel.

Eosinophile spielen auch eine Schlüsselrolle bei allergischem Asthma beim Menschen. Die neuen Erkenntnisse, die bei Pferden gewonnen wurden, können helfen, eine ähnliche Therapie beim Menschen zu entwickeln.

Impfstoff gegen atopische Dermatitis bei Hunden

Die atopische Dermatitis (AD) ist die häufigste allergische Hauterkrankung bei Hunden. Umfangreicher Juckreiz verursacht Kratzer, die zu einem Verlust von Fell und sekundären Infektionen der Haut führen und die Symptome beschleunigen.

AD beeinflusst nicht nur das Wohlbefinden von Hunden, sondern belastet auch ihre Besitzer, weil die Hunde sich andauernd kratzen.

Forschende um Prof. Martin Bachmann und Prof. Claude Favrot von der Klinik für Kleintiermedizin der Universität Zürich beschreiben die Entwicklung eines virusähnlichen partikel-basierten Impfstoffs gegen den Auslöser der Krankheit von Hunden, dem Protein IL-31, und zeigen, dass immunisierte Hunde eine robuste Immunantwort aufweisen.

Hunde, die besonders sensibel auf Hausstaubmilben reagieren, wiesen danach weit weniger Juckreiz-Symptome auf. Die Impfung gegen IL-31 bei Hunden könnte auch die Entwicklung eines ähnlichen Impfstoffes beim Menschen erleichtern gegen Krankheiten, die mit Juckreiz assoziiert sind.

Publikationen

Fettelschoss-Gabriel et al.: Treating insect-bite hypersensitivity in horses with active vaccination against IL-5, Journal of Allergy and Clinical Immunology, 04. April 2018, https://doi.org/10.1016/j.jaci.2018.01.041

Bachmann et al.: Vaccination against IL-31 for the treatment of atopic dermatitis in dogs, Journal of Allergy and Clinical Immunology, 04. April 2018, https://doi.org/10.1016/j.jaci.2017.12.994



Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Elefanten haben auf jeder Seite einen einzigen Zahn im Kiefer, der vom nächsten grösseren Zahn langsam nach vorne geschoben wird, wo er stückweise abbricht.; Bildquelle: UZH

Zahnwechsel sorgt bei Elefanten für Jojo-Effekt

Das Gewicht von Zoo-Elefanten schwankt im Laufe ihres erwachsenen Lebens in einem Zyklus von etwa hundert Monaten, wie Forscher der Universität Zürich herausgefunden haben
Weiterlesen

Prof. Dr. Ernst Peterhans; Bildquelle: Universität Bern

BVD-Virus bildet Schweizer Geschichte ab

Um die weltweit auftretende Rinderkrankheit BVD (Bovine Virusdiarrhö) in der Schweiz besser bekämpfen zu können, legten Forschende der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern eine Datenbank von BVD-Viren an
Weiterlesen

Vetsuisse-Fakultät

Nationale Studie als wichtiger Teil im Kampf gegen die Moderhinke

Eine schweizweite Untersuchung zum Vorkommen des Moderhinke-Bakteriums steht vor ihrem Abschluss. In über 600 Nutztierbetrieben und während zwei Jagdsaisons wurden in allen Kantonen insgesamt von rund 4800 Tieren Proben genommen
Weiterlesen

Neuer Versuchsstall von aussen.; Bildquelle: zvg

Neuer Stall ermöglicht innovative Forschung für tiergerechte Haltungssysteme

Ende November 2018 wird am Aviforum in Zollikofen ein neuer Versuchsstall für Geflügel und Kaninchen eröffnet. Der Stall bietet neue Möglichkeiten zur Erforschung tiergerechter Haltungssysteme
Weiterlesen

Universität Zürich

Fortbildung: Zahnprobleme beim Pferd

Boehringer Ingelheim und die Klinik für Pferdechirurgie laden zum Zürcher Fortbildungsabend am 29. November 2018
Weiterlesen

In der Studie wurden Zebrafischlarven als neuartiges Testsystem für psychoaktive Substanzen eingesetzt.; Bildquelle: National Institute of Genetics, CC BY 4.0

Zebrafischlarven helfen bei der Entdeckung von Appetitzüglern

Forscher der Universität Zürich und der amerikanischen Harvard University haben eine neue Strategie für die Suche nach psychoaktiven Medikamenten entwickelt
Weiterlesen

Vet-Webinar

Kostenloses Vet-Webinar: Perioperatives Schmerzmanagement beim Pferd

Dieses Webinar am 12. September 2018 wird von MSD Tiergesundheit unterstützt und ist deshalb für die ersten 1.000 Anmeldungen kostenfrei!
Weiterlesen

Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte

Studie zur Versorgungslage in der Schweizer Nutztiermedizin

Aktuell sind in der Schweiz ausreichend Nutztierärzte tätig, damit eine gute Versorgung gewährleistet ist. Engpässe bestehen auf einzelne Regionen begrenzt
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen