ABCD: Richtlinien zur Vorbeugung und Behandlung der FIV-Infektion

(08.04.2008) Das Europäische Expertengremium für Katzenkrankheiten (ABCD) veröffentlichte Ende März 2008 die ersten europäischen Richtlinien zur Vorbeugung und Behandlung der felinen Immundefizienzvirusinfektion (FIV-Infektion).

Europäische Expertengremium für Katzenkrankheiten (ABCD) Die FIV-Infektion weist eine lange latente bzw. „asymptomatische“ Periode auf, die Monate oder Jahre dauern und sogar lebenslang bestehen kann. Während dieser Zeit bleibt die Katze relativ frei von klinischen Symptomen (wie z. B. chronische Gingivostomatitis, chronische Rhinitis, Lymphadenopathie, immunvermittelte Glomerulonephritis und Gewichtsverlust).

Viele klinische Symptome der FIV-Infektion werden nicht direkt durch die viralen Effekte, sondern vielmehr durch Sekundärinfektionen verursacht; dies ist bei der diagnostischen Aufarbeitung unbedingt zu beachten.

FIV-positiv? Nicht zwangsläufig ein Todesurteil

Positive Ergebnisse praxisüblicher Tests, die bei Populationen mit niedriger Prävalenz (z. B. jungen Katzen, ausschließlich im Haus gehaltenen Katzen, Zuchtkatzen) ermittelt werden, sollten stets durch Labortests bestätigt werden.

„Katzen sollten niemals aufgrund eines positiven FIV-Tests euthanasiert werden“, betont Margaret Hosie (University of Glasgow), ABCD-Mitglied und international anerkannte FIV-Expertin. „FIV-infizierte Katzen können durchaus eine gute Lebenserwartung haben, wenn die assoziierten Sekundärinfektionen prompt behandelt werden.“

FIV-Testergebnisse von Katzenwelpen sind mit Bedacht zu interpretieren, da die Jungen von FIV-infizierten Muttertieren aufgrund der maternalen Antikörper FIV-seropositiv sein können. Bei diesen Kätzchen sollte der Test im Alter von 16 Wochen wiederholt werden. In seltenen Fällen können maternale Antikörper bis zu sechs Monaten vorhanden sein, sodass Katzenwelpen, die mit 16 Wochen erneut seropositiv testen, zwei Monate später nochmals einem FIV-Test unterzogen werden sollten.

Management: Überwachen und prompt behandeln

„FIV-infizierte Katzen sollten mindestens alle sechs Monate vom Tierarzt untersucht werden, um eventuell auftretende Symptome frühzeitig zu entdecken und eine sofortige Behandlung einzuleiten“, fügt Dr. Hosie hinzu. Diese Untersuchungen sollten eine Gewichtskontrolle und Routinelabortests wie hämatologische und biochemische Untersuchungen umfassen.

Nutzen und potenzielle Risiken einer Routineimpfung von FIV-infizierten Katzen sollten für jedes Tier individuell sorgfältig abgewogen werden. So ist zum Beispiel das Infektionsrisiko für ältere reine Hauskatzen, die davor bereits geimpft wurden, sehr niedrig; in diesen Fällen kann es ratsam sein, auf eine Auffrischungsimpfung zu verzichten. Im Gegensatz dazu ist eine Impfung bei FIV-infizierten Katzen mit hohem Risiko für eine zusätzliche Pathogenexposition (z. B. bei Freiläufern) sehr anzuraten.

Prävalenz: Bis zu 44% bei kranken Katzen

Das heute weltweit endemische FI-Virus wurde 1986 erstmals isoliert. Man unterscheidet fünf Subtypen, von denen die Subtypen A und B am häufigsten in Europa vorkommen. Die Prävalenz der FIV-Infektion ist sehr starken regionalen Schwankungen unterworfen; Schätzungen sprechen von 1 bis 14% bei gesunden Katzen und bis zu 44% bei kranken Katzen.

Die Übertragung der Infektion erfolgt über den Speichel durch den Biss eines infizierten Tieres. Außerhalb des Wirts überlebt das Virus nur wenige Minuten. Zudem ist es gegenüber allen gängigen Desinfektionsmitteln einschließlich normaler Seife empfindlich.

Ausführlichere Informationen und Downloads des vollständigen Textes der ABCD-Richtlinien über die FIV-Infektion erhalten Sie unter www.abcd-vets.org. Diese Richtlinien enthalten auch Empfehlungen für Katzen, die in Katzenzuchten leben oder mit Kortikosteroiden behandelt werden.

Die Richtlinien zur FIV-Infektion wurden im Rahmen des 6. Treffens des ABCD vom 24. bis 26. Oktober 2007 in München beschlossen. Bei diesem Treffen wurde auch das Thema der Tollwut bei Katzen erörtert; entsprechende Richtlinien dazu sind in Ausarbeitung.

weitere Meldungen

Katzen

COVID-19 bei Katzen - der aktuelle Wissensstand

Margaret Hosie ist Professorin für Vergleichende Virologie an der MRC-University of Glasgow Centre for Virus Research, seit 2005 Mitglied des Advisory Board of Cat Diseases (ABCD) und seit 2019 dessen Präsidentin
Weiterlesen

Yasmin Parr and Julia Klaus win the 2021 Young Scientist Award

Julia Klaus and Yasmin Parr win the 2021 Young Scientist Award

The 2021 ABCD Young Scientist Award, funded by Boehringer Ingelheim Animal Health goes to Dr Julia Klaus and to Dr Yasmin Parr (28)
Weiterlesen

Gratis Webinar: Empfehlungen des ABCD zu Impfungen von Katzen, zur FeLV-Diagnostik und zum SARS-CoV-2

Gratis Webinar: Empfehlungen des ABCD zu Impfungen von Katzen, zur FeLV-Diagnostik und zum SARS-CoV-2

Am 11. Juni 2020 werden anhand von Guidelines, Fact Sheets und Tools des ABCD werden die aktuellen Impfempfehlungen, Möglichkeiten zur Diagnostik von FeLV-Infektionen und der Wissensstand zu SARS-CoV-2 bei Katzen besprochen
Weiterlesen

European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD)

ABCD issues guideline on SARS-coronavirus-2 in cats

The Advisory Board on Cat Diseases has just published a new guideline in relation to SARS coronavirus-2 (SARS-CoV-2), the causative agent of COVID-19
Weiterlesen

European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD)

ABCD & Boehringer Ingelheim invite applications for the 2020 Young Scientist Award

The European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD) invites applications for the 2020 ABCD & Boehringer Ingelheim Award
Weiterlesen

European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD)

ABCD & Boehringer Ingelheim invite applications for the 2019 Young Scientist Award

The European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD) invites applications for the 2019 ABCD & Boehringer Ingelheim Award, which aims to reward innovative and outstanding work by promising young professionals in the field of feline infectious diseases and/or applied immunology
Weiterlesen

The European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD)

Virbac welcomed as Co-Sponsor: ABCD to become a self-governing organisation

The European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD), a panel of leading veterinary experts in immunology, vaccinology, diagnostics and/or clinical feline medicine, is in the process of becoming a self-governing organisation
Weiterlesen

Maria Flaminia Persichetti (centre), recipient of the 2018 ABCD Young Scientist Award flanked by Jean-Christophe Thibault (Boehringer Ingelheim) and ABCD board member Maria Grazia Pennisi (at right) who presented the award. ; Bildquelle: Florence Kahn-Ramos

Maria Flaminia Persichetti wins the 2018 Young Scientist Award

The 2018 ABCD Young Scientist Award funded by Boehringer Ingelheim Animal Health was presented to Dr Maria Flaminia Persichetti (32) for her work on feline vector borne diseases in southern Italy
Weiterlesen

Kurzmeldungen

Universtitäten

Neuerscheinungen

22.04.