FCV: Experten empfehlen jährliche Auffrischungsimpfungen für Hochrisiko-Katzen

(02.05.2007) Das Europäische Expertengremium für Katzenkrankheiten (ABCD, Advisory Board on Cat Diseases) hat am 17.4.2007 seine ersten Richtlinien für die  Prävention und das Management von Infektionen mit dem felinen Calicivirus (FCV) herausgegeben.

Advisory Board on Cat Diseases Das feline Calicivirus ist sehr häufig die virale Ursache von oralen und oberen respiratorischen Erkrankungen der Katze und ist in Kombination mit anderen Pathogenen, wie dem felinen Herpesvirus-1 (FHV-1) , für den "Katzenschnupfen-Komplex" verantwortlich.

Variabilität in Virulenz und Antigenität

"Wie die meisten RNS-Viren ist FCV ein Virus mit hoher Variabilität und ständig neuen Mutationen. Man kennt heute zahlreiche Stämme des felinen Calicivirus – und täglich können neue hinzukommen," erklärte Dr. Alan Radford (Universität Liverpool, GB), Mitglied des ABCD und international anerkannter Experte für das feline Calicivirus. "Aus diesem Grund finden wir beim FCV auch diese hohe Variabilität hinsichtlich Virulenz, Antigenität und postinfektiöser Immunität.

Auch Katzen, die eine FCV-assoziierte Erkrankung durchgemacht haben, verfügen wahrscheinlich über keine lebenslange Immunität gegenüber zukünftigen Erkrankungen, insbesondere wenn diese durch unterschiedliche Virusstämme verursacht werden," betonte Dr. Radford.

Für Katzen mit geringem Infektionsrisiko (z. B. reine Wohnungskatzen ohne Kontakt zu anderen Katzen) empfiehlt das ABCD Auffrischungsimpfungen gegen FCV in 3-jährigem Abstand, während Katzen in einem Umfeld mit höherem Infektionsrisiko (Mehrkatzenhaushalte, Katzenpensionen, etc.) eine jährliche Booster-Impfung erhalten sollten. Für alle anderen Katzen sollte die Entscheidung über eine Wiederholungsimpfung individuell auf der Basis einer Nutzen-Risiko-Analyse erfolgen.

"Das ABCD ist sich bewusst, dass ein Impfstoff gegen FCV als Einzelkomponente nicht verfügbar ist und dass die derzeit auf dem Markt erhältlichen Vakzinen Kombinationsimpfstoffe sind, die das feline Herpesvirus-1 und andere Komponenten enthalten," erklärte ABCD-Präsident Professor Marian Horzinek (Utrecht, Niederlande). "Eine jährliche Auffrischungsimpfung gegen FCV kann daher die gleichzeitige Verimpfung anderer Antigene bedeuten, die eventuell eine länger anhaltende Immunität induzieren."

Angesichts der Variabilität des felinen Calicivirus sind im Laufe der Jahre mehrere unterschiedliche Impfstämme entwickelt worden. Da jedoch keine ausreichend stringenten wissenschaftlichen Daten zu den einzelnen Vakzinen vorliegen, ist es zum derzeitigen Zeitpunkt schwierig, konkrete Empfehlungen für einen bestimmten Impfstoff auszusprechen. Sollte es in vollständig geimpften Katzenbeständen zu FCV-induzierten Erkrankungen kommen, kann der Umstieg auf ein unterschiedliches Impfantigen das klinische Erscheinungsbild der Infektion unter Umständen bessern.

FCV – Das Virus mit den vielen Gesichtern

Akute FCV-Infektionen verursachen typische Symptome wie orale Ulzera, Entzündungen des oberen Respirationstraktes und hohes Fieber sowie in der Regel auch chronische Stomatitis oder Gingivitis. Gelegentlich ist bei betroffenen Katzen auch eine transiente Arthritis zu beobachten. Obwohl man davon ausgeht, dass diese Symptome eine immunvermittelte Reaktion darstellen, ist die genaue Ätiopathogenese der felinen Calicivirus-Infektion ungeklärt.

Sowohl in den USA als auch in Europa sind in letzter Zeit auch schwerere, systemische Verlaufsformen einer FCV-Infektion beobachtet worden; betroffen waren vorwiegend adulte Katzen. Die derzeit verfügbaren Vakzinen scheinen gegen diese neue, oft tödlich endende Form der FCV-Infektion kaum ausreichend Schutz zu bieten. Glücklicherweise sind derartige Krankheitsfälle bislang nur vereinzelt aufgetreten.

Die Übertragung des felinen Calicivirus erfolgt in der Regel durch direkten Kontakt mit dem Speichel bzw. dem Augen- oder Nasenausfluss infizierter Katzen. Betroffene Tiere können das Virus noch Wochen bis Monate nach der Remission der klinischen Symptome ausscheiden. Die FCV-Infektion ist eine häufige Krankheit der Katzen, wobei Katzenwelpen besonders empfänglich für das Virus sind. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht überall dort, wo Katzen in großen Gruppen gehalten werden.

Dreifache Grundimmunisierung für Hochrisiko-Katzenwelpen

Für einen optimalen Schutz gegen eine FCV-Infektion empfiehlt das ABCD die Impfung aller gesunden Katzen und Katzenwelpen. Für die Grundimmunisierung der Katzenwelpen sollte die zweite Impfung nicht vor der 12. Lebenswoche erfolgen.

"In Katzenpopulationen mit erhöhtem Infektionsdruck, wie z.B. Katzenpensionen, Zuchtbetrieben, etc., kann es ratsam sein, den Kätzchen im Alter von 16 Wochen eine dritte Impfdosis zu verabreichen, da maternale Antikörper gegen FCV unter Umständen noch länger als zwölf Wochen vorhanden sein können," fügte Dr. Radford hinzu.

Dies gilt insbesondere für alle jene Situationen, in denen in der Vergangenheit Erkrankungsfälle bei geimpften Katzenwelpen zu beobachten waren.

Ausführlichere Informationen und Downloads des vollständigen Textes der ABCD-Richtlinien über die feline Calicivirus-Infektion erhalten Sie unter www.abcd-vets.org. Diese Richtlinien enthalten auch Empfehlungen für spezifische Situationen wie immunsupprimierte Katzen, Zuchtbestände oder Katzen unter Kortikosteroidtherapie.

Die Richtlinien zur Infektion mit dem felinen Calicivirus wurden im Rahmen der 5. Versammlung des ABCD, die von 31. Januar bis 2. Februar 2007 in Rom (Italien) stattfand, beschlossen. Bei dieser Versammlung wurden auch die Infektionen mit den felinen Retroviren besprochen, für die entsprechende Richtlinien zurzeit in Ausarbeitung sind.

Das Europäische Expertengremium für Katzenkrankheiten (ABCD) ist ein unabhängiges Gremium aus 17 führenden Experten für Immunologie, Impfstoffentwicklung und/oder Infektionskrankheiten der Katze aus zehn europäischen Ländern. Das ABCD wurde gegründet, um Empfehlungen für die Vorbeugung und Behandlung der wichtigsten Infektionskrankheiten von Katzen in Europa zu erstellen, die auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

Ausführliche Hintergrundinformationen erhalten Sie unter www.abcd-vets.org.



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