Epilepsie bei Kleintieren: Von der Diagnose bis zur Therapie

(22.09.2015) Die International Veterinary Epilepsy Task Force (IVETF) hat begonnen, standardisierte Richtlinien für Forschung, Diagnose und Behandlung von Epilepsie bei Hunden und Katzen zu entwickeln.

Die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) unterstützt das internationale Team aus Veterinärmedizinern mit drei Experten auf dem Gebiet der Epilepsie: Professor Dr. Wolfgang Löscher, Leiter des Instituts für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie, Professorin Dr. Andrea Tipold und PD Dr. Veronika Stein, beide aus der Klinik für Kleintiere.

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) Eine enge Zusammenarbeit besteht auch mit folgenden Experten der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München: Professorin Dr. Heidrun Potschka, Lehrstuhl für Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazie, Professorin Dr. Andrea Fischer, Dr. Velia Hülsmeyer, beide aus der Medizinischen Kleintierklinik am Zentrum für Klinische Tiermedizin, sowie Professor Dr. Kaspar Matiasek, aus der Abteilung Klinische und Vergleichende Neuropathologie am Institut für Neuropathologie.

„Epilepsie kommt bei Hunden und Katzen relativ häufig vor: In Deutschland sind 0,5 bis 1 Prozent der Hundepopulation betroffen – etwa 50.000 Patienten.

Die Erkrankung hat deshalb in der Forschung einen großen Stellenwert. Es gibt sehr viele wissenschaftliche Studien, die sich allerdings oft in Definitionen, Einteilungen der Krankheitsgrade, Messungen des Behandlungserfolgs und neuropathologischen Untersuchungen unterscheiden“, so Professor Dr. Wolfgang Löscher.

Das Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es, weltweit einheitliche Standards für zukünftige Studien zu entwickeln. So könnten die Forschungsergebnisse unterschiedlicher Studien besser miteinander verglichen werden.

„Zudem möchten wir Richtlinien einführen, die die Betreuung der Epilepsiepatienten verbessern und für eine gemeinsame Sprache innerhalb der Betreuungskette, also vom Züchter zum Tierbesitzer über den behandelnden Tierarzt bis hin zum Veterinärneurologen und Neurowissenschaftler, sorgen“, erklären Professorin Dr. Andrea Tipold und PD Dr. Veronika Stein.

IVETF hat auf der Open-Access-Plattform Biomedcentral im Bereich Veterinary Research sieben freizugängliche Publikationen veröffentlicht. „Diese Publikationen bilden die Grundlage für zukünftige gemeinsame europäische Projekte zur Epilepsie des Hundes“, sagt Professorin Andrea Fischer.

Sie enthalten Standards zu Definitionen und Terminologie (http://doi.org/10.1186/s12917-015-0461-2), Empfehlungen zu diagnostischem Vorgehen (http://doi.org/10.1186/s12917-015-0462-1), eine Übersicht über rassespezifische Epilepsiesyndrome und deren genetischen Hintergrund (http://doi.org/10.1186/s12917-015-0463-0), Medikation von Epilepsie bei Hunden in Europa (http://doi.org/10.1186/s12917-015-0464-z), Empfehlungen für Studiendesigns (Ergebnisanalyse) bei Hunden und Katzen (http://doi.org/10.1186/s12917-015-0465-y), Empfehlungen zu einem epilepsiespezifischen Magnetresonanztherapieprotokoll (http://doi.org/10.1186/s12917-015-0466-x) sowie zur Hirnprobenentnahme und weiterem Vorgehen mit diesen Proben (http://doi.org/10.1186/s12917-015-0467-9).

Bei der Publikation zum diagnostischen Vorgehen ist das Ziel der Wissenschaftler, eine Kontinuität bei der Epilepsiediagnosestellung zu gewinnen. Die Diagnosestellung bei Patienten mit möglichen epileptischen Anfällen beinhaltet zwei grundlegende Schritte: Erstens herauszufinden, ob es sich tatsächlich um epileptische Anfälle handelt und falls dem so ist, zweitens ihre zugrundeliegende Ursache zu klären.

Epileptische Anfälle von anderen, nicht-epileptischen krampfartigen Ereignissen zu unterscheiden, kann eine Herausforderung darstellen. In ihren Empfehlungen stellen die Wissenschaftler Kriterien vor, die bei dieser Unterscheidung helfen.

Die International Veterinary Epilepsy Task Force (IVETF) wurde 2014 von Tierärzten und veterinärmedizinischen Neurologen gegründet. Das vordergründige Ziel der Organisation ist es, Tierärzten, Züchtern und Tierhaltern gemeingültige Informationen zur Erkrankung Epilepsie bereitzustellen.



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