Göttinger Studie: Landschaften voller Mais schädigen Hummelvölker

(22.11.2018) Hummelvölker in Landschaften mit viel Mais sammeln Pollen nur weniger Pflanzenarten und wachsen deswegen weniger als Hummelvölker, die in bunten Landschaften ein vielfältiges Angebot an Pollen vorfinden.

Das haben Göttinger Agrarökologinnen und Agrarökologen herausgefunden. Die Arbeit ist in der Zeitschrift Journal of Applied Ecology erschienen.

Die Wissenschaftler setzten Hummelvölker in 20 verschiedenen Landschaften im Raum Göttingen aus. Diese unterschieden sich in Bezug auf durchschnittliche Feldgröße, Diversität der Nutzpflanzen sowie Flächenanteil von Raps und Mais.


Die Forscher setzen Hummelvölker in verschiedenen Landschaften aus.

Dann dokumentierten sie die Gewichtszunahme der Völker und sammelten den Pollen der Hummeln, welcher in Kooperation mit der Abteilung Palynologie und Klimadynamik untersucht wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass die Hummeln mit steigendem Anteil von Mais in der Landschaft weniger verschiedene Pollentypen sammelten.

„Dies wirkt sich negativ auf die Völker aus, da eine große Vielfalt von Pollentypen für ein optimales Wachstum entscheidend ist“, erklärt Annika Hass, die die Studie im Rahmen ihrer Doktorarbeit durchgeführt hat.

Feldgröße, Diversität der Nutzpflanzen sowie der Anteil von Raps hatten hingegen keinen Einfluss auf die Hummeln.

„Im Mais finden sich weit weniger Ackerwildkräuter als bei anderen Nutzpflanzen“, sagt Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie und Koautor der Studie.

„Ein mangelhaftes Wachs­­tum wie bei den Hummeln ist auch bei anderen Insekten, insbesondere Blütenbesuchern, zu erwarten.“ Die Forscher empfehlen daher, die negativen Auswirkungen von Mais mit Agrarumweltmaßnahmen wie Blühstreifen, Hecken oder bunten Brachen auszugleichen.



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